Elterntaxis sorgen vor Schulen für ein erhöhtes Unfallrisiko. Foto: Kienzle/ACE Auto Club Europa (z - Kienzle/ACE Auto Club Europa (z)

Elterntaxis sorgen täglich für Chaos vor Schulen. Verkehrsministerium will zusammen mit dem Automobilclub ACE den Hol- und Bringdienst minimieren.

Bad Cannstatt Viel Verkehr, unerlaubte Wendemanöver und verbotenes Parken: Dieses Bild zeigt sich täglich morgens und abends an Schulen. Schuld sind überfürsorgliche Mütter und Väter, die ihre Kinder bis direkt vor die Schule fahren. Das sorgt für Chaos, Stau und steigert das Risiko für Unfälle. Jedes fünfte Kind wird mittlerweile mit dem Auto zur Schule gefahren. Dagegen will das Land Baden-Württemberg nun vorgehen. Das Verkehrsministerium hat zusammen mit dem Automobilclub ACE die Aktion „Goodbye Elterntaxi“ ins Leben gerufen. Die 15. Verkehrssicherheits-Initiative des Clubs. Es wird an die Schüler appelliert, ihren Schulweg zu Fuß zurückzulegen. Bei der Auftaktveranstaltung in der Grundschule Sommerrain stellten Mitglieder des ACE zusammen mit Verkehrsminister Winfrid Hermann und der Rektorin Ruth Möller die Initiative vor.

Der Regionalbeauftrage des ACE für Baden-Württemberg, Reinhard Mohr konstatierte zu Beginn: Die Unfallzahlen mit Kindern sinken seit Jahren stetig, allerdings blieb die Zahl der Unfälle auf dem Schulweg stabil. Dies hängt mit dem täglichen Hol- und Bringverkehr zusammen. Neben dem erhöhten Unfallrisiko durch den vielen Verkehr, sieht Mohr noch ein weiteres Problem der Elterntaxis: „Schüler lernen auf dem Schulweg Eigenständigkeit.“ Man müsse mit dieser Kampagne vor allem die Eltern erreichen. Um das Problem auch anhand von Zahlen belegen zu können, versammelten sich Ehrenamtliche des ACE am Morgen vor der Schule und dokumentierten dort den Verkehr. Die Grundschule hat 450 Schüler. Davon wurden an diesem Morgen 53 mit dem Auto zur Schule gebracht. Zehn dieser Elterntaxis parkten im Halteverbot. Eines parkte in der zweiten Reihe. Dort kam es auch fast zu einem Unfall, als das Kind beim Aussteigen beinahe mit einem Post-E-Bike zusammengestoßen ist. Drei der Autos parkten auf dem Gehweg, vier vor Einfahrten. Allgemein sei den Beobachtern aufgefallen, dass weder Kinder noch Eltern vor dem Überqueren der Straße nach links und rechts schauen.

Die Aktion will vor allem aufklären, helfen und sensibilisieren. Dies soll durch den aktiven Dialog mit Schulen und Elternbeiräten und der Analyse des Hol- und Bringverkehrs und damit einhergehender Ableitung von Verbesserungen geschehen. Die Daten der Analyse und die Lösungskonzepte werden dann auch den zuständigen Kommunen präsentiert. Als Abschluss veröffentlicht der ACE dann noch den Abschlussbericht zum Schulbeginn 2019.

Verkehrsminister Winfried Hermann, der die Schirmherrschaft über das Projekt hat, kennt das Problem auch aus eigener Erfahrung: „Ich wohne direkt gegenüber einer Schule und bekomme das Chaos jeden Tag mit.“ Für ihn hat der eigenständige Schulweg neben der Senkung des Unfallrisikos und dem Lernen von Selbstständigkeit noch weitere Vorteile: „Bewegung ist gesund, wenn die Schüler mit dem Fahrrad kommen, lernen sie Koordination und sie sind auch wacher, als wenn sie zur Schule gefahren werden.“ Zudem würden die Schüler auf dem Schulweg mit den Verkehrsregeln vertraut gemacht und lernen sie dabei.

Rektorin Ruth Möller begrüßt die Initiative: „Man muss den Eltern bei diesem Thema immer wieder die Augen öffnen.“ Das versucht die Schule über die Kinder. Zwei mal im Jahr finden dort für zwei Wochen Schulwegtrainings statt. Letztes Jahr gab es dafür sogar einen Preis. Nebenbei gibt es weitere Anreizaktionen für die Kinder: Für jeden zurückgelegten Schulweg zu Fuß, gibt es farbige Klebepunkte. Außerdem erhalten neue Eltern ein Erklärblatt. „Dieses sprechen wir persönlich mit den neuen Eltern durch.“ Die Mühen zahlen sich aus: Vor zwei bis drei Jahren war die Elterntaxi-Problematik auf ihrem Höhepunkt. Man habe daraufhin die Bemühungen intensiviert, auch baulich. Eine Schranke wurde vor der Schule installiert. Mittlerweile hat sich die Lage etwas entspannt aber, „man darf mit den Aktionen nicht nachlassen.“ Deshalb wurde nun die Aktion „Goodbye Elterntaxi“ ins Leben gerufen.

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