Eine 130 Kilogramm schwere Herausforderung
HEDELFINGEN: Kirbejugend des Jahrgangs 1990/91 präsentiert den Riesentrauben auf dem traditionellen Umzug
Mancher mag dem schnell vergangenen Sommer im Land nachtrauern, in Hedelfingen jedoch freut man sich über den Herbstbeginn. Denn dieser wird traditionell mit dem „Hedelfinger Herbst“ eingeläutet, der gestern im Kirbe-Umzug durch die Gassen Hedelfingens seinen Höhepunkt fand. Das mehrtätige Kirbetreiben mit insgesamt etwa 4000 Besuchern wird dieses Jahr vom Jahrgang 1990/91 ausgerichtet, unterstützt von dem Hedelfinger Weinfestverein und der Freiwilligen Feuerwehr. Alfred Binder, Vorstand der Weingärtnergenossenschaft Hedelfingen, kann die 17 „Kirbemädle“ und „Kirbebube“ nur loben: „Schön, dass wir dieses Jahr wieder einen starken und sehr ortsverbundenen Jahrgang haben. Es gab leider auch schon Jahrgänge mit nur sechs Teilnehmern.“ Kirbemädle Anna Ehmer kann das nicht verstehen: „Bei uns in der Familie machen alle mit. Zum Kirbefest gehört zwar viel Organisation, aber man wird mit jeder Menge Spaß belohnt.“ Frederic Lenz fügt hinzu: „Die größte Herausforderung ist aber die, mit 130 Kilogramm auf den Schultern durch den Ort zu marschieren.“ Damit meint er das Gewicht des Traubens, der auch dieses Jahr wieder von der Familie Haidle kunstvoll gebunden wurde, und der am Ziel des Kirbeumzugs, hoch oben am Eingang der Kelter, aufgehängt wird.
Nach dem ökumenischen Gottesdienst und dem anschließenden Frühschoppenkonzert erklang das Marschgebläse des Musikzugs, der die Traubenträger schon von Weitem ankündigte. Durchschwitzte Hemden, kurze Erholpausen, in denen der Trauben auf Bockleitern abgestellt und ein Trinkstiefel durch die Reihen gereicht wurde, zeugten von dem gewaltigen Gewicht des Gebindes. Laute Kirberufe und Beifall vom Straßenrand sorgten für durchgängig ausgelassene Stimmung. An der Kelter angekommen wurde der Trauben in etwa vier Metern Höhe feierlich aufgehängt. Beim anschließenden traditionellen Walzertanz ließen es sich die 17 jungen Hedelfinger kaum anmerken, dass nur drei bis vier von ihnen diesen tatsächlich beherrschen - den Walzer-Crashkursen der letzten Tage sei dank. Auch der ehemalige Kirbejahrgang 1970 unterstützte den Trupp kräftig und zeigte, dass der Zusammenhalt der Kirbeorganisatoren weit über das einmalige Fest hinaus geht.
Nach getaner Arbeit lockten in der Kelter Weinausschank und reichlich Essen; draußen sorgten Kinderkarussell, Schießbude und Crêpes-Stand für Unterhaltung. Insbesondere das Kirbe-Café mit allerlei Selbstgebackenem der Feuerwehrfrauen erfreute sich großer Beliebtheit. Bei der abschließenden Verlosung des Traubens konnten daneben verschiedene Weinpreise gewonnen werden. Ein weiterer Höhepunkt folgt am Dienstag, wenn der Krämermarkt, bekannt als größter Krämermarkt Stuttgarts, die Straßen belebt. In der Kelter kann man ab 11 Uhr essen und trinken unter musikalischer Begleitung der Spitzenkapelle „Die Sambos“. Am Mittwochabend endet das Programm der Hedelfinger „Nationaltage“ mit der Kirbebeerdigung und einem Trauerzug.



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