OB: Filderauffahrt würde Verkehrsprobleme lösen
STUTTGART-OST: Zu viele Autos und Zukunft der Villa Berg Hauptthemen bei der Bürgerversammlung
Die Bewohner des Stuttgarter Ostens wünschen nichts mehr, als eine öffentliche Nutzung der Villa Berg. Fotos: Hauptmann/Rehberger
Chaos: 40 000 Autos drücken sich täglich durch die Tal-/Wagenburgstraße.
Nichts bewegt die Menschen in Stuttgart-Ost so sehr, wie das Thema Verkehr. Dementsprechend groß war die Zahl der Fragen, die OB Wolfgang Schuster und der zuständige Bürgermeister Matthias Hahn bei der Bürgerversammlung beantworten mussten. Doch auch die Zukunft der Villa Berg liegt den Bewohnern des Ostens am Herzen. Zumal sie durch die Häussler-Insolvenz wieder Chancen sehen, dass das Gebäude in ihrem Interesse umgestaltet wird.
Von Uli Nagel
Während man in Bad Cannstatt froh darüber ist, dass für rund 194 Millionen Euro der Rosensteintunnel gebaut werden soll, hagelt es aus Zuffenhausen und aus dem Stuttgarter Osten massive Kritik. So natürlich auch gestern. Ein Bürger bezeichnete das Projekt als „Stadtautobahn, die von den vielen Pendlern nur all zu gerne benützt werden wird“. In der Konsequenz soll dies dazu führen, dass zum Beispiel die Bürger am Neckartor täglich rund 20 000 Fahrzeuge mehr in Kauf nehmen müssten. Sein Vorschlag: nur zwei statt vier Spuren. Bürgermeister Hahn versprach, diese Anregung genauso aufzuarbeiten, wie die vielen anderen Kritikpunkte, die nach Auslegung des Bebauungsplans eingegangen sind. Allerdings werde zum Satzungsbeschluss dem Gemeinderat ein neuer mit aktualisierten Zahlen vorgelegt werden. „Das bedeutet eine Verzögerung von etwa drei Monaten“, so Hahn, der bei all den Bedenken auf das umfangreiche Begleitprogramm und an die Rückbaumaßnahmen, die der Gemeinderat beschlossen hatte, verwies. Allein den Ost-Bewohnern fehlt der Glaube, auch als Hahn betonte, dass dieser Verwaltungsakt nichts mit der Landtagswahl zu tun habe. Doch nicht nur der Rosensteintunnel bereitet Sorgen. Lärm und Abgase an der Pischekstraße mindern die Wohnqualität genauso, wie das täglich Verkehrschaos in der Gablenberger Hauptstraße oder an der Kreuzung Hack-/Ostendstraße. OB Schuster, der keine falschen Hoffnungen machen wollte und dies gleich mehrfach betonte, versprach, viele Kritikpunkte aufzunehmen und in die zuständigen Ämter weiter zu geben. „Allerdings müssen wir das vorliegende Verkehrskonzept jetzt erst sachlich diskutieren“, so der OB. Demzufolge soll unter anderem die Pischekstraße in Richtung Fernsehturm auf nur eine Spur zurückgebaut werden. Was für Schuster außer Frage steht: „Effektive Abhilfe schafft nur die Filderauffahrt.“ Dessen Realisierung steht aber in den Sternen.
Doch auch die Zukunft der Villa Berg beschäftigt die Bürger im Stuttgarter Osten. Wie geht es weiter nach der Häussler-Insolvenz. Bekanntlich lehnen Bezirksvorsteher Martin Körner und der Bezirksbeirat dessen Vorhaben rundherum ab. Der Investor wollte die Fernsehstudios abreißen, durch 60 schmucke Wohnungen ersetzen und mit deren Verkauf die Sanierung der denkmalgeschützten Villa Berg - geschätzte Kosten liegen bei zwölf Millionen Euro - sanieren. Um an Bund- und Landeszuschüsse zu gelangen, will Wolfgang Schuster das Gelände zum Sanierungsgebiet erklären lassen. „Dadurch finden wir leichter Investoren.“
Dass wiederum hielt ein Bürger für falsch. „Warum muss die Stadt immer auf Teufel komm raus einen Geldgeber suchen?“ Auf diese Weise sei eine öffentliche Nutzung immer gefährdet. Sein Vorschlag, dort ein Café oder sogar ein Bürgerhaus, das dem Osten fehlt, einzurichten, erhielt auf jeden Fall mehr Applaus, als die Idee Schusters.
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