Laptopübergabe an der Altenburgschule: Konrektor Thore Berg, Schulleiterin Katrin Steinhülb-Joos, Claudia Neuhaus und Silke Schmidt-Dencker, Geschäftsführerin der Stuttgarter Kinderstiftung (von links). Foto: /Edgar Rehberger

Die Altenburg-Gemeinschaftsschule hat 70 neue Laptops überreicht bekommen. Die Spende einer Privatperson und der Kinderstiftung komme genau zur richtigen Zeit, freute sich Schulleiterin Steinhülb-Joos.

Bad Cannstatt - Von den 22 Schülerinnen und Schülern in der Prüfungsklasse der Altenburgschule haben 15 keinen Computer oder einen Laptop zuhause. Von den 700 Schülern in der Altenburg-Gemeinschaftsschule haben 80 Prozent die Homeschooling-Phase per Handy absolviert. Ein vorhandenes Endgerät müsse zudem oft mit der Familie geteilt werden. „Eigentlich benötigt jeder ein Endgerät – zuhause und in der Schule“, beschreibt Rektorin Katrin Steinhülb-Joos den Idealzustand. Doch davon sind Schüler in der Landeshauptstadt weit entfernt (siehe obigen Text). Probleme bereiten nicht nur die fehlenden Endgeräte, auch die technischen Voraussetzungen wie ein stabiles Internet oder ausreichend Elektroversorgung.

120 Endgeräte für 700 Schüler

„Ich bin schon froh, die Sicherung haut es nicht raus, wenn ich das Netzteil für einen Laptop in die Steckdose stecke“, erläutert Konrektor Thore Berg. 120 Geräte stehen den 700 Schülerinnen und Schüler zur Verfügung. Ladeschränke sind nicht in Aussicht. „Dazu braucht es einen Beschluss von der Stadt“, so Berg. Seit mehr als zehn Jahren wartet die Schule auf eine Elektrosanierung. „Und es dauert noch weitere vier Jahre, bis es soweit ist“, wurde der Schulleitung mitgeteilt. Dann sei die Schule saniert.

Stabiles Internet nur in drei Klassenzimmern

„Wir würden gerne Unterricht über Beamer und Kamera anbieten“, so Steinhülb-Joos. „Aber stabiles Internet gibt es nur in drei Klassenzimmern.“ Das Zusammenspiel von Stadt und Land funktioniere nicht so, wie es sollte. Daher kam die Laptop-Spende der Kinderstiftung und einer Privatperson genau richtig. „Eine Unterstützung in der Not“, bedankte sich die Rektorin bei Claudia Neuhaus und Silke Schmidt-Dencker, Geschäftsführerin der Stuttgarter Kinderstiftung. Denn sie übergaben zunächst 52 Laptops, weitere 18 folgen im September. „Uns geht es um Unterstützung von benachteiligten Kindern“, begründet Schmidt-Dencker. 50 Prozent der Schülerschaft der Altenburgschule besitzt eine Bonus-Card.

Missstände erkannt

„Die Missstände wurden schon vor Jahren erkannt“, stellte Claudia Neuhaus fest und erinnert sich an ein Zitat von Günther Oettinger in seiner Eigenschaft als EU-Kommissar für digitale Wirtschaft und Gesellschaft. „Es gibt mehr digitale Löcher als Schlaglöcher.“ Auch für die Nutzbarmachung der neuen Geräte wird Hilfe angeboten, etwa durch IT-Ehrenamtliche. Es sei ein Unding, wenn die Schule ständig improvisieren müsse. Die Geschäftsführerin der Kinderstiftung hat Zweifel, dass die angekündigten acht Stellen für die bessere Vernetzung der Schulen zügig besetzt werden. „Ob die auch ausreichen?“

Zeitliche Grenzen

Der Konrektor berichtete, dass er immer wieder an zeitliche Grenzen stoße, weil immer mehr Endgeräte zu betreuen seien. Das Kollegium habe sich das Niveau selbst erarbeitet und weitere Kollegen eingelernt. „Es tut weh, wenn die Kollegen, die viel Eigenengagement einbringen, ausgebremst werden.“ Die Altenburgschule nutzt Google education classroom und fährt gut damit. Moodle habe sich nicht als geeignet erwiesen.

Wissenschaftliche Begleitung

Die neuen Notebooks sollen für die 5. Klasse genutzt werden. Denkbar sei ein Projekt, dass die kommenden Fünftklässler die Laptops bis zum Schulabschluss nutzen können. „Und dazu eine wissenschaftliche Begleitung mit Evaluation“, nimmt Schmidt-Denker den Faden gleich auf. Auch ehrenamtliche Paten wäre hilfreich. Einen Beleg der erfolgreichen Arbeit nach fünf Jahren an der Gemeinschaftsschule weist die Schulleiterin vor. Die ersten 70 Schülerinnen und Schüler verlassen die Schule – mit dem Hauptschulabschluss nach Klasse 9, mit dem Realschulabschluss und dem erweiterten Hauptschulabschluss nach Klasse 10. Der beste Notendurchschnitt wurde mit 1,7 erzielt.

Problem Vorbereitungsklasse

Zum neuen Schuljahr soll für die doch eher vernachlässigten Nebenfächer Epochalunterricht angeboten werden, das heißt Blockunterricht, um Stoff kompakt aufzuholen. Sorgen bereitet der Schulleiterin die Vorbereitungsklasse. „Die war während Corona verloren.“ Dabei sei Sprache der Schlüssel zum Erfolg.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: