Angst war ständiger Begleiter während seiner Zeit im Krankenhaus. Foto:  

Franc W. erkrankte im März an Corona, lag mehrere Tage auf der Intensivstation und rechnete mit dem Schlimmsten. „Diese schreckliche Zeit werde ich nie vergessen.“ Gesund zu sein empfindet er jetzt als Luxus.

Bad Cannstatt - Die vier Wochen im Frühjahr haben Spuren hinterlassen. Wenn Franc W. über seine Corona-Erkrankung spricht, muss er immer wieder Pause machen. Zu überwältigend sind die Emotionen, die damit verbunden sind. Seine Augen werden feucht. „Ich dachte, es geht zu Ende mit mir.“ Die Tage auf der Intensivstation des Esslinger Krankenhauses waren begleitet von ständiger Angst, es nicht zu schaffen, wieder auf die Beine zu kommen. „Was da in einem vorgeht, ist unbeschreiblich.“

Jetzt sitzt Franc W. auf einer Bank im Schatten auf dem Tennisgelände des ESV Rot-Weiß Stuttgart, trinkt ein Radler und genießt es. „Ich hatte den Geruch- und Geschmacksinn total verloren.“ Der 69-Jährige ist seit 29 Jahren ehrenamtlich technischer Leiter der Tennisanlage, „Mädchen für alles“ und auch im Vorstand des Hauptvereins aktiv – und unheimlich dankbar, dass er wieder hier sein kann. Denn danach hat es eine Zeit lang nicht ausgesehen.

Nach Hause geschickt

Am 11. März flog er nach Berlin zur Beerdigung seiner Tante, zwei Tage später ging es wieder zurück. „Da muss ich mich angesteckt haben“, ist er überzeugt. Denn niemand aus seiner Verwandtschaft, die auf der Beerdigung war, ist an Corona erkrankt. Nur er. Das wusste Franc W. zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht. Eine Woche später bekam er heftigen Husten, der nicht besser wurde, auch nachts nicht. „Ich dachte, der bringt mich um.“ Am 25. März suchte er seinen Hausarzt auf, dessen Vertretung schickte ihn nach Hause, es sei „nix Schlimmes“. Doch besser wurde es nicht. Franc W. ging es immer schlechter. Geschmacks- und Geruchsinn verschwanden, seine Frau hatte Mühe, ihn am Montagabend zum Arzt zu bringen. Dieser wies ihn sofort ins Esslinger Krankenhaus ein.

„Das wünscht man keinem“

„Ich wurde getestet und einen Tag später lag das Ergebnis vor.“ Er erhielt Infusionen und Sauerstoff, Blut wurde abgenommen, er wurde isoliert. „Ich kam mir vor wie ein Gefangener.“ Drei Tage später wurde er auf die Intensivstation verlegt. Seine Sauerstoffwerte waren im Keller, ein Lungenkollaps drohte. „Glücklicherweise musste ich nicht intubiert werden.“ Aber zwei Tage auf dem Bauch liegen, um die Lunge zu entlasten. Zwei Tage lang wurde er künstlich ernährt. Seine Zunge war jeden Morgen braun, verhärtet und dick. Nach vier Tagen waren seine Werte besser. Nach dieser positiven Nachricht meinte jedoch eine Ärztin: „Sie sind noch lange nicht über dem Berg.“ Die große Angst kehrte zurück. „Das wünscht man keinem.“

Kontakt nach außen über Handy

Kontakt mit der Außenwelt erfolgte ausschließlich per Handy. So hielt er Kontakt zu seiner Frau, bei der nach dem Test im Krankenhaus ebenfalls Corona nachgewiesen wurde. „Sie hatte aber glücklicherweise keine Symptome, verbrachte die 14 Tage Quarantäne zuhause.“ Viel Zuspruch erhielt er von seinem Verein. „Das hat mir Mut gemacht.“ Die psychologische Unterstützung sei hilfreich gewesen. Im Krankenhaus habe er sich sehr gut versorgt gefühlt. „Die haben Unheimliches geleistet“, ist Franc W. dankbar. „Man hat es nicht mehr in der eigenen Hand.“

Zwölf Kilo abgenommen

Nach 16 Tagen im Krankenhaus konnte er nach Hause. „Die 14 Tage Quarantäne danach habe ich gebraucht, um wieder auf die Beine zu kommen.“ Selbst das Duschen ist schwergefallen. Zwölf Kilogramm Gewicht hat verloren. Inzwischen sind alle Werte normal. Ende August wird er auf Antikörper untersucht. „Es war eine schlimme Zeit. Diesen Monat werde ich nie vergessen.“

Als er dann die Groß-Demo auf dem Wasen gesehen hat, von den Corona-Leugnern, Verschwörungstheoretikern und Masken-Gegnern, wollte er am liebsten hingehen, ihnen seine Bilder aus dem Krankenhaus zeigen und seinen Leidensweg schildern. Über so viel Unverständnis und Dreistigkeit kann er nur den Kopf schütteln „Das ist unverantwortlich und schon kriminell.“ Franc W. ist froh, dass er die Corona-Erkrankung überlebt hat. „Diese positive Nachricht ist schon ein Luxus.“ Franc W. atmet durch, schaut sich um – und lächelt.

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