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Keine Mehrheit für den Erhalt des Hotels Silber

Lediglich ein Teil der Fassade soll bewahrt werden - Startschuss für städtebauliche Neuordnung am Karlsplatz

  Von der Fassade des Hotels Silber soll nur ein kleiner Teil erhalten bleiben. Foto: Archiv
 

Von der Fassade des Hotels Silber soll nur ein kleiner Teil erhalten bleiben. Foto: Archiv

 

Stuttgart - Der Protest verschiedener Initiativen gegen den Abriss des ehemaligen Hotels Silber war wohl vergeblich. Ein Erhalt des kom­pletten Gebäudes Dorotheenstraße 10, in dem wäh­rend der NS-Zeit die Gestapo ihren Sitz hatte, fand gestern im Ausschuss für Umwelt und Technik keine Mehrheit. Lediglich ein Teil der alten Fass­adensteine dürfte künftig im Erdgeschoss des Neubaus zu sehen sein.

Von Andrea Eisenmann

Bis zur letzten Minute hatten sich Mitglieder der Bürgerinitiative Lern- und Gedenkort „Hotel Silber“ für den Erhalt des Gebäudes als Denkmal eingesetzt und noch vor Beginn der Sitzung Flugblätter an die Stadträte verteilt. Ausrichten konnten jedoch am Ende auch sie nichts. Für ihren Antrag, das Hotel Silber komplett zu erhalten, erhielt die SPD sechs Stimmen, elf Stadträte sprachen sich dagegen aus. Durchsetzen konnten sich die Grünen, die am Montagabend noch kurzfristig einen neuen Antrag eingebracht hatten. Darin fordert die Ökopartei, „relevante Teile der steinernen Außenfassade in angemessenem Umfang zu erhalten beziehungsweise am Ort zu rekonstruieren“. Zudem müsse ein Lern- und Gedenkort mit mindestens 400 Quadratmetern Grundfläche auf Basis eines Gestaltungswettbewerbs sowie nach Beratung des neu gegründeten Beirats zur Aufarbeitung der Stadtgeschichte zügig geplant werden. Die optisch wenig ansprechende Zufahrt zur Tiefgarage unter dem Schillerplatz soll verschwinden, als Ersatz wird eine Verbindung zwischen der bestehenden und der geplanten Tiefgarage vorgeschlagen. Und auch in einem weiteren Punkt lassen die Grünen nicht mit sich reden: Die Zahl der Stellplätze soll anhand bestehender Verwaltungsvorschriften berechnet werden. Zudem soll eine vergleichende Darstellung aufzeigen, wie das Projekt mit einer Nutzfläche von 47 000 beziehungsweise 49 000 Quadratmetern aussehen wird. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, betonte Michael Kienzle auch mit Blick auf die unterschiedlichen Ansichten innerhalb seiner eigenen Fraktion. Allerdings: „Wer das Maximum will, bekommt oft gar nichts“, zeigte sich der Grünen-Stadtrat an die SPD gewandt überzeugt, dass eine städtebauliche Neuordnung am Karlsplatz mit den bisherigen Investoren und ein kompletter Erhalt des Hotels Silber nicht Hand in Hand gehen werden. Alle beantragten Änderungswünsche fanden eine Mehrheit, wenngleich mit den Stimmen verschiedener Fraktionen. Damit hat das Neubauprojekt eine weitere Hürde genommen, der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan wurde mehrheitlich auf den Weg gebracht. Die SPD enthielt sich der Stimme, SÖS/ Die Linke votierten dagegen. Zuvor hatte es eine hitzige Debatte über den Erhalt der ehemaligen Gestapo-Zentrale sowie über die städtebaulich verträglichen Baumassen gegeben. Wie berichtet, plant das Land mit der Firma Breuninger die Neuordnung des Areals. Vorgesehen sind Ministerien, Han­delsflächen, Res­taurants, ein Luxushotel und eine Tiefgarage. Der bisherige Plan sieht 49 400 Quadratmeter vor. Bei der Vorstellung des überarbeiteten Entwurfs betonte Martin Haas von Behnisch Architekten, dass man sich in einem frühen Stadium der Planungen befinde. Von den Anfangsüberlegungen sei man ein gutes Stück abgerückt. „Im Vergleich zur Wettbewerbshöhe ist das Bauteil ein Geschoss niedriger.“ Die Stuttgarter Architekten haben zudem überlegt, wie ein Fassadenteil des ehemaligen Hotels Silber in den Neubau integriert werden kann. Ihr Vorschlag sieht vor, auf Höhe des Erdgeschosses den alten Gebäudesockel zu versetzen, so dass sich die Arkade um 1,5 Meter verbreitert. „Dadurch erfährt der Gedenkort im Straßenraum eine neue Präsenz“, sagte Haas. Vor einem kom­pletten Erhalt raten die Architekten ab. Ein Aufbau auf das bisherige Gebäude scheitere an der unterschiedlichen Stockwerkshöhe und der Bausubstanz.

 

Artikel vom 27.10.2010 © Eßlinger Zeitung

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