Die im Landkreis Esslingen aufgewachsene Pianistin Sophia Weidemann hat Johann Sebastian Bachs „Goldbergvariationen“ eingespielt.
Die Pianistin Sophia Weidemann, aufgewachsen im Landkreis Esslingen, gehört zu den renommierten Pianistinnen der jüngeren Generation in Deutschland. Sie erntete einhellige Begeisterung bei Presse und Publikum nach Konzerten in Bremen, Berlin und Leipzig. Als Solistin trat sie mit namhaften Orchestern auf, unter anderem im Beethovensaal der Liederhalle Stuttgart mit dem Klavierkonzert von Clara Schumann und beim Benefizkonzert in Rivne in der Westukraine im Juni mit dem Klavierkonzert a-Moll von Robert Schumann. Im Jahr 2024 erhielt ihre erste CD mit Werken von Fanny Hensel glänzende Kritiken. Und vor Kurzem hat sie mit den Goldbergvariationen von Johann Sebastian Bach ihre zweite CD eingespielt, die in dieser Woche auf den Markt kommt.
Frau Weidemann, wie begann Ihre Liebe zum Klavier?
Ich bin in Grötzingen im Aichtal aufgewachsen und hatte das Glück, im Nachbardorf von der Klavierpädagogin Dorothee Marquardt Unterricht zu erhalten. Sie hat mich maßgeblich gefördert, ohne sie wäre ich nicht, was ich heute bin. Ihr Ehemann, ein Geiger beim Radio-Symphonieorchester Stuttgart, lud mich als Zehnjährige zu einer Probe ins SWR-Funkhaus ein, wo ich ein entscheidendes Erlebnis hatte. Ich durfte mich von der weltbekannten Pianistin Hélène Grimaud inspirieren lassen und den Profimusikern bei der Arbeit zusehen.
War dies die Initialzündung zu Ihrer künstlerischen Karriere?
Nun, für mich war der Tag sehr motivierend und ich habe mir von da an vorgenommen, einmal zu den Besten zu gehören. Weitere wichtige Schritte erfolgten durch meine Aufnahme als Vorstudentin an der Stuttgarter Musikhochschule und durch zwei Konzerte mit dem Jugendsinfonieorchester Filderstadt in Chicago und in der FILharmonie Filderstadt, wo ich als sechzehnjährige Solistin das g-Moll Klavierkonzert von Mendelssohn-Bartholdy spielte.
Warum haben Sie für ihre zweite CD die Goldbergvariation ausgewählt.
Es ist eines meiner Lieblingswerke, das ich schon bei meiner Abschlussprüfung an der Musikhochschule Stuttgart gespielt habe. Nach einem Konzert mit diesem Werk hat sich ein Ehepaar, das von der Musik und vom Vortrag sehr begeistert war, bei mir gemeldet. Sie wünschten sich, dass auch andere Menschen dies erleben dürfen und haben mir die Aufnahme für die CD finanziert.
Wo haben Sie die Goldbergvariationen aufgenommen?
Ich wollte, dass dieses Werk, das so viel Größe, Fülle und Vielfalt hat, aufgenommen wird an einem Ort, wo es sich auch entfalten kann. Nach langer Suche bin ich in Berlin fündig geworden in der Jesus-Christus-Kirche, die berühmt ist für ihre Akustik. Sie passte genau zu meinen Vorstellungen, ebenso die Produktion durch die Leipziger Firma Genuin Classics mit dem Tonmeister Alfredo Lasheras.
Was war Ihnen wichtig bei Ihrer Einspielung dieses Bachschen Meisterwerks?
Dass der Gesamtzusammenhang der Variationen deutlich wird, dass die Spannung erhalten bleibt und es trotz 80 Minuten Dauer nie langweilig wirkt wie eine bloße Aneinanderreihung. Die herrliche Aria wird als Grundthema intoniert wie Gesang, dann mutiert sie in der Bandbreite barocker Vielfalt zu Virtuosen-Stücken, Tänzen, streng aufgebauten polyphonen Abschnitten oder solchen mit liedhaftem Charakter. Bei meinen zahlreichen Aufführungen des Werks gelang es mir immer, die Zuhörer in diesen Sog eintauchen zu lassen und ihnen die Kraft dieser Komposition zu vermitteln, die ganz sicher auch beim Hören der CD zu spüren ist.
Wann kann man Sie live erleben mit den Goldberg-Variationen?
Am Sonntag, 4. Januar 2026, im Weißen Saal im Neuen Schloss Stuttgart.