Tatort Beskidenstraße: Polizisten im Treppenhaus, wo das Drama begann. Foto: 7aktuell// Adomat

Ein wegen Gewaltdelikten einschlägig bekannter Mann dreht plötzlich durch – und geht auf eine Mutter, Nachbarn und Polizisten los. Während des Dramas fällt auch ein Schuss.

Stuttgart - Schreie, Attacken, Bedrohungen mit einem Messer, ein Schuss aus einer Polizeiwaffe, Dachziegel als Wurfgeschosse, ein Sturz in die Tiefe – ein blindwütiger 33-Jähriger in einem Mehrfamilienhaus hat am Samstagabend in Bad Cannstatt einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Am Ende gibt es insgesamt sechs Verletzte – ein vergleichsweise noch glimpflicher Ausgang.

Das Drama in der Beskidenstraße im Wohngebiet im Geiger dauert etwa eine halbe Stunde. Es ist gegen 19 Uhr und schon dunkel, als eine 29-jährige Mutter mit ihren beiden Kindern ihren Besuch im Haus beendet und das Gebäude verlassen will. Im Treppenhaus begegnet sie plötzlich einem 33-jährigen Bewohner, der rasend vor Wut ist. Er schlägt auf die Frau ein, bedroht sie außerdem mit einem Messer. Das Geschrei ist im ganzen Haus zu hören. Ein 49-jähriger Nachbar will der Frau helfen, doch auch er wird angegriffen und ebenfalls verletzt.

An der Wohnungstür fällt ein Schuss

„Das ganze Haus ist in Aufruhr gewesen“, sagt ein Polizeisprecher. Man habe nach dem Rechten schauen wollen, doch beim Anblick des Mannes, offenbar in einem psychischen Ausnahmezustand, seien alle in ihre Wohnungen geflüchtet. Auch die leicht verletzte 29-Jährige mit ihren beiden Kindern findet noch Unterschlupf. Als die Polizei mit einem Großaufgebot an dem Wohnhaus in der Nähe des Abenteuerspielplatzes Geiger-Memberg eintrifft, hat sich der 33-Jährige in seine Wohnung zurückgezogen. Das Drama ist damit noch nicht vorbei.

An seiner Wohnungstür spitzt sich die Lage erneut zu. Der Mann will nicht aufgeben. Er öffnet mehrmals kurz die Tür und bedroht die Beamten mit einem Messer. Dabei fällt ein Schuss aus einer Polizeiwaffe. Ob als Reaktion auf einen Messerangriff, ob gezielt oder als Warnschuss, bleibt offen: „Diese Details sind Bestandteil der Ermittlungen“, sagt ein Polizeisprecher, „daher können wir darüber nichts sagen.“ Der Schuss ist jedenfalls so laut, dass zwei Polizisten ein Knalltrauma erleiden. Ein dritter Beamter wird später mit Schürfwunden auf der Verletztenliste geführt.

Der Täter springt in die Tiefe

Die Beamten brechen die Wohnungstür auf. „Da ist der Beschuldigte aber schon nicht mehr drin gewesen“, heißt es bei der Polizei. Vielmehr ist der 33-Jährige inzwischen aufs Dach des dreigeschossigen Wohnhauses geklettert. Aus der Dunkelheit fliegen von oben Dachziegel auf die Straße. Offenbar versucht er die Polizeibeamten unten zu treffen, die mit zahlreichen Streifenwagen, Notarzt und Rettungswagen angerückt sind. Ein Polizeihubschrauber kreist mit Suchscheinwerfern über dem Areal.

Es ist kurz nach 19.30 Uhr, als der Zwischenfall nicht minder dramatisch endet. Der 33-Jährige springt auf der Rückseite des Gebäudes vom Dach zehn Meter in die Tiefe. Er bleibt schwer verletzt liegen und wird festgenommen. Rettungskräfte und Notarzt versorgen den 33-Jährigen und bringen ihn, wie auch den verletzten 49-jährigen Nachbarn, in ein Krankenhaus.

Konfrontation an der Wohnungstür – auf Leben und Tod

Eine Konfrontation mit bewaffneten Tätern im psychischen Ausnahmezustand – nicht zum ersten Mal kann es hier um Leben und Tod gehen. Dies zeigt ein Fall in Böblingen im Juli 2019, als eine Polizistin und ein Beamter an der Wohnungstür mit einem Messer angegriffen und verletzt wurden. Die Polizisten feuerten – dabei wurde der 24-jährige Angreifer, mit Stahlhelm und Schutzweste ausgerüstet, schwer verletzt. Der Mann wurde mit einer paranoiden Schizophrenie in einer Psychiatrie untergebracht. Er glaubte sich von Spionen verfolgt.

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