In vielen öffentlichen Müllbehältern findet sich derzeit auch Hausmüll. Weil die Öffnung für die prallen Tüten zu klein ist, werden sie oft einfach davor abgelegt. Foto: eh

In Zeiten von Corona hat die Vermüllung des öffentlichen Raums zugenommen. Weil die Restmülltonnen übervoll sind, entsorgt so mancher seine Mülltüten wild.

Untertürkheim - P izzakartons im Gebüsch, Hundekotbeutel in den Weinbergen, Dreckecken am Straßenrand: Durch den Lockdown hat das Müllaufkommen zu- und die Sauberkeit im Gegenzug deutlich abgenommen. „Allgemein kann man sagen, dass seit Beginn der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie die Vermüllung des öffentlichen Raums zugenommen hat“, sagt ein Sprecher der Landeshauptstadt Stuttgart. „Bei manchen Mitbürgern stellen wir die Angewohnheit fest, den mitgebrachten Müll einfach fallen zu lassen, obwohl der nächste Mülleimer nur wenige Meter entfernt ist.“ Oft liegt aber auch Abfall herum, weil die öffentlichen Papierkörbe verstopft sind. „Die Einwurföffnungen werden zum Teil durch Pizzakartons blockiert. Hierfür sind sie jedoch nicht konzipiert und sie laufen über“, so der Sprecher.

AWS darf Tonnen stehen lassen

Insgesamt rund 5200 Abfalleimer gibt es nach Angaben des städtischen Eigenbetriebs Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) im Stadtgebiet. Und zunehmend landen darin Dinge, die dort nichts zu suchen haben: Tüten mit Hausmüll zum Beispiel, wie der AWS feststellt. Der Grund dafür: Unterricht und Arbeit zu Hause sorgen für randvolle Restmülltonnen in den Wohnanlagen. Oft schon passt lange vor dem Abholtermin nichts mehr in die Behälter. Doch wohin dann mit dem eigenen Abfall?

Mieter sollten dann nicht versuchen, ihre Säcke noch irgendwie hineinzustopfen, heißt es beim AWS. Die Mitarbeiter dürfen übervolle Abfallbehälter nämlich auch stehen lassen, klärt das Entsorgungsunternehmen auf. Schon aus Gründen des Arbeitsschutzes dürfen die Restmülltonnen nicht zu schwer sein. Es gibt im Wesentlichen drei Gründe, warum die Behälter nicht geleert werden. Erstens bei gravierender Fehlbefüllung – etwa wenn Bauschutt mitentsorgt wird. Zweitens, wenn der Müll zu stark verdichtet ist und dadurch die Schwerkraft nicht ausreicht, um ihn aus der Tonne zu befördern. Und drittens, wenn der Deckel des Abfallbehälters nicht mehr zu geht. „Der muss grundsätzlich geschlossen sein.“

Graue Säcke bei Mehrbedarf

Sollten die Müllmänner bei ihrer Tour feststellen, dass regelmäßig überfüllte Restmüllbehälter zur Leerung bereitgestellt werden, werde der Eigentümer des Grundstückes vom AWS angeschrieben. „So kann er reagieren und durch einen Behältertausch einen größeren Restmüllbehälter bereitstellen.“ Das ist freilich mit höheren Kosten verbunden, die mancher scheut. Doch wer seinen Müll einfach in einem haushaltsüblichen Müllbeutel oder in irgendeinem verfügbaren Behältnis neben die graue Restmülltonne stellt, muss ebenfalls damit rechnen, dass dieser nicht mitgenommen wird. Zugelassen sind nämlich nur die grauen 70-Liter-Säcke, die man in den Bezirksrathäusern, an der Rathaus-Infothek und bei allen Edeka-Neukauf-Märkten für 5,70 Euro kaufen kann. Diese Müllsäcke müssen am Tag der Leerung der grauen Tonne neben dieser bereitgestellt werden.

Leerung einmal die Woche

Das Problem: Der Erwerb der Säcke ist nicht so einfach, da die städtischen Einrichtungen aufgrund der coronabedingten Einschränkungen seit Monaten geschlossen sind und ein Zugang nur nach Voranmeldung möglich ist. Der scheinbar einfachste Weg ist dann für so machen Zeitgenossen offenbar die wilde Entsorgung – nicht selten irgendwo in der Landschaft, häufig aber auch in den kleinen Papierkörben im Stadtgebiet. Dass die vollen Hausmülltüten nicht durch die schmale Einwurföffnung passt, stört offenbar nicht. Sie werden dann einfach vor den Behältern abgelegt – in der Erwartung, dass der AWS den zusätzlichen Müll mitnimmt. Die Abfallkörbe werden in unterschiedlichen Frequenzen geleert: An weniger frequentierten Bereichen findet die Leerung einmal wöchentlich statt, in stark stark frequentierten Bereichen, wie zum Beispiel in der Stuttgarter Innenstadt sogar bis zu dreimal täglich. Ein noch engerer Reinigungstakt sei personell nicht möglich, heißt es.

Müll schon beim Einkauf vermeiden

Übrigens: Jeder kann einen Beitrag dazu leisten, dass die Restmülltonnen nicht regelmäßig überquellen. Zum Beispiel können Kartons, Milchkartons oder Joghurtbecher gefaltet, zerrissen oder zusammengedrückt werden, bevor sie in die Tonne wandern. Der Hinweis „Bitte keine Werbung“ am Briefkasten verringert den anfallenden Papiermüll. Wer beim Einkaufen unverpacktes Obst und Gemüse kauft und auch sonst versucht, Verpackungen so weit wie möglich zu vermeiden, verhindert nicht nur Müllberge, sondern schont auch noch die Um welt.

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