Männer mit großem Ausdruck, mal nachdenklich blickend, dann ... Quelle: Unbekannt

(if) - Zwei Jahre nachdem die Autorin Kristina Patzak und der Fotograf Thomas Wagner in ihrem Porträtband „Weise Schönheiten - Schöne Weisheiten“ ältere Frauen im Licht ihrer Einmaligkeit zeigten, widmen sich die beiden Bad Cannstatter nun dem anderen Geschlecht. In ihrem Buch „Starke Männer - Männerstärken“ blicken 39 Herren zwischen 50 und 101 Jahren auf ihr bewegtes Leben zurück. Patzak und Wagner gehen dabei den Fragen nach, was bleibt, wenn die Muskelkraft des Mannes schwindet und wie Männer zu einer neuen gereiften und geistigen Stärke finden. Ihr im Saladier-Verlag erschienenes Buch zeigt spannende Porträts in Text und Bild und gibt Einblick in unterschiedliche Lebenswelten und -philosophien. Derzeit stellen sie ihr Werk im Rathaus Stuttgart, drittes Obergeschoss, Foyer, der Öffentlichkeit vor mit einer Ausstellung von Wagners Schwarz-Weiß-Fotos vor, die bis zum 27. Mai zu den regulären Öffnungszeiten im Rathaus zu sehen ist.

„Nachdem wir das Frauenbuch herausgebracht und die Vernissage im Anna-Haag-Mehrgenerationenhaus hatten, kam direkt die Frage, hauptsächlich von den Männern und wann kommt das Männerbuch? Uns war dann schon klar, dass das zusammengehört“, so Patzak. Sie hat wieder mit einem Fragebogen versucht den Männern Glaubenssätze, Werte und innere tiefe Erfahrungen aufzudecken.

Der Titel hat sich einmal aus dem Titel der Frauen ergeben, quasi als Wortspiel und der Frage, was entwickelt sich innerlich beim Mann, wenn seine körperliche Stärke nachlässt. Ähnlich war der Ansatz auch bei den Frauen. „Sie sind eben nicht alle körperlich stark wirkende Männer. Sie haben teilweise ihre Stärke aus einer starken entwickelten Persönlichkeit herausgeschafft und das war sehr spannend zu sehen und zu erfahren“, so Patzak. Es seien Männer dabei, die die körperliche Stärke durch ihre Stattlichkeit zeigen und trotzdem eine Güte und Feinheit haben. Erstaunt hat die Autorin, dass sie mehr Zeit brauchte bei den Interviews als bei den Frauen. „Es berührte mich, wie diese Männer über Frauen und im speziellen über ihre ’Sozialpartner‘ sprachen, so dass ich mir die Frage stellte: Schauen wir Frauen und Menschen nach wie vor durch ein Brennglas eines festgezurrten Männer- und Frauenbildes.“ Die Männer zeigten eine große Nähe und Verbundenheit zu ihren Familien und ihrem Umfeld“, so Patzak. Sie drückten dies so aus: Der Mann sollte mehr auf die Frauen hören, wir sind nicht allein auf der Welt. Ein selbstbewusster Mann kann starke Frauen neben sich stehen lassen. Ich bin gern Mann und bin froh, dass es den Gegenpol Frau gibt. Entsprechend stellte sich dann die Frage bei den Männern: „Wie die einen gut und aktiv mit ihrer körperlichen Vergänglichkeit umgehen und andere nicht. „Das Erstaunliche war, dass wir kein Ziel hatten und dann doch einen gemeinsamen Nenner fanden“, so Patzak. Die Haltung und Lebenseinstellung dieser Menschen sei ein „Ja zum Leben“, sie fühlen sich in der Welt willkommen.

Bei den Männern ist es eher ein Durchhaltevermögen, ein Trotzen der Widrigkeiten. Ihr Leben wurde häufiger durch einen Menschen, der ihre Persönlichkeit, ihre Potenziale erkannte und förderte. Dies war aber auch unabhängig von den Rahmenbedingungen der Zeit oder der Familie. „Das war wahrscheinlich das Erstaunlichste“, so Patzak.

„Stark sind die Männer, wenn sie die innere Stärke mit der körperlichen Stärke in einem „und“ leben“, so die Autorin. Das bedeutet, dass sie Sinnlichkeit, Kreativität, Feinfühligkeit für sich erlauben. Dann sind diese Männer auch wertschätzend für den Menschen und somit auch für das andere Geschlecht. Das drücke sich in dem Satz aus - Mann sein bedeutet Mensch sein - das sagten mehrere Männer, so die Autorin.

Männer fokussierten sich eher auf eine Sache und dann ganz. Sie brennen dann für diese Sache und setzen das deutlich in Taten um. Frauen scheinen sich für eine Vielzahl von Sachen zu interessieren, dadurch verteilt sich die Begeisterungsfähigkeit auf mehrere Interessen, hat Patzak festgestellt.

Fotograf Thomas Wagner berichtet von der Auswahl der Männer, den größeren Teil habe Patzak gefunden, den kleineren Teil er, Bekannte, Freunde und Empfehlungen bis hin zu zufälligen Begegnungen und Zeitungsartikeln. Wichtig war ihm, dass keine gestellten unnatürlichen Bilder entstehen. „Jeder Mann soll sich wohlfühlen bei meiner Arbeit und sich nicht verstellen müssen“, so Wagner. Sie sollten sich auf den Bildern wiedererkennen und gefallen oder eine neue Facette an sich entdecken. Die Vielfalt der Männer hat ihn beeindruckt. Im Vergleich zu den Frauen musste er mehr Zeit einplanen.

Die Ausstellung im Stuttgarter Rathaus ist noch bis zum 27. Mai zu sehen und zeigt 39 Porträts.

„Starke Männer -Männerstärken“, Kristina Patzak (Text) u. Thomas Wagner (Fotos), ISBN 978-3-9817022-2-4, 20 Euro, 104 Seiten, Saladier-Verlag.

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