Im Stadtbezirk wurden letztes Jahr mehr Fahrräder als 2017 gestohlen. Foto: jas - jas

2018 wurden in Bad Cannstatt insgesamt 140 Straftaten registriert

Bad CannstattFahrrad geklaut! ist auf dem DIN-A-4-Zettel, der an der Neckartalstraße an einem Laternenmasten hängt, zu lesen. Aus einem vermeintlich sicheren Ort, dem Keller, wurde das Mountainbike entwendet, der Besitzer ist nun auf der Suche und bittet um Hinweise. So oder so ähnlich geht es Jahr für Jahr vielen Fahrradfahrern im Stadtbezirk. Laut aktueller Kriminalstatistik wurden im Stadtbezirk vergangenes Jahr 140 Fahrraddiebstähle registriert, ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr. 2017 wurden 135 geklaute Fahrräder von der Polizei registriert. Im gesamten Stadtgebiet ist die Entwicklung umgekehrt. Dort wurden vergangenes Jahr 969 Fahrraddiebstähle gezählt, ein Rückgang um knapp zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr: 2017 waren es 1099. Nach einem Zehn-Jahres-Höchststand im Jahr 2015 mit 1230 geklauten Fahrrädern wurden im Jahr 2016 1147 Straftaten festgestellt.

Mit einem Anteil von 74,4 Prozent oder in 721 Fällen wurden die meisten Fahrräder im vergangenen Jahr unter erschwerenden Umständen entwendet. Dabei handelt es sich um Fälle, in welchen ein gesichertes Fahrrad gestohlen wurde. Der Gesamtschaden, also der Wert der erlangten Beute, betrug 769 285 Euro. In 2017 betrug der Schaden noch 778 217 Euro. Der durchschnittliche Schaden pro Fall erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr von 708 Euro auf 793 Euro. Ob das an einer zunehmenden Anzahl von kostspieligeren E-Bikes und Pedelecs liegt, kann allerdings von der Polizei nicht festgestellt werden. Der Grund: „Die Zahl der Pedelec-Diebstähle lassen sich aus der Statistik nicht separat herausrechnen“, sagt Polizeisprecher Stephan Widmann.

Radparkhaus gefordert

Offenkundig wird das Problem für Besitzer von teuren Fahrrädern, E-Bikes und Pedelecs am Bahnhof Bad Cannstatt. Hier gibt es zwar mit der Fahrradstation in der Kegelenstraße noch eine sichere Alternative zu den freien Abstellplätzen – allerdings mit eingeschränkten Öffnungszeiten. Im Jahr 2017 machten die Cannstatter Grünen einen ersten Vorstoß und plädierten dafür, am Cannstatter ÖPNV-Knoten ein Parkhaus wie in Fellbach zu realisieren, wobei das innovative Projekt in der Nachbarstadt natürlich auch seinen Preis hat. Etwa 912 000 Euro kostet der 13 Meter hohe Turm, der Platz für 76 Fahrräder bietet. Doch knapp 50 Prozent werden bezuschusst.

In dem vollautomatischen Parkhaus sorgen vier Paternoster mit jeweils eigenen Zugangstüren für die sichere Verwahrung der Räder. Das Gebäude erhält eine ansprechende Stahlkonstruktion, die im oberen Bereich mit einer nachhaltigen Fassade aus recyceltem Altglas verkleidet wird. Gedacht ist das Parkhaus vor allem für Pendler, die künftig mithilfe einer Codekarte dort ihre Räder abstellen können. Der reibungslose Be- und Entladevorgang, ein schneller Zugang und Verlässlichkeit waren damals die ausschlaggebenden Kriterien für Fellbachs Stadtverantwortliche, dem Schweizer Unternehmen für das innovative Projekt den Zuschlag zu geben.

Im vergangenen Jahr bekamen die Grünen schließlich Unterstützung durch den Bezirksbeirat. Das Bürgergremium zeigte sich angetan von der Idee. Jetzt soll die Verwaltung prüfen, an welchem Standort am Cannstatter Bahnhof ein Fahrradparkhaus errichtet werden kann. Denn mittlerweile hat der Gemeinderat auch Gelder im Haushalt für solche Projekte zur Verfügung gestellt. Ein möglicher Standort könnte laut Antragssteller in der Nähe des Ostausgangs liegen.

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