Im Schloss Ludwigsburg können Besucher sehen, wie sich die weltberühmte Puppe modisch über die Jahrzehnte entwickelt hat. Auch Prominente und verschiedene Berufe gibt es zu entdecken.
Wo sonst ganze Welten aus Legosteinen aufgebaut sind, stehen nun Barbies, so weit das Auge reicht. Im Residenzschloss Ludwigsburg findet derzeit die Sonderausstellung „Barbie – Zwischen Alltag und Glamour“ statt. Dabei steht die Entwicklung der Mode im Vordergrund – was sich an kaum etwas besser veranschaulichen lässt als an den Barbie-Puppen.
Denn die Barbies seien mit ihrer jeweiligen Mode immer auch „ein Spiegel unserer Zeit“, sagt Kuratorin Bettina Dorfmann. Thematisch ist die Ausstellung, die vor zwei Jahren bereits im Schloss Bruchsal zu sehen war, damit wie gemacht für Ludwigsburg. Schließlich ist im Schloss auch das Modemuseum untergebracht. Dort wird die Entwicklung der Kleidung vom Rokoko bis in die 1960er-Jahre präsentiert.
Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde
Rund 1000 Objekte hat Dorfmann mit nach Ludwigsburg gebracht – und das ist nur ein kleiner Teil ihrer Sammlung. Mit ihrer Sammelleidenschaft hat sie es sogar ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft: Die 64-Jährige besitzt die weltweit größte Barbie-Sammlung, inzwischen sind es rund 20.000 Puppen. Dorfmann arbeitet im Spielzeugmuseum der Stadt Ratingen nahe ihrem Wohnort Düsseldorf und ist auch offizielle Sachverständige für alle Arten von Spielzeug.
Das Sammeln begann, als ihre Tochter in ein Alter kam, in dem man normalerweise beginnt, mit Puppen zu spielen. Als Dorfmann ihre alten Barbies herausgeholt hatte, habe ihre Tochter sie aber nur schräg angeschaut. „Sie fand das nicht so prickelnd“, sagt Dorfmann. Doch sie selbst entdeckte ihre Leidenschaft für die Puppen wieder – und begann mit dem Sammeln.
Barbie geht auf Bild-Karikatur zurück
Dorfmann besitzt nicht nur zahllose Puppen, sie ist auch ein wandelndes Lexikon rund um das Thema Barbie. Zu jeder einzelnen Figur kann sie etwas sagen. Und auch zur Geschichte: 1959 erschien etwa die erste Barbie im Badeanzug. „Die ist eingeschlagen wie eine Bombe“, erzählt Dorfmann. Die Puppe sei sofort ausverkauft gewesen. 1961 folgte dann Ken, Barbies Freund. Im Laufe der Jahrzehnte kamen immer mehr Charaktere hinzu.
Ursprünglich geht die Barbie auf eine Karikatur in der Bild-Zeitung zurück, die ab 1952 erschien und eine junge, schlanke Frau mit blondem Pferdeschwanz zeigte. Die „Bild-Lilli“ wurde schnell so beliebt, dass sie als Puppe hergestellt wurde. Die Unternehmerin Ruth Handler entdeckte die „Bild-Lilli“ auf einer Reise durch Europa, nahm sie mit in die USA und kreierte davon inspiriert ihre eigene Modepuppe.
Puppen zu verschiedenen Berufen und Ländern
Mit der „Superstar Barbie“ begann Mitte der 1970er-Jahre die „Pink-Ära“, wie es Dorfmann nennt. Von da an hatten die Puppen fast immer blondes Haar und pinke Kleidung. Die neueren Barbies werden dagegen immer ausgefallener. „Je neuer sie sind, desto unnatürlicher sehen sie aus“, meint Dorfmann.
Neben den Vitrinen zu den einzelnen Jahrzehnten gibt es auch noch spezielle Themenbereiche, wie zum Beispiel zu Filmen und Stars. Zu sehen sind etwa James Bond, Elvis Presley oder Catwoman. In der Berufeecke gibt es eine Schumacher-Barbie oder eine Präsidentin zusehen. Letztere erschien, als Hillary Clinton in den USA zur Wahl stand. Aber auch gewöhnliche Berufe sind vertreten. Bei diesen Barbies gehe es darum, „dass man Berufe für Kinder attraktiv macht. Das ist es, was die Barbie so aktuell macht“, sagt Dorfmann.
Und dann gibt es noch einen Kasten zu „Dolls of the World“, in denen Barbies zu sehen sind, die jeweils für ein bestimmtes Land stehen. Auch für Deutschland gibt es eine. „Warum wir immer Dirndl tragen, weiß ich nicht“, sagt Dorfmann mit Blick auf die deutsche Barbie und lacht.
Neben den Ausstellungsvitrinen gibt es eine Fotoecke mit Barbie und Ken sowie eine Kreativwerkstatt, in der Kinder eine Vielzahl an Barbie-Motiven ausmalen können, sowie ein Gewinnspiel. Und wenn die Menschen durch die Ausstellung gegangen sind, erzählt Dorfmann, dann „sehen sie die Barbie mit anderen Augen“.
Sonderausstellung im Residenzschloss Ludwigsburg
Öffnungszeiten
Die Ausstellung „Barbie – Zwischen Alltag und Glamour“ ist noch bis 22. Februar im Festinbau im Residenzschloss Ludwigsburg zu sehen. Die Öffnungszeiten sind von 10 bis 17 Uhr an Wochenenden, Feiertagen und in Ferienzeiten. Der Eintritt kostet sieben Euro und berechtigt auch zum Besuch des Modemuseums.
Sonderführung
Die Kuratorin Bettina Dorfmann bietet am 21. Dezember und 22. Februar Sonderführungen durch ihre Sammlung an. An diesen Tagen finden auch Schätztermine statt, bei denen die Besucher ihre mitgebrachten Barbie-Puppen schätzen lassen können.