Die SSB-Flex-Taxis lassen sich über eine App zu einem gewünschten Startpunkt bestellen. Foto: moovel Group GmbH - moovel Group GmbH

Grund dafür ist die schlechte Nachfrage tagsüber

Bad CannstattSeit dem 1. Juli vergangenen Jahres sind die gelb-weißen Großraumlimousinen der SSB-Flex-Flotte in Degerloch, Bad Cannstatt und am Wochenende in der Innenstadt unterwegs. Das erste Jahr der Pilotphase des Sammeltaxis ist damit vorüber. Die Bilanz fällt eher mittelmäßig aus. Deshalb hat der Aufsichtsrat der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) Anpassungen beim Angebot beschlossen.

Die Idee hinter dem Projekt zu Anfang: Mit zeitlich flexiblen Großraum-Taxis wollte man weiße Flecken auf der ÖPNV-Landkarte eliminieren. Also Gebiete mit schlechter Anbindung an Bus und Bahn zugänglicher machen. Bei unserem Test Ende 2018 – als wir ins Wohngebiet Im Geiger gefahren sind – wurde klar, dass das System reibungslos funktioniert. Allerdings „ist in gut angebundenen Gebieten wie Bad Cannstatt und Degerloch die Nachfrage tagsüber (noch) nicht ausreichend, sie lag zusammen bei sieben bis zehn Prozent aller Fahrten“, sagt Dietmar Fillinger, Projektleiter bei der SSB.

Zielgruppe: Smartphonenutzer

Im Gegensatz dazu werden die Innenstadt-Fahrten, die von Donnerstag bis Samstag von 21 bis 2 Uhr angeboten werden, „insgesamt sehr gut angenommen“. „Vor allem von Menschen, die mit modernen Medien selbstverständlich umgehen, in der Innenstadt wohnen und eventuell kein eigenes Auto haben oder es stehen lassen wollen. Und das sind nicht nur Jüngere. Über 80 Prozent der Bevölkerung verwendet inzwischen ein Smartphone mit weiter wachsender Tendenz, das ist die Hauptzielgruppe.“

Fahrten im ganzen Stadtgebiet

Aus diesem Grund hat man sich nun bei der SSB dazu entschlossen, ab 1. August das gesamte Stuttgarter Stadtgebiet anzufahren. Und zwar nur in den Abendstunden sonntags bis donnerstags von 18 bis 2 Uhr und freitags bis samstags von 18 bis 4 Uhr. Bei der SSB verspricht man sich davon einiges: „Durch den nun angepassten Service nehmen wir das Kundenfeedback der ersten Phase auf. Ein großes Bediengebiet, sieben Tage die Woche den gleichen Service. Durch die neuen, immer gleichen Betriebszeiten und das größere Bediengebiet sind jetzt auch sogenannte Hot-Spots, wie etwa am Theaterhaus, und Stadtbezirke mit weniger optimaler ÖPNV-Erreichbarkeit besser eingebunden.“ Durch die hinzugewonnene Regelmäßigkeit sollen zudem die Verständlichkeit und die Attraktivität des Angebots gesteigert werden. Mittelfristig werde auch der ökologische Ansatz (Elektrofahrzeuge sollen genutzt werden, sobald sie verfügbar sind) und die Barrierefreiheit, die über einzelne separat buchbare Fahrzeuge gestemmt werden soll, verbessert werden.

Trotz der geringen Nachfrage über den Tag hat das erste Jahr der Pilotphase aber auch einige positive Erkenntnisse zu Tage gefördert. Der Betrieb laufe stabil und die Kosten werden von den Kunden – die bisher rund 10 000 Flex-Fahrten gebucht haben – als angemessen wahrgenommen.

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