Linda Kyei in ihrem Element Foto: /Franco Maria Jennewein (z)

Immer wieder kam etwas dazwischen, jetzt ist es fertiggestellt, das Debütalbum der Linda Kyei Band. Eine gekonnte Verschmelzung klassischer Instrumente und elektronischen Klangwelten.

Bad Cannstatt - Was lange währt, wird endlich wahr, könnte man im Fall von Linda Kyei sagen. Denn zehn Jahre hat es gedauert, bis ihr Debütalbum fertig wahr. „Drei Viertel der Songs auf dem Album sind in der Tat schon älter“, sagt die Sängerin. „Aber irgendwie kamen wir nie dazu, das Album fertig zustellen.“ Immer sei etwas los gewesen. Irgendwann war es sie es leid, bei den Livekonzerten, die Titel anzukündigen als „Song vom neuen Album.“ Und als wegen der Pandemie die zahlreichen Auftritte mit ihrer Band wegfielen, konnte das Werk namens „A room with a view“ vollends in Angriff genommen und abgeschlossen werden. Das Album erscheint am 30. Juli, die erste Single daraus, „My life“, bereits am 28. Mai.

Sanfte und experimentelle Stimme

Seit 2011 arbeitet die gebürtige Reutlingerin, die eigentlich zum Studieren nach Stuttgart kam, aber bei der Musik blieb, musikalisch mit Zbikbeat zusammen. Der Schlagzeuger und Produzent brachte die elektronische Variante in ihre Musik. Eine Zeit lang hat sie puristischen Jazz gemacht, kam 2007 dann über die Cannstatter Loungejazz-Formation Jazzeel auf den Geschmack. „Das Elektronische hat zu meinen Songs gepasst.“ Inzwischen nennen die beiden ihre Musik „popular electronic Jazz“: Warme Sounds und klare Songstrukturen, die dennoch Raum für die Improvisationen des Jazz bieten, elektronisch angereicherte Beats und eine Stimme, die sanft und experimentell zugleich erklingt. Zbikbeat und Linda Kyei, die neben dem Gesang auch Violine und Klavier beisteuert, bilden den Kern der Linda Kyei Band, zu der je nach Auftritt weitere Musiker dazukommen – vom Trio bis zum Sextett, „je nach Anlass“.

Fasziniert vom kalten Norden

Eine persönliche Zäsur erfolgte 2016. Innerhalb von zwei Jahren verstarb der Kern ihrer Familie. „Da musste ich mich erst mal orientieren.“ Da war nicht viel mit Kreativität. Sie nahm sich eine Auszeit und reiste nach Dänemark. „Da habe ich gemerkt, dass ich, obwohl ich gerne in der Stadt lebe, Ruhe brauche, den Ausblick, das Meer, die Natur und wenig Menschen.“ Von da an zog sie es immer wieder in den kalten Norden. Sie verbrachte Winter in Schweden. Die dort gedrehten Videos warf sie über Beamer an ihre Wohnungswand und machte dazu Musik. „Seitdem läuft es wieder.“ Drei dieser Songs haben den Weg aufs Album gefunden. Ihre geplante Reise nach Island und Norwegen fiel Corona zum Opfer. „Sobald es wieder möglich, hole ich es nach.“ Denn auch die Musikszene dort gefällt ihr gut. „Die ist kreativ und international.“ Eine ihrer Lieblingskünstlerin kommt aus Norwegen: Beadie Bell.

Die Veröffentlichung des Albums würde Linda Kyei gerne mit einer eine Live-Veranstaltung, feiern, am liebsten im Bix. „Doch zur Zeit lässt sich Derartiges nicht planen.“ Zur ersten Single wird es einen Videoclip geben und bis zum Album auch noch diverse „Pandemic Specials“ – eine Videoreihe mit Songs vom Album, aufgenommen an verschiedenen Orten. Die Genehmigung zu einer Session im Stuttgarter Hafen haben sie bereits. Gedacht ist auch an einen Clip auf dem Cannstatter Wasen. Das alles wird auf der Homepage der Band und in den sozialen Medien zu sehen sein. Dort kann auch das Album, das es zudem in einer limitierten Vinylversion geben wird, bestellt werden. Das selbst finanzierte Erstlingswerk soll auch in ausgewählten Läden mit großen Schaufenstern – passend zum Albumtitel – zu haben sein.

Frühe Affinität zu Klängen

Die Liebe zur Musik wurde Linda Kyei in die Wiege gelegt. Ihre Mutter war Musiklehrerin, hat sie schon früh zum Unterricht mitgenommen. Bereits im Kindesalter bemerkte sie ihre Affinität zu Klängen. Sie widmete sich verschiedenen Instrumenten und begann eine klassische Gesangsausbildung. Nach mehreren Dirigentenkursen leitete sie mit 15 Jahren ihr erstes eigenes Chorprojekt und fing über den Gospel langsam an, sich der Popularmusik und dem Jazz zu öffnen. Der Funke sprang über und sie begann, Songs zu schreiben und war schließlich europaweit mit unterschiedlichen Projekten unterwegs. Neben der Linda Kyei Band tritt sie auch mit der Linda Kyei Swing Combo auf, die sich dem Swingsound der 20er bis 40er Jahre verschrieben hat. Zudem sorgt sie auf Beerdigungen für Musik, allein, mit Chor oder kleinem Orchester. „Eine erfüllende Arbeit“, beschreibt sie, „man spürt, dass es den Trauernden guttut. Und auch mir gibt es viel.“

www.lindakyeiband.de