Die Gelben Säcke stapeln sich häufig schon lange vor dem Abholtermin auf dem Gehweg – und häufig sind die dünnen Tüten aufgerissen oder werden vom Winde verweht. Foto: Elke Hauptmann

Die Entsorgung von Verpackungsmüll per Gelben Sack stößt auf Kritik. Auch die CDU-Gemeinderatsfraktion sieht Optimierungsbedarf und stellt die Grundsatzfrage: Wäre die Gelbe Tonne nicht besser geeignet?

Untertürkheim - D er Anblick ärgert viele: Auf dem Gehweg vor den Wohnhäusern liegen Dutzende Gelbe Säcke mit Verpackungsmüll – und das schon lange vor dem Abholtermin, weil es häufig keinen Platz zum Lagern in der Wohnung, auf dem Balkon oder im Keller gibt. Häufig sind die dünnen Tüten beschädigt, was nicht nur zur Folge hat, dass der Müll vom Wind in der Umgebung verteilt wird, sondern auch, dass er Ratten und anderes Ungeziefer anlockt. Jetzt im Winter stellt sich zumindest ein Problem nicht: Der Gestank, der von den ungereinigten Joghurtbechern oder anderen gammeligen Lebensmittelverpackungen ausgeht.

Die Gelben Säcke sind ein Dauerärgernis. Die Stadtverwaltung und die Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) erreichen regelmäßig Klagen von Bürgern über wilde Müllhaufen. Dabei ist der städtische Eigenbetrieb streng genommen gar nicht zuständig: Seit 2014 ist die Ditzinger Firma Schaal und Müller als regionaler Dienstleister mit der Abholung beauftragt. Diese fährt die Straßen im Stadtgebiet im Drei-Wochen-Rhythmus ab und sammelt dabei etwa 1000 Tonnen Gelber-Sack-Abfall pro Monat ein.

Abholung alle drei Wochen

Dieser Turnus hat sich nach Einschätzung der Stadtverwaltung bewährt – die CDU-Gemeinderatsfraktion hingegen sieht Optimierungsbedarf. „Gerade in dichter besiedelten Wohngebieten mit vielen Mehrfamilienhäusern kommt es immer wieder zu der Situation, dass sich die Gelben Säcke stärker häufen und die Bewohnerinnen und Bewohner nicht wissen, wohin damit“, schildern der Fraktionsvorsitzende Alexander Kotz und seine Stellervertreterin Beate Bulle-Schmid in einem Antrag. Als Folge würden die Gelben Säcke viel zu früh auf die Straße gestellt; mitunter auch, wenn es keinen Platz in Nähe des Hauseinganges gebe, einfach an Baumstandorten am Straßenrand abgelegt. Dort lägen sie dann tagelang herum. „Uns ist jedoch eine saubere Stadt sehr wichtig, sodass wir der Meinung sind, dass die Stadt über eine Veränderung der Abholfrequenz dort nachdenken sollte, wo viele Wohneinheiten in Gebäuden anzutreffen sind.“

Damit nicht genug: Aus Sicht der Christdemokraten muss etwas anderes her als der unbeliebte Gelbe Sack – ein stabiler, standfester Behälter. Andere Großstädte würden beispielhaft zeigen, wie effizient und organisatorisch einfacher die Entsorgung über die Gelbe Tonne sein kann, so Kotz und Bulle-Schmid. „Auch hier stellt sich die Frage, inwiefern langfristig ein solches System auch für Stuttgart in Frage kommen könnte.“ In ihrem Antrag fordert die CDU-Fraktion von der Stadtverwaltung Auskunft darüber, ob der Einsatz einer Gelben Tonne in der Landeshauptstadt machbar und sinnvoll sei und ob zumindest in Stadtteilen mit einer dichten Wohnbesiedlung die Drei-Wochen-Frequenz auf zwei Wochen oder gar auf eine Woche verkürzt werden könnte.

Nicht genug Platz für vierte Tonne

Tonne oder Sack? Die Frage wurde in Stuttgart schon häufig diskutiert – und zwar bereits seit Einführung des Dualen Systems 1991. Die Landeshauptstadt hatte sich damals für die Gelben Säcke entschieden und ist bis heute bei diesem Sammelsystem geblieben. Aus gutem Grund: „In Stuttgart ist die Möglichkeit für die Ausweisung von Flächen zur Aufstellung von Abfall- und Wertstoffbehältern stark eingeschränkt“, gibt Anna Sendler, die Sprecherin der Stadt, die Antwort der AWS weiter. Daher habe man sich – nicht zuletzt auch aufgrund des großen Volumenbedarfs – bewusst „gegen eine Tonne und für ein grundsätzlich flexibler handhabbares Sacksystem entschieden“. An vielen Standorten fehle schlichtweg der Platz – mittlerweile seien schon drei Behälter Pflicht: für Restmüll (grau), für Papier (grün) und Bioabfall (braun).

Was nicht heißt, dass es keine Gelbe Tonne in Stuttgart gibt. Bereits heute besteht „in besonders gelagerten Ausnahmen“ die Möglichkeit, eine solche – gegen Gebühr – beim zuständigen Entsorgungsunternehmen zu beantragen. Dieses Angebot richtet sich jedoch in erster Linie an Vermieter großer Wohnanlagen. An Privatpersonen könne man leider keine Gelben Tonnen ausgeben, heißt es bei Schaal und Müller. Entsprechende Anfragen erhalte man immer wieder.

Schlechtere Sammelergebnisse

Gegen die Gelbe Tonne würde neben der Platzfrage auch die schlechtere Qualität des gesammelten Verpackungsmülls sprechen. Bei den intransparenten Behältern sei der Anteil von „Störstoffen“ höher als bei den durchsichtigen Gelben Säcken. Bei denen könne schon beim Einsammeln erkannt werden, welche falsch befüllt seien. Doch unabhängig davon gehe es vor allem um eines: Verpackungsabfälle zu minimieren.

Bei Fragen zum Gelben Sack kann man sich montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr an die kostenfreie Service-Hotline von Schaal+Müller wenden: 0800 77 88 500 .

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