Hans Hermann Schock, Vorsitzender des Anglervereins, fordert schon lange ein Gesamtkonzept für den Max-Eyth-See. Quelle: Unbekannt

Im Max-Eyth-See sind fast alle Fische tot. Der Württembergische Anglerverein sprich dabei von der „größten Naturkatastrophe“ und fordert schon lange ein Gesamtkonzept für den See.

HofenWährend rund um den Max-Eyth-See hunderte von Ausflüglern ihrem Freizeitvergnügen nachgehen, kämpfen im Wasser tausende von Fischen seit einige Tagen um ihr Leben. Vergeblich – unzählige Kadaver treiben bereits am Ufer auch Fische von einem Meter Länge. Seit dem Wochenende sind die Mitglieder des Württembergischen Anglervereins, der den Tierbestand im See betreut, damit beschäftigt, die toten Fische aus dem See zu holen. „Wie viele es sind, lässt sich nur schwer sagen“, sagt Vereinsvorsitzender Hans-Hermann Schock. Er gehe davon aus, dass fast der gesamte Fischbestand dem akuten Sauerstoffmangel im Wasser zum Opfer fällt. Rund 40 000 bis 50 000 Tiere, so der Experte. Darunter auch große Fische wie Karpfen, Hechte und Welse, die bis zu 2,50 Meter lang werden können. Das Problem: „Nur etwa zehn Prozent der tote Tiere treiben an der Oberfläche“, so Schock. Der Rest verwese langsam am Grund.

Was der Fischexperte ebenfalls noch nie erlebt hat: „Gestern haben die überlebenden Krebse teilweise das Gewässer verlassen und versuchten in den angrenzenden Neckar zu gelangen.“ Selbst Aale, er habe so etwas immer für Anglerlatein gehalten, versuchten den rettenden Fluss zu erreichen und seien auf den Wiesen verendet. Doch es wurden auch tote Wasserschildkröten gefunden. „Diese Tiere haben keine Kiemen – an Sauerstoffmangel sind sie sicher nicht gestorben.“ Schock vermutet, dass hier vielleicht die Blaualgen eine tödliche Rolle gespielt haben könnten. „Die Stadt muss das auf jeden Fall untersuchen.“

THW seit Sonntag im Einsatz

Bereits am Freitagabend waren mehr als tausend junge Fische gestorben, so der Vereinsvorsitzende. Seitdem seien auch die drei sogenannten Teichbelüfter des Anglervereins im Einsatz. Und seit Sonntagabend belüftet auch das Technische Hilfswerk den See. „Dabei wird Wasser entnommen und mit Sauerstoff angereichert wieder zurückgeführt“, erklärt Hans-Hermann Schock. „Die Strömung, die dabei entsteht, zieht die Fische an, dadurch bekommen sie dann wieder Sauerstoff.“ Diese Rettungsmaßnahme habe in den vergangenen Jahren eigentlich immer geholfen, auch 2015, als es zuletzt ein großes Fischsterben am größten Stuttgarter Binnengewässer gab. „Das ist jedoch kein Vergleich zu dem Drama, was sich zur Zeit am Max-Eyth-See abspielt“, sagt Harald Köhnlein, der seit 25 Jahren Mitglied des Anglervereins ist. Zum Beweis öffnet er eine der vielen gelben Tonnen, die am Ufer der Halbinsel stehen und randvoll mit verendeten Fischen sind. „Ein Fischsterben in diesem Ausmaß habe ich noch nie erlebt.“

Auch die Stadtverwaltung zeigt sich durch den Super-GAU am Max-Eyth-See ziemlich aufgeschreckt und ist seit Sonntag quasi rund um die Uhr mit ihrem Limnologen vor Ort. „Wir entnehmen regelmäßig Wasserproben, um den Sauerstoffgehalt zu messen“, so Ann-Katrin Gehrung. Am Mittwochmorgen waren 1,3 Milligramm Sauerstoff pro Liter im Wasser. „Das ist natürlich viel zu niedrig“, so die Stadtsprecherin. Die Stadt will die 14 Pumpen des THW noch bis Samstag laufen lassen.

Dass sich zu dem Sauerstoffmangel auch noch ein Blaualgenproblem gesellt hatte, macht die Gesamtsituation für den Max-Eyth-See nicht einfacher. Allerdings haben sich die städtischen Experten schon Gedanken gemacht, wie man zumindest das Sauerstoffproblem künftig besser in den Griff bekommen könnte. Beispielsweise mit stationären Pumpen im See, die – falls es die Wetterlage erfordert – auch präventiv eingesetzt werden könnten.

Eine erste Maßnahme, die vom Anglerverein sicher begrüßt wird, die laut seinem Vorsitzenden allerdings nicht weit genug geht. „Im Prinzip ist alles, was den Max-Eyth-See betrifft, bisher Stückwerk geblieben“, kritisiert Schock. Er wünsche sich für das Gewässer endlich ein Gesamtkonzept – und zwar ein schlüssiges.

Ein Vorschlag, der in den vergangenen Jahren auch immer wieder von der hiesigen Kommunalpolitik gefordert wurde. Darunter auch von der CDU Mühlhausen, die sich angesichts des Fischesterbens in ihren Befürchtungen bestätig sieht. Fraktionssprecher Johannes Schlichter nennt dies ein umweltpolitisches Versagen auch seitens des Stuttgarter Umweltbürgermeisters, da „der See ja nicht das erste Mal umgekippt“ sei. „Die CDU fordert deshalb erneut ein Gesamtkonzept für das Erholungsgebiet Max-Eyth-See“, so Johannes Schlichter. Darin müssten endlich neben der benutzerfreundlichen und gleichzeitig naturschützenden Gestaltung auch im Bedrohungsfall von Fischen und Vögeln schnell wirksame Verhütungsmaßnahmen als Handlungskatalog aufgeführt werden.

40 000 bis 50 000 tote Fische – dem Anglerverein ist die Lust aufs Feiern vergangenen und hat deshalb sein Vereinsfest, das am Wochenende stattfinden sollte, abgesagt. „Wir räuchern jedoch unsere extra dafür eingekauften Forellen und bieten sie an unserem Kiosk zum Verkauf an“, so Schock.

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