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Mit der Stadtbahn durch den Keller

Tunnelrohbau unter der neuen Bibliothek wird Ende März fertiggestellt, geht aber nicht vor 2014 in Betrieb

  Der Blick auf die neue Tunnelröhre hinter dem Hauptbahnhof aus Blickrichtung der bestehenden Gleisanlagen.
 

Der Blick auf die neue Tunnelröhre hinter dem Hauptbahnhof aus Blickrichtung der bestehenden Gleisanlagen.

 
Stuttgart - Auf dem Areal hinter dem Hauptbahnhof gehören Schutzhelm, Gummistiefel und Arbeitsweste zum derzeitigen Dresscode: Nicht nur im Innern der neuen Bibliothek wird kräftig gebaut, sondern auch eine Etage tiefer. Der Rohbau der beiden Tunnelröhren für die Stadtbahnlinie U 12 soll in diesem Frühjahr fertiggestellt werden, anschließend folgt eine mehrmonatige Pause.

Von Andrea Eisenmann

Jahreszahlen lassen sich gut mit Eselsbrücken merken. Eine solche hatte man lange Zeit auch bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), kam die Rede auf die geplante Stadtbahntrasse auf dem Gelände hinter dem Hauptbahnhof. „2012 soll die U 12 fertig sein“, hieß es dann. Allerdings blieb dies angesichts zahlreicher Verzögerungen rund um das Bahnprojekt Stuttgart 21 bei einem frommen Wunsch, immer wieder musste der Terminplan überarbeitet werden. Voraussichtlich im Jahr 2014 werde der erste Stadtbahnzug über das heutige A-1-Gelände fahren, schätzt Winfried Reichle. Der Stuttgart-21-Projektleiter der SSB AG hat in den letzten Monaten gelernt, sich in Geduld zu üben. Noch immer lässt die Unterzeichnung der sogenannten Kreuzungsvereinbarung auf sich warten. Der Vertrag wird zwischen SSB und Deutscher Bahn ausgehandelt, und regelt, wer was wie baut, wem was gehören wird und wer welche Kosten sowie die Unterhaltung zu tragen hat. Um den geplanten Tiefbahnhof und Fernzugtunnel bauen zu können, muss zunächst der Stadtbahntunnel in der Heilbronner Straße zwischen Arnulf-Klett-Platz und der Haltestelle Türlenstraße tiefer gelegt werden. Anders sieht es in Richtung Willy-Brandt-Straße aus. Hier müssen die Röhren mit den Stadtbahn-Gleisen angehoben werden.

Trotz der noch ausstehenden Unterschrift ist die SSB AG in den vergangenen Monaten nicht untätig geblieben. Parallel zum Bau der neuen Bibliothek wird seit Ende 2009 in deren Untergeschoss an den beiden Tunnelröhren für die U 12 gearbeitet. Als erster Schritt wurde zunächst eine Bodenplatte sieben Meter unter der früheren Geländeoberfläche erstellt. Auf dieser entstanden die Tunnelbauwerke mit einer Höhe von 5,80 Metern. Besondere Vorkehrungen, sagt SSB-Projektleiter Karsten Schmeding, sorgen dafür, dass den Nutzern der Bibliothek künftig nicht jedes Mal das Buch aus der Hand fällt, wenn eine Stadtbahn durch den „Keller“ fährt. So bleibt um den Tunnel herum ein Luftraum, der verhindert, dass sich Schall und Erschütterungen übertragen. Zudem ruhen die Röhren innerhalb der Bibliothek auf speziellen Lagern, vergleichbar mit einer Gummischicht. Und noch ein weiterer „Puffer“ sei vorgesehen, sagt Schmeding, der den ersten Bauabschnitt der Stadtbahn koordiniert. „Die Gleise im Tunnel werden später speziell abgefedert.“

Auf der Zielgeraden wissen sich die Projektverantwortlichen mittlerweile bei den insgesamt rund 300 Meter langen Röhren zwischen Heilbronner Straße und Bibliothek sowie dem Tunnelportal. Bis Ende März - und damit ein wenig später als geplant - werden die Bauwerke fertig sein. Sie bleiben während der folgenden, mehrmonatigen Baupause zunächst ohne Gleise und technische Einbauten. Bei ihren Arbeiten auf dem A-1-Gelände stießen die Fachleute auf einige Überraschungen in der Erde. Ziegel, Betonmauern, alte Fundamente kamen zutage - angefangen von „komplett zerbröselt“, bis „nicht kaputt zu kriegen“. Derweil gehen die Planungen für die weiteren drei Teilabschnitte der Neubaustrecke zügig voran. Die Stadtbahnlinie U 12 soll eines Tages zwischen Dürrlewang und Remseck verkehren. Im Fokus der Planer steht derzeit die rund zwei Kilometer lange Strecke zwischen Löwentor und Hallschlag in Bad Cannstatt. Noch im Juni dieses Jahres werde man hier mit der Verlegung von Leitungen beginnen, kündigt Projektleiter Harald Boog an. Voraussichtlich im August und September startet dann der Gleis- und Straßenbau.

 

Artikel vom 26.01.2011 © Eßlinger Zeitung

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