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Meister Reinecke taucht verstärkt in Wohngebieten auf

ROHRACKER: Füchse finden in Gärten und Müllabfällen einen reich gedeckten Tisch

(ale) - Zirka 4000 Füchse leben laut Schätzungen in der Landeshauptstadt. Vor allem in den Randgebieten wie in Rohracker, auf der Wangener Höhe, den Wäldern und Weinbergen gehören sie zum täglichen Erscheinungsbild. Aus dem scheuen Wald- ist längst ein echtes „Stadttier“ geworden. Die Stadt hat nur wenige Möglichkeiten die Population einzudämmen.

Vermehrt bekommt Erwin Benk, der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Rohracker in den vergangenen Wochen wieder Meldungen von Stücklesbesitzern, aber auch von Anwohnern, die Füchse gesichtet haben. „Man findet viele Spuren“, weiß Benk. Vor allem am Hang in Richtung Frauenkopf fühlen sich die Füchse anscheinend wohl. Auch an die Wohnbebauung trauen sich die Tiere allmählich heran. Insgesamt 54 Hektar Landschaftsschutzgebiet umfasst alleine der Stadtteil Rohracker. Immer wieder wird die Fuchspopulation daher ein Thema. „Schließlich können wir das Landschaftsschutzgebiet nicht einzäunen, das ist verboten“, weiß Benk um nicht ganz ernst gemeinte Vorschläge. Auch im Hinblick auf den weit verbreiteten Fuchsbandwurm wurde daher schon vom Bezirksbeirat eine Bekämpfung von Seiten der Stadt gefordert. Mit entsprechenden Ködern könnten die Tiere behandelt werden. Auch andere Städte wie Zürich oder Frankfurt haben ähnliche Probleme mit Füchsen, weiß Bezirksvorsteher Hans-Peter Seiler. Letztendlich lehnte die Stadt eine Behandlung aber aus Kostengründen ab: „Es wäre ein Dauerauftrag geworden.“ Schließlich gleich dreimal im Jahr hätten über das Stadtgebiet die Köder ausgelegt werden müssen, um erfolgreich zu sein, erklärt Hans-Jörg Longin vom Kreisjagdamt. Hingegen nur alle vier Jahre ist die Behandlung gegen die Tollwut nötig. Da es sich um eine Behandlung mit Medikamenten handelt, sei dies nur von der Stadtverwaltung aus möglich, für Privatpersonen verboten. Und nicht zuletzt gäbe es keine Gewähr, dass auch alle Tiere erreicht werden. Immerhin geschätzt 4000 Füchse leben in Stuttgart. Natürliche Feinde haben sie keine mehr. „Auch der Mensch trägt zur Verbreitung bei“, weiß Longin. Ein nicht richtig abgedeckter Komposthaufen, Essensreste in Gärten, Katzen- und Hundefutter oder gar das Füttern sorgen für einen reichhaltig gedeckten Tisch. „Im Schnitt ernähren vier Haushalte einen Fuchs“, weiß Ulrich Baade, Pressesprecher des Landesjagdverbandes.

Insgesamt 291 Tiere wurden im vergangenen Jahr in Stuttgart von Jägern erlegt. Das Problem: In befriedeten Bezirken wie Friedhöfen, Sport- und Schulgeländen sowie wie Wohnbereichen dürfen die listigen Vierbeiner nicht gejagt werden. Und durch die ansteigende Population wächst der Revierdruck. Immer mehr junge Füchse, die von der Mutter aus ihrem Revier gejagt werden, suchen eine neue Heimat inmitten der Stadt. Auf Friedhöfen oder auch schon einmal auf dem Gelände der Steinenbergschule in Hedelfingen komme es vor, dass sich ein Tier niederlässt, wie Baade von einem Fall weiß.

 

Artikel vom 07.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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