Der Fontänenbrunnen bietet Abkühlung. Foto: Edgar Rehberger - Edgar Rehberger

Nichts war es mit Hitzerekord für Stuttgart. Der bislang heißeste Tag in der Landeshauptstadt bleibt der 7. August 2015 mit 38,8 Grad. Den heißesten Junitag gab es am 2012 mit 36,0 Grad.

Bad CannstattDer Schweiß fließt, unweigerlich. Die Hitze hat uns im Griff und große Temperaturänderungen stehen nicht an. Die Thermometer werden zwar in kommenden Tagen nicht mehr so viel anzeigen wie am Mittwoch, wo mit 33,8 Grad – gemessen auf dem Schnarrenberg – der bislang heißeste Tag des Jahres erzielt wurde. Dies bedeutet aber auch, dass der bislang für die Landeshauptstadt geltende Rekord, seit es entsprechende Aufzeichnungen gibt, nicht erreicht wurde. Diese reichen bis ins Jahr 1951 zurück. Der Spitzenwert lag bislang bei 38,8 Grad und wurde am 7. August 2015 erzielt. Als heißester Junitag bislang gilt der 18. Juni 2002. Da gab es 36 Grad. Auch die Marke wurde am Mittwoch nicht erreicht. „Wir bleiben generell ein bis Grad unter den prognostizierten Temperaturangaben“, erläutert Meteorologe Clemens Steiner vom Deutschen Wetterdienst mit Sitz auf dem Schnarrenberg. „Die Hitze bleibt uns aber erhalten.“ Die Höchstwerte werden am Donnerstag und Freitag jeweils zwei bis Grad fallen, von Samstag auf Sonntag aber wieder steigen. „Von Montag bis Donnerstag wird es in Stuttgart mit 26 bis 28 Grad moderater.“

Wohl dem oder der, die sich in kühlen Räumen aufhalten können. Respekt und Bedauern für diejenigen, die der Sonne nicht ausweichen können. Straßenarbeiter beispielsweise, die zudem auch noch lärmende Maschinen ertragen müssen. Wie kommen diese Menschen mit der Hitze klar? „Wir kennen kein schlechtes oder gutes Wetter“, sagt Dieter Weirich, Vorarbeiter der Firma E. Lang Sanitär, die derzeit in der Wilhelmstraße an Gasleitungen arbeitet. „Wir müssen es nehmen, wie es kommt.“ Er wischt sich den Schweiß aus dem Gesicht. Ab und an arbeite man auch im Keller. „Da ist es kühler.“ Einige Arbeitsplätze sind noch schweißtreibender. Weirich zeigt auf seinen Mitarbeiter Sabo, der in einer Baugrube sitzt und Stahlleitungen isoliert – mit dem Schweißbrenner. Der bringt es auf 1500 Grad. Der Kroate muss dabei Helm und schwer entflammbare Sicherheitskleidung tragen. Schon beim Zusehen bekommt man Schweißausbrüche. „Immer mal wieder Pausen machen und natürlich viel trinken“, beschreibt er und lacht. „Wir Kroaten sind die besten.“

Alle wissen es: Viel trinken ist angesagt. Bei starker Hitze leidet unser Körper unter enormem Flüssigkeitsverlust. Um diesen wieder auszugleichen, müssen wir ausreichend trinken. Temperaturen von über 30 Grad setzen vielen Menschen zu. Der Körper verliert Flüssigkeit, die Dehydrierung kann Kopfschmerzen, Schwindel und Kreislaufprobleme verursachen. Der Körper verliert beim Schwitzen nicht nur Wasser, es treten auch wichtige Mineralstoffe aus. Da gilt es, diesen Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen. Am besten geeignet ist laut Experten, Mineralwasser zu trinken. Damit kann der Wasser- und Mineralstoffmangel ausgeglichen werden. Auch Obst und Gemüse mit einem hohen Wasseranteil würden helfen, den Flüssigkeitsmangel auszugleichen. Empfohlen werden Gurke, Melone oder Apfelsinen.

Stark frequentiert sind daher derzeit auch die vielen Brunnen in der Sauerwasserstadt. Da werden Flaschen und Kanister gefüllt oder sich einfach kurz erfrischt. Arme unter das kühle Nass halten, Gesicht und Nacken benetzen und weiter geht’s. „Ich hole mir jeden Tag mindestens zwei große Flaschen aus dem Jakobsbrunnen“, sagt Mona Hoffman. „Mineralwasser schmeckt lecker und kostet auch noch nichts. Dafür liebe ich Bad Cannstatt.“

Grund für die derzeit hohen Wettermarken sind die suptropischen Luftmassen aus Marokko und Algerien, die sich bei uns festsetzen. Die Sahara-Hitze hat uns Griff und Abkühlung ist nicht in Sicht. Regen ist in den kommenden Tagen Fehlanzeige. Da hilft nur, sich damit zu arrangieren und entsprechend zu verhalten. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg hat für den gestrigen Mittwoch, Stand 12 Uhr, in Bad Cannstatt Ozonwerte in Höhe von 156 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. Ozonempfindlichen Personen wird empfohlen, ungewohnte körperliche Anstrengungen und besondere sportliche Ausdauerleistungen im Freien zu vermeiden. Eine hohe Ozonbelastung kann zu Schleimhautreizungen, Einschränkungen der Lungenfunktion, Entzündungsreaktionen der Atemwege und Beeinträchtigungen der körperlichen Leistungsfähigkeit führen.

Auch für Tiere sollten Regeln beachtet werden. Die Tierschutzorganisation Tasso fürchtet, dass Nachlässigkeit, Unwissenheit und Unverständnis in den kommenden Tagen wieder für tierische Todesfälle sorgen werden und warnt davor, Hunde bei diesen Temperaturen im Auto zu lassen. Zu groß ist das Risiko eines gefährlichen Hitzschlages. Schon ab 20 Grad Außentemperatur können geschlossene Autos zur Hitzefalle für Hunde werden. Da Hunde nicht so schwitzen wie Menschen, bleibt ihnen nur das Hecheln zur Abkühlung. Dabei verbrauchen sie sehr viel Wasser. Es droht ein Hitzschlag. Dabei steigt die Körpertemperatur des Tieres über 41 Grad und lebenswichtige Organe können nicht mehr ausreichend versorgt werden. Tasso rät daher davon ab, Hunde bei warmen Temperaturen im Auto zu lassen. Auch wenn es nur fünf Minuten werden sollen.

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