Bei der Weltmeisterschaft 2006 haben Fußbalfans vor allem in der Jubelstrecke im Berliner Tiergarten wild in die Büsche gepinkelt. Foto: dpa Quelle: Unbekannt

Die Großstadt ist ein Sammelsurium verschiedenster Gerüche. Nicht alle davon sind angenehm. Eklig wird es vor allem beim stechenden Gestank von Urin, den Wildpinkler an Büschen, Bäumen und Gebäudefassaden hinterlassen. Doch neben dem Gestank sind auch die Folgen für die Natur erheblich. Die Säure und Salze des Urins hinterlassen Schäden an den Pflanzen.

Von Erdem Gökalp

Wenn die Blase drückt, sehnt sich jeder nach einem ungestörten Ort, um seine Notdurft zu verrichten. Im Idealfall ist das eine sanitäre Einrichtung. Doch was ist, wenn kein Klo vorzufinden ist? Während die einen sich dennoch weiter nach einer öffentlichen Toilette umsehen oder beispielsweise in einer Gaststätte fragen, ob sie die Toilette benutzen dürfen, suchen sich andere ein stilles Örtchen im Freien. Speziell unter Alkoholeinfluss werden dann gerne Häuserfassaden oder auch Gartenanlagen und Bäume angepinkelt. Die Folgen: Gestank und Beschädigungen durch den säurehaltigen Urin.

In Bad Cannstatt waren die Auswirkungen des Wildpinkelns früher noch erheblicher. „Wir haben dann irgendwann Konsequenzen gezogen“, sagt Hagen Dilling vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt. Besonders betroffen waren der Uff-Kirchhof und der Kursaal. Um die Wildpinkler abzuschrecken, sollten besser belichtete Bereiche geschaffen werden. Dafür wurde kurzerhand das Dickicht reduziert. So konnten sich die Übeltäter nicht mehr unbeobachtet fühlen.

Doch in Bad Cannstatt gibt es noch ganz andere Problembereiche. Eine der prominetesten Stellen ist die Fußgängerpassage zwischen Marktstraße und Badstraße. Oft halten Passanten die Luft an, wenn sie den Durchgang benutzen. Die Leitung des Kaufhof Bad Cannstatt hat bereits die Putzkräfte damit beauftragt, täglich besondere Reinigungsaktionen vorzunehmen. Viel mehr bleibt ihnen nicht übrig. Denn die Wildpinkler sind unbelehrbar. Auch tagsüber wurden sie inzwischen schon rund um das Gebäude des Kaufhofs gesichtet.

Auch die Wasenpinkler sind vielen Cannstatter Bewohner schon seit Langem ein Dorn im Auge. „Speziell in der Zeit des Volksfestes oder Frühlingsfestes nimmt die Anzahl der Wildpinkler stark zu“, sagt Hagen Dilling Insbesondere der Schaden, der bei Pflanzen und Bäumen entsteht ist erheblich. Denn der säurehaltige Urin hinterlässt mehr als nur einen strengen Geruch. Die Pflanzen werden oft in Mitleidenschaft gezogen. „Welchen Schaden das auf die Botanik tatsächlich hat, kann man nicht abschätzen“, sagt Dilling. Besonders schwerwiegend seien die Auswirkungen jedoch bei Trockenperioden. „Wenn kein Regen fällt, dann macht es den Eindruck, dass der Gestank schlimmer wird.“ Denn der regelmäßige Regen spült auch den Urin weg.

Es ist kein ausschließliches Stuttgarter Phänomen. In anderen Städten werden sogar denkmalgeschützte Gebäude durch Wildpinkler beschädigt. Beispielsweise das Ulmer Münster. Dort geht inzwischen das Ausmaß des Wildpinkelns an die Bausubstanz. An einigen Stellen blättert der Sandstein zentimeterweise ab. Die Wildpinkler hinterlassen dort mehr als einen feuchten Abdruck an der Wand. In Stuttgart muss man aktuell 55 Euro für das Wildpinkeln bezahlen. Wobei die Stadt davor warnt, dass es nicht bei einem Bußgeld bleiben muss. Denn in besonders schwerwiegenden Fällen, beispielsweise wenn Kinder dem Anblick des Geschlechtsteils ausgesetzt sind, kann auch eine Freiheitsstrafe wegen sexueller Belästigung folgen. Die Devise lautet also, Vorsicht walten zu lassen und vielleicht sich den Uringang so lange zu verkneifen, bis sich eine Toilette finden lässt. Mutter Natur freut sich darüber.

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