Der sich drehende Bierkrug kennzeichnet das Festzelt Wasenwirt. Foto: Edgar Rehberger - Edgar Rehberger

Doppelter Grund zu feiern. Das Festzelt Wasenwirt gibt es jetzt 40 Jahre und zudem wird am Donnerstag 20 Jahre Gaydelight gefeiert. Die schwullesbische Party zählt zu den Höhepunkten des Volksfestes.

Bad CannstattUnd weiter geht es im Reigen der Jubiläen. 40 Jahre Wasenwirt heißt es in diesem Jahr für Andrea, Fritz und Armin Weeber, die sich die Aufgaben im Festzeltbetrieb teilen. Heute wird 20 Jahre Gaydelight gefeiert. Am Anfang umstritten hat sich die schwullesbische Party zur Kultveranstaltung bei Volks- und Frühlingsfest entwickelt. Angefangen hat alles mit der „Carte Blanche“, einem Travestieprogramm. Damals stand das Festzelt direkt gegenüber des Betriebes von Festwirt Walter Weitmann, der durch zahlreiche Aktionen und Freimarken sein Zelt voll hatte. Festwirt Max Rudi Weeber, der Vater von Andrea, Fritz und Armin Weeber, hielt dagegen. Die Travestieshow jedoch war umstritten. Der damalige Veranstalter VMS dachte sogar an ein Verbot. Der Gemeinderat befasste sich damit. Travestie in dieser Form sei auf dem Wasen darstellbar, der Veranstalter würde mit einem Verbot darüber hinausschießen, lautete das Ergebnis der Diskussion und stärkte dem Festwirt den Rücken. Man müsse das Thema mit Toleranz und Großzügigkeit behandeln. Der schrill-bunten Veranstaltung stand nichts mehr im Wege – der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Der damals für die PR im Zelt zuständige Theo Pagliaruccci hatte die Idee zur Gaydelight-Party, bei der nicht nur Schwule und Lesben im rappelvollen Zelt feiern. Auch Heterosexuelle genießen die Veranstaltung, bei der schon Drag-Queen Olivia Jones zu Gast war. Männer- und Frauenstripeinlagen, Travestieshows, Robbie-Williams- und Michael-Jackson-Doubles gehörten zum Programm. Im Vorjahr erwiesen Timothy Deelstra und Linda Kasbergen als Imitatoren Freddie Mercury und Montserrat Caballé die Ehre.

In 40 Jahren Wasenwirt hat sich einiges getan. Der Betrieb ist aber weiter fest in Familienhand. Andrea Weeber ist für den Küchenbereich verantwortlich, ihre Brüder Fritz und Armin teilen sich die Organisation des Festzeltbetriebes. Für die drei Geschwister kam nichts anderes in Frage. Das Schaustellerleben liegt ihnen im Blut. bereits in sechster Generation. „Wir sind damit aufgewachsen, kennen es nicht anders“, erzählt Armin Weeber. Die Schulzeit jedoch verbrachten sie in einem streng katholischen Internat. „Unseren Eltern war Bildung wichtig.“ Viel lieber wären sie natürlich häufiger auf dem Festplatz gewesen. „Das hat mich schon angekotzt“, gibt Fritz Weeber zu. „Aber es war genau das richtige.“

Den Festzeltbetrieb haben sie von der Pike auf gelernt. Und auch schwierige Phasen durchstanden. „In den 90er Jahren haben wir uns gesund geschrumpft“, beschreibt Armin Weeber. Da wurde die Zahl der angefahrenen Festplätze stark reduziert. Dennoch stehen 200 Personen, elf davon das ganze Jahr, auf der Gehaltsliste. Allein zehn Köche arbeiten für Andrea Weeber. Pro Jahr werden 200 000 Euro in den Betrieb investiert. „Vieles davon bekommt der Gast gar nicht mit“, so Fritz Weeber. In den vergangenen Jahren wurde das Zelt komplett runderneuert. Seit 2009 prangt der große, sich drehende Bierkrug an der Fassade, seit vier Jahren ist bargeldloses Bezahlen im Zelt möglich. Und mit Norman und Marcello Weeber, beide Mitte 20, stehen die Nachfolger bereits in den Startlöchern. Der Bierkrug wird sich also weiterhin drehen.

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