Schüler der Helene-Schoettle-Schule und der Schillerschule bei den Proben für die Oper „Hänsel und Gretel“. Foto: Alexandra Schoormann (z) - Alexandra Schoormann (z)

Ulrike und Jörg-Hannes Hahn führen mit Profi-Musikern, behinderten und nichtbehinderten Cannstatter Schülern im Großen Kursaal eine Oper auf: Hänsel und Gretel von Humperdinck.

Bad CannstattSie sind mittlerweile für besondere Musikprojekte bekannt, bei denen sie behinderte und nichtbehinderte Kinder für Aufführungen mit Musik, Tanz und Theater gewinnen: das Cannstatter Ehepaar Ulrike und Jörg-Hannes Hahn. Jetzt haben sie wieder ein Projekt vor sich – ganz inklusiv. Im Jahr 2005 hat es mit der Aufführung des „Sommernachtstraums“ in der Stuttgarter Wilhelma begonnen mit den inklusiven Konzerten der Hahns. Inzwischen sind die inklusiven Projekte der Sonderschulpädagogin Ulrike Hahn und des Dirigenten und Kirchenkreiskantors Jörg-Hannes Hahn Kult. Regelmäßig sind sie in der Cannstatter Stadtkirche zu Weihnachten aufgetreten und haben dort Bachs Weihnachtsoratorium aufgeführt. Auch waren sie beispielsweise im Jahr 2017 in der Liederhalle. Dort führten sie mit dem Stuttgarter Kammerorchester Haydns Oratorium „Die Jahreszeiten“ auf. Nun wagt sich das Ehepaar erstmals an etwas ganz Neues: eine Oper.

Am 3. Juli wird im Großen Kursaal Bad Cannstatt „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck als inklusives Kinderkonzert zu erleben sein. Auf der Bühne stehen Schüler der Helene-Schoettle-Schule und der Schillerschule, unterstützt vom Cantus Stuttgart. Der Cantus Stuttgart ist ein semi-professioneller Kammerchor, der von Jörg-Hannes Hahn geleitet wird. Die Konzerte finden meistens im Rahmen der Konzertreihe „Musik am 13.“ in der Cannstatter Stadtkirche und der Lutherkirche statt. Daneben gastiert der Chor regelmäßig im europäischen Ausland. Erstmals beim Projekt im Kursaal mit dabei sind Solisten der Opernschule an der Musikhochschule Stuttgart sowie die Junge Süddeutsche Philharmonie Esslingen. Jörg-Hannes Hahn erklärt, warum sich Humperdinck so gut eignet: „Humperdinck-Musik ist sehr lautmalerisch und deutlich, man kann beispielsweise die Hexe hören, wenn sie auf ihrem Besen reitet oder man hört die Engel kommen, wenn sie Hänsel und Gretel zum Schlafen im Wald begleiten. Diese Art von Musik eignet sich gerade bei Kindern gut und regt ihre Fantasie an, auch bei Kindern mit einem Handicap.“

Ob diese Musik schwer für die Schüler ist, erklärt Ulrike Hahn: „Musik ist Musik - wenn man Kinder und Jugendliche entsprechende Angebote macht, mit einer speziellen Art von Musik umzugehen und sich ihr an zu nähern, ist es ganz egal, ob man sie beispielsweise mit Klassik oder Pop oder Country Musik konfrontiert.“

Inhaltlich geht es bei dieser Oper auch um das Thema Flucht: „Dass sich Kinder ganz alleine aus ihren Heimatländern auf die Flucht begeben, ist ein wachsendes und wichtiges Thema. Es wird aufgearbeitet in der Heranführung an Grimms Märchen von den beiden Kindern, die von ihren Eltern in den Wald geschickt werden und dort alleine zurechtkommen müssen“, so Ulrike Hahn. Solche Kinder seien in beiden beteiligten Schulen zu finden, erklärt die Sonderschulpädagogin. Die Schüler mit und ohne Behinderung hätten sich damit auseinandergesetzt, dass diese Kinder oft kein Zuhause und wenig zu essen haben und sich fremd bei uns fühlen. Nun hat sie mit ihrem Mann die Idee mit vielen Beteiligten umsetzen können mit Tanz-, Chorproben und Workshoptagen mit allen Schülern und den Kollegen.

Doch, damit solch ein großes Projekt gelingen konnte, waren einige Unterstützer notwendig: „Der Dank geht an die Aktion Mensch, StarCare und die Evangelische Diakonie in Württemberg, ohne deren Unterstützung das Projekt nicht realisiert worden wäre“, so Ulrike Hahn.

Konzertkarten gibt es in der Kron-Apotheke Bad Cannstatt und an der Abendkasse. Infos unter www.musik-am-13.de.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: