100 spannende Jahre Schulgeschichte
UNTERTüRKHEIM: Ausstellung über die Entwicklung der Lindenschule eröffnet - Sonderführung mit Bürgerverein
(mk) - Wer 100 Jahre alt ist, hat vieles erlebt. Zwei Lehrer der Linden-Realschule haben die Historie der Lindenschule erforscht und spannende Geschichten rund um den Bau des Gebäudes, das Engagement der Bürger für die weiterbildende Schule und Dokumente aus der NS-Zeit zusammengetragen. Faszinierende Zeitzeugnisse, die nun in der Linden-Realschule ausgestellt sind.
Natürlich reizt es eine engagierte Geschichtslehrerin und einen Kunstlehrer mit einem Faible für Architektur, in den Analen zu forschen, wenn sie erfahren, dass zum 100-jährigen Bestehen „ihrer“ Schule eine Dokumentation geplant ist. In einem Jahrhundert kann schließlich viel passieren und Weltgeschichte kann mittels Histörchen aus dem Schulalltag sowie die Architektur durch die Baupläne der Lindenschule den aktuellen, aber auch ehemaligen Schülern erlebbar gemacht werden. Doch was Christa Wörner und Friedmar Hiller mit ihrer Ausstellung auf die Beine gestellt haben, bringt selbst interessierten Bürgern die Ortsgeschichte nahe. Gemeinsam durchstöberten sie das schuleigene Archiv, recherchierten im Stadtarchiv, redeten mit Zeitzeugen wie dem Ortschronisten Eberhard Hahn und drangen so immer tiefer in die Geschichte des Gebäudes und der Bildungseinrichtung vor. „So entdeckten wir, dass der ursprüngliche Entwurf für den Neubau vom renommierten Professor Paul Bonatz stammt - dem „Vater“ des Hauptbahnhofs und anderer Baudenkmale. Der damalige Bauinspektor Pantle überarbeitete das Konzept nochmals, erwähnte aber in einem Brief, den wir gefunden haben, dass er mit Bonatz Rücksprache gehalten habe“, sagt Hiller.
Schon damals gab es zwei Eingänge - den heutigen Haupteingang der Realschule und den Aufgang ins Gymnasium. „Erst durch die Nachforschung wurde mir klar, dass in den Anfängen die Eingänge für Mädchen und Jungen getrennt waren und es sogar nach Konfession getrennte Klassen gab“, sagt Wörner. Im Eingemeindungsvertrag forderten die Obertürkheimer dann in den 20er-Jahren, dass Mädchen und Jungen in der Lindenschule gemeinsam unterrichtet werden sollten. Die erste Lehrerin wurde damals eingestellt - Details, die auch die Schüler faszinieren.
Der ehemalige Rektor Hipp hat weitere Einzelheiten zum Schulalltag in der Weimarer Republik sowie nach 1945 beschrieben. Die beiden Lehrer ergänzten seine Erzählungen mit Dokumenten aus der Zeit des Dritten Reiches, während der das Schulgebäude als Depot für Lazarettausstattung genutzt wurde. Glücklicherweise waren die Schüler ausquartiert. Denn 1944 beschädigte eine gewaltige Sprengbombe die Schule schwer. „In all den Jahren ist die Lindenschule jedoch der Stolz der Oberen Neckarvororte, wovon auch viele Gruppenfotos vor dem Portal zeugen“, sagt Wörner.
Die beiden Pädagogen nannten deswegen die Ausstellung „100 Jahre Lindenschule - 100 Jahre Bürgerstolz“. Sie ist noch bis zum 11. Juli im ersten Stock der Linden-Realschule zu sehen. Am Samstag, 11. Juli, bietet der Bürgervereinsvorsitzende Eberhard Hahn eine Führung durch das Lindenschulviertel mit Besichtigung der Ausstellung an. Treffpunkt ist um 15 Uhr bei der Buchhandlung Roth.



