Applaus und Pfiffe für Schuster
STUTTGART-OST: Bürgerversammlung in der Turn- und Versammlungshalle gut besucht
Obwohl im Vorfeld etliche Stuttgart-21-Gegner im Internet dazu aufgerufen hatten, direkt nach der gestrigen Montagsdemonstration gemeinsam in den Stuttgarter Osten zu ziehen und die Veranstaltung in der Turnhalle der Raichberg-Realschule zu sabotieren, blieben die Proteste im Rahmen. Störend aber waren sie allemal: Beim Reingehen wurde dem OB die Rote Karte gezeigt, bei seiner Begrüßung hagelte es laute Pfiffe und bei jedem Thema, das nur ansatzweise Stuttgart 21 berührte, gab es Unmutsbekundungen. Aber auch Applaus hallte durch die Turnhalle - von den anwesenden Befürwortern des umstrittenen Bahnprojektes.
Bezirksvorsteher Martin Körner sprach das größte Problem im Stadtbezirk an: „Unser Sorgenkind ist nach wie vor der ständig wachsende Verkehr“. 40 000 Fahrzeuge werden in 24 Stunden auf der Ost-West-Route Tal-/Wagenburgstraße gezählt. 16 000 fahren die Nord-Süd-Verbindung Pischekstraße zwischen den Fildern und Gablenberg. „Wir müssen dringend reagieren und durch weniger Verkehr für bessere Luft und weniger Lärm und somit mehr Lebensqualität sorgen“, so Körner.
Für Schuster, der selbst in Stuttgart-Ost lebt, sei eine Temporeduzierung auf den Hauptstraßen eine vorstellbare Lösung. „Des Weiteren muss man die LKW-Durchfahrtsverbote überprüfen und sie gegebenenfalls straffen.“ Aber auch eine Verkehrsberuhigung durch Blumeninseln, Fahrradwege, mehr Parkflächen könne er sich vorstellen. „Sobald die Fahrbahnen nicht mehr so breit sind, wird auch langsamer gefahren. Wir müssen Lösungen suchen, da viele Menschen unter dem starken Verkehr durch Stuttgart-Ost leiden“, so Schuster. Entsprechende Konzepte gebe es bereits, jetzt müsse man darüber diskutieren. „Die Ostumfahrung ist jedoch in weite Ferne gerückt.“
Zur Diskussion stand neben dem Verkehr in der Gablenberger Hauptstraße auch die Entwicklung im „noch gesunden Einzelhandel“, so Körner. „Die Geschäfte leiden sehr unter der Zunahme der Spielhallen. Er hoffe, dass die Stadt endlich baurechtliche Mittel und Wege dagegen findet. Appelle an die Hausbesitzer scheinen nicht zu fruchten. Lob fand indes sowohl der Bezirksvorsteher als auch der OB für das große ehrenamtliche Engagement in den Stadtteilen. „Egal, ob Muse-O, Kulturtreff, Lange Ost-Nacht oder Theater im Depot - der Osten hat viele Gesichter und versinkt nicht in der Anonymität“, so Schuster. Dies sei wichtig für eine lebendige Urbanisierung.
Mehr über die Bürgerversammlung lesen Sie in der morgigen Ausgabe.



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