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Sozialkaufhaus will Betrieb aufrecht erhalten

WANGEN: Die Einrichtung der Neuen Arbeit ist nicht durch die Streichung von Ein-Euro-Jobs gefährdet

Das Kaufhaus in der Inselstraße 5 verkauft Haushaltswaren, Kleidung, Möbel und Spielzeug aus Spenden und Haushaltsauflösungen. Die meisten Angestellten sind so genannte Ein-Euro-Jobber.Foto: Schütze
 

Das Kaufhaus in der Inselstraße 5 verkauft Haushaltswaren, Kleidung, Möbel und Spielzeug aus Spenden und Haushaltsauflösungen. Die meisten Angestellten sind so genannte Ein-Euro-Jobber. Foto: Schütze

 
Für die Integrationsprojekte der fünf Stuttgarter Sozialunternehmen wird es auf Geheiß der Bundesagentur für Arbeit bald weniger Geld vom Jobcenter geben. Bis zu 600 Ein-Euro-Jobs sollen dadurch wegfallen. Auch das Sozialkaufhaus in Wangen ist betroffen, der Betrieb der Einrichtung jedoch nicht gefährdet. „Das Kaufhaus wird‘s weiter geben“, beruhigt Martin Tertelmann vom Träger Neue Arbeit Stuttgart.

Von Jan-Philipp Schütze

Es sind vor allem Menschen aus einkommensschwachen Haushalten, die im Wangener Sozialkaufhaus einkaufen. Hier finden sie Möbel, Kleidungsstücke, Haushaltsgeräte und andere Waren, die durch Spenden oder Haushaltsauflösungen verfügbar wurden. 200 bis 300 Kunden kommen täglich in das Kaufhaus im ersten Stock der Inselstraße 5. „Damit tun wir etwas für das Gemeinwohl“, betont Martin Tertelmann vom Sozialunternehmen Neue Arbeit, das als Träger fungiert. Zudem ermöglicht das Kaufhaus auch vielen Langzeitarbeitslosen eine berufliche Wiedereingliederung. Unter den rund 90 Angestellten des Kaufhauses befinden sich 60 bis 70 so genannte Ein-Euro-Jobber, die für Spendenannahme, Warenaufbereitung und -auslieferung sowie für den Verkauf zuständig sind. „Wir wollen Menschen, die arbeitslos sind und zudem einen Sack voller Probleme haben, wieder in die Arbeit bringen“, sagt Tertelmann. Das könnte bald schwierig werden.

In Kürze will die Bundesagentur für Arbeit die Hilfen für Langzeitarbeitslose neu strukturieren. Dem Jobcenter in Stuttgart stehen dadurch künftig deutlich weniger Gelder für Eingliederungsprojekte in der Landeshauptstadt zur Verfügung. Besonders die Ein-Euro-Jobs sind davon betroffen. Deren Anzahl soll künftig um 30 Prozent, also um bis zu 600 dieser Arbeitsgelegenheiten, gekürzt werden. Die bisherigen Leistungsvereinbarungen mit den Sozialunternehmen wurden bereits gekündigt, von Mai an gilt ein neues Zulassungsverfahren für solcherlei Arbeitshilfeprojekte. Dieses orientiert sich an der Neuinterpretation des Bundesrechnungshofs bei den Kriterien Zusätzlichkeit, Wettbewerbsneutralität und öffentliches Interesse. Die Anträge müssen derzeit gestellt werden, über die Zulassungen soll dann im April entschieden werden.

Befürchtungen, das Kaufhaus könnte aufgrund von Budgetkürzungen seinen Betrieb womöglich nicht mehr aufrecht erhalten, hat man bei der Neuen Arbeit jedoch nicht. „Wir sind betroffen, aber nicht existenziell gefährdet“, erklärt Tertelmann. Dennoch müsse eine Umstrukturierung stattfinden. Bis Ende April sollen die Ein-Euro-Jobber beispielsweise aus dem Bereich der Haushaltsauflösungen abgezogen werden, um den neuen Regelungen gerecht zu werden. „De Facto sind in diesem Bereich aber bereits jetzt keine Arbeitsgelegenheiten mehr beschäftigt“, erklärt Tertelmann, der zudem beruhigt: „Das Kaufhaus in Wangen wird‘s weiter geben.“

Dass aktuelle Befürchtungen über ein mögliches Aus nicht unbegründet sind, zeigt der Fall des Fairkauf-Markts der Caritas in Feuerbach, wo ebenfalls viele Ein-Euro-Jobber beschäftigt werden. „Mit der möglichen Streichung der Ein-Euro-Jobs im Bereich der Kleintransporte vom Spender zum Fairkauf und der Haushaltsauflösungen durch die Fairkauf Logistik wird der Zugang von Gebrauchtwaren massiv einbrechen. Es ist zu befürchten, dass im Fairkauf nichts mehr angeboten werden kann“ heißt es dazu in einer Stellungnahme der Caritas.

 

Artikel vom 07.02.2011 © Eßlinger Zeitung

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