Bewegte Bilder und Objekte bei der Galerie Keim. Foto: Iris Frey - Iris Frey

In der Galerie Keim gibt es derzeit einige Kuriositäten zu bewundern. Bewegte Bilder von Claude Stockinger und dazu Gemälde von Adam Lude Döring.

Bad CannstattEs ist ein spannendes künstlerisches Kuriositäten-Kabinett, welches Galerist Thomas Niecke derzeit in der Galerie Keim dem Betrachter bietet, zuletzt auch erfolgreich beim Art Alarm vergangenes Wochenende. Zu sehen sind derzeit Werke des am 24. Dezember 2018 verstorbenen Künstlers Adam Lude Döring und von Claude Stockinger. Die Werke bringen sich gegenseitig in den Dialog. Seien es die Hundertfelderbilder Dörings, die geome­trisch abstrahiert die Natur und menschliche Porträts darstellen oder seien es die malerischen Mischtechnik-Bilder mit Motiven wie etwa das von Peer Gynt.

Zu Dörings Themen, die er gern ins Künstlerische übersetzte, zählte die Musik, darunter schwungvolle Klavierspieler in Schwarz-Weiß. „Er hat bei John Cranko im Ballettsaal anfänglich Studien gemacht“, weiß Niecke. Auch Straßenmusikanten hat er eingefangen. Alle gezeigten Motive sind Originale, keine Drucke, bis auf ein Bild. Auch das Thema Sport spielt in Dörings Werk eine Rolle: Tennis, Boule, Billard und Schach. „Früher hat er gerne Billard gespielt“, weiß der Galerist. In den Bildern gewinnen sie einen eigenen Duktus, teils kantige Konturen und schwungvolle Bewegungen.

Dies macht den besonderen Reiz aus. Mehr noch ist es die Kombination, das gelungene Zusammenwirken mit den Werken von Stockinger. Auch er hat sich mit dem Thema Musik befasst: Bei ihm werden Instrumente weitergebaut oder gar zu Figuren. Die „Dreiecks-Beziehung“, eine Gitarre mit zwei Saiten-Armen, die eigentlich aus zwei Instrumenten besteht, welche übergangslos zusammengearbeitet ist. Eine Laute hat Stockinger figürlich gestaltet: Ganz oben am Hals ist der Kopf einer Frau. Kritische Kunst ist im „Wolf im Schafspelz“ zu finden: Stockinger hat den Kopf von Hitler mit roten Haaren verfremdet, Ohrringen und einem teuflisch-spitzem Spieß auf die Stirn gestanzt. Dahinter ein goldener Eichenkranz. Daneben ist von Döring „En profil rouge“, ein gesichtsloses Porträt eines Mannes zu sehen. Auch im ersten Stock geht das fantastische Kuriositäten-Kabinett mit Ironie und Philosophie weiter. In jeder Ecke gibt es Unerwartetes, trefflich kombiniert mit Dörings Werk. Einige Bilder von Stockinger sind kinetisch, bewegen sich. Der Künstler, zugleich Philosoph, mahnt angesichts der Klima-Diskussion „Achtung höchste Eisenbahn“ mit einem gleichnamigen Bahnhofsschild. Zu Dörings großformatigem Strawinsky Feuervogel gesellt sich eine Bronze-Figur mit zarten, langen schwebenden Armen. Bild und Objekt scheinen zu fliegen. Woanders ist Muncks „Schrei“ mit rotem Farbfleck und Einschuss-Loch zu sehen. Der Schuss kommt von einer gegenüber installierten Pistole. In einen Alm-Rausch darf sich der Betrachter dann beim gleichnamigen Gemälde versetzen lassen, wenn er nicht nur das Wetterhaus daneben anschaut, sondern das eigentliche Kunstwerk analysiert, welches fein säuberlich zerschnitten und zerlegt mit verschiedenen bunten Streifen neu kombiniert wurde.

Wo anders heißt es „Herr Holbein, ich hab da mal eine Frage“, die Stockinger stellt. In dem nachgemalten Holbein-Gemälde bewegt sich eine glitzernde Disco-Kugel. Darunter kleben ein paar Euro-Münzen. Ein moderner Geldwechsler. Stockinger kombiniert Klassik mit neuen Ideen und Reizen. Dazu kommen immer wieder die auch im kuriosen Strich gezeichneten und gemalten Porträts von Döring, die die Spielfreude mit Pinsel und Farbe ausdrücken. Döring erschafft farbige Gegenwelten, spielt mit Köpfen, Händen und Armen. Auch Stockinger kreiert immer wieder viel Kurioses, auch in den genähten Köpfen, den Metamorphosen aus Stoff, Filz und Folien.

Die Ausstellung ist noch bis zum 2. November bei der Galerie Keim, Marktstraße 31a, zu sehen, www.galerie-keim.de.

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