Gut gelaunt und erfolgreich – das Meisterteam des DJK Sportbund Stuttgart mit Ellen Wohlfart, Ramona Betz, Saskia Becker, Ronja Mödinger Foto: Sportbund

Ronja Mödinger ist mit den Tischtennisspielerinnen des DJK Sportbund Stuttgart Regionalliga-Meister geworden und freut sich auf die 3. Liga.

Stuttgart-Ost - Wie sich Meistertitel anfühlen beziehungsweise aufsteigen funktioniert, das weiß Ronja Mödinger bestens. Die 21-jährige Spitzenspielerin des DJK Sportbund Stuttgart wechselte 2012 vom TB Beinsteim zum Klub aus dem Stuttgarter Osten. Damals war sie erst 13 und schwang den Schläger bereits bei den Damen – Verbandsliga hieß die Klasse – vorübergehend. Wenig später gelang die Meisterschaft und sie schlug mit dem DJK in der Oberliga auf, verweilte dort zwei Saisonen, um sich dann Regionalliga-Spielerin nennen zu dürfen. Doch auch das ist Geschichte. Mit den Mitspielerinnen Ramona Betz, Saskia Becker, Ellen Wohlfart und Anja Eichner schaffte sie den Titel und den Aufstieg in die 3. Bundesliga. Einen sportlichen Traum hat sie sich damit erfüllt. „Ich wollte als Kind immer in der Bundesliga spielen, das hat nun geklappt.“ Doch der Jubel über den Regionalliga-Triumpf fiel gedämpfter aus als bei den Siegeszügen zuvor. „Schließlich wollten wir an der Platte alles klar machen. Doch durch den abrupten Abbruch aufgrund der Corona-Pandemie wurden wir zum Meister ernannt“, sagt Mödinger.

Souveräner Titelgewinn

Eine Titelernennung jedoch ohne Wenn und Aber – dem DJK-Quartett fehlten noch vier Einzelsiege aus den verbleibenden drei Begegnungen. Eine souveräne Meisterschaft also, die völlig unerwartet war. Zwar gelang den Stuttgarterinnen zwei Mal in Folge die Vizemeisterschaft, doch vor der Runde schienen die Gegner an Stärke gewonnen zu haben, gleich fünf Konkurrenten waren nach Ranglistenpunkten besser aufgestellt. Bereits im Vorjahr nahm das Team vom Aufstiegsrecht Abstand, wollte auch in der Spielzeit 2019/20 dieses im Fall der Fälle nicht in Anspruch nehmen. Wobei man daran auch keinen Gedanken verschwendet habe, vielmehr locker und unbekümmert in die Saison gegangen sei. So kam das Team in einen „Flow“, der Lauf hielt an – zur Halbzeit zeichnete sich der Titel bereits ab. Bereits im November kam das Team auf Mannschaftsführer und Trainer Thomas Walter zu, wollte nun doch hoch, „weil sonst vielleicht die Mannschaft auseinander gefallen wäre, sich manche Spielerin – wie zum Beispiel Nachwuchstalent Ramona Betz – nach anderen Herausforderung umgeschaut hätte“, so Mödinger. Hintergrund für das Gespräch war auch die Meldefrist für die 3. Bundesliga beim DTTB, die bis zum 15. März erfolgen musste – der Verein gab eine Verpflichtungserklärung ab. Die Voraussetzungen waren also frühzeitig geschaffen, die Mannschaft – gespielt wird in Vierer-Teams – marschierte weiter unaufhaltsam bis zum „Abbruch-Titel“. „Während viele Teams zum Teil auf eins eine bezahlte Spielerin hatten, aber dafür die Qualität nach hinten schlechter wurde, bestachen wir durch ein recht gleichstarkes Niveau von der Nummer eins bis vier. Ein großer Vorteil und neben der guten Kameradschaft mitentscheidend für die klare Meisterschaft.“

Doch Mödinger, die mit einer Bilanz von 32:5 die zweitbeste Akteurin der gesamten Liga war, verheimlicht nicht, dass auch Glück im Spiel war. Nicht alle Konkurrenten konnten in Bestbesetzung gegen den Sportbund antreten, unter anderem bot Offenburg nur drei Spielerinnen auf, Weinheim musste auf seine eingekaufte Spitzenspielerin verzichten. „Das kam uns natürlich entgegen.“

Wirbelwind an der Platte

Die 1,55 Meter große Mödinger ist ein Wirbelwind an der Platte. „Sie besticht durch eine starke und schnelle Beinarbeit und einen mächtigen Vorhandschuss“, sagt ihr Trainer Thomas Walter. Verbesserungspotenzial sieht er im Auf- und Rückschlag. „Daran arbeite ich, auch an einer stärkeren Rückhand. Freilich, so richtig klappen will es noch“, schmunzelt die 21-Jährige, die sich als sehr ehrgeizig und niemals aufgebend beschreibt. An ihren Mängeln arbeiten kann sie derzeit nicht – die Hallen sind bekanntlich zu. Der Kontakt zur Platte besteht dennoch. „Zuhause haben wir im Keller eine nahezu mittelalterliche Platte stehen, da vertreiben wir uns gelegentlich die Zeit. Mit Training hat dies natürlich nichts zu tun.“

Apropos Training. Zwei Mal pro Woche schwitzt sie bei den Übungseinheiten. Daran werde sich auch nichts ändern, die Intensität möglicherweise aber erhöht. Verstärkt werde indes der Aufwand am Wochenende. Die Auswärtsfahrten werden weiter, unter anderen tritt das Quartett bei BSC Rapid Chemnitz – knapp 440 Kilometer von Stuttgart entfernt – an. „Wir werden auch übernachten müssen und eben das ganze Wochenende unterwegs sein.“ Mit von der Partie ist dann auch Neuzugang Alexandra Schankula (TSV Betzingen). „Mit ihr an Nummer 1 haben wir sicherlich sehr gute Chancen auf den Klassenverbleib beziehungsweise einen Mittelfeldplatz. Das ist unser Ziel.“

Mödinger, die derzeit eine Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement absolviert und im Herbst ein Duales Studium in Betriebs-Wirtschafts-Lehre, hätte durchaus auch mit einem anderen Schläger Erfolge einfahren können. In der Jugend war sie auch im Tenniskader. Doch irgendwann, musste sie sich entscheiden, zumal meine Tischtennistrainer nie begeistert waren, wenn ich zuvor Tennis gespielt habe und dann die Ausholbewegung und den Schwung so lang gemacht habe.“ Letztlich entschied sie sich für den kleineren Ball und Schläger. Eine kluge Entscheidung, wie die bisherigen Titel beweisen.

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