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Imposante Erscheinung

Schauspieler, Autor, Kosmopolit und Bartträger des Jahres: Mario Adorf wird heute 80 Jahre alt

  „Die Show muss nicht immer weitergehen“, sagt der nunmehr 80-jährige Mario Adorf. Aber vorerst plant er schon noch neue Projekte.Foto: dpa
 

„Die Show muss nicht immer weitergehen“, sagt der nunmehr 80-jährige Mario Adorf. Aber vorerst plant er schon noch neue Projekte. Foto: dpa

 

Von Britta Schultejans

München - Wenn die großen Stars aus Film und Fernsehen in die Jahre kommen, dann betonen sie oft, sie dächten gar nicht ans Aufhören. Mario Adorf sagt das nicht. Heute wird er 80 Jahre alt, kurz vorher erklärte er: „Die Show muss nicht immer weitergehen.“ So weit ist es freilich noch nicht. Adorfs Erscheinung ist auch im Alter imposant. Und sein nächstes Projekt hat er, der sich auf seiner Homepage „Schauspieler, Autor, Kosmopolit“ nennt, auch schon in Angriff genommen: Er plant eine Komödie zur Wende.

1930 wurde er als unehelicher Sohn einer Röntgenassistentin und eines Chi­rurgen aus dem süditalienischen Kalabrien geboren. Mit der Schauspielerei begann er schon während seines Studiums der Philosophie und Theaterwissenschaften in Mainz und Zürich - obwohl er eigentlich Bildhauer werden wollte. Aber nach dem Krieg war das Material für den angehenden Künstler zu teuer. Als Adorf dann einen der begehrten Plätze an der Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München ergatterte, waren die Weichen für die Schauspielkarriere endgültig gestellt. Nach dem Studium bekam er ein festes Engagement bei den Münchner Kammerspielen. Der Durchbruch gelang ihm 1957 als brutaler Massenmörder in dem Film „Nachts, wenn der Teufel kam“ von US-Regisseur Robert Siodmak. Die Rolle bescherte ­Adorf neben dem Bundesfilmpreis ein Image: Jahrelang war er auf die Darstellung von Schurken festgelegt.

Nachdem Adorf, der fließend Deutsch, Italienisch, Französisch und Englisch spricht, in den 60er-Jahren vor allem in italienischen Filmen mitgespielt hatte, wandte er sich in den 70ern wieder dem deutschen Film zu und stand unter anderem für Volker Schlöndorffs „Blechtrommel“ vor der Kamera. Im Fernsehen begeisterte er ein großes Publikum in Produktionen wie „Der große Bellheim“ oder der Münchner Schickeria-Serie „Kir Royal“. Die meisten seiner Filme seien aber schon in Vergessenheit geraten, sagte ­Adorf einmal. „Wenn ein ­Dutzend übrig bliebe, wäre ich sehr zufrieden.“

Adorf, der 1995 und 2001 auch mit zwei ausverkauften Chanson-Tourneen Erfolge feierte, hat nahezu alle Film- und Fernsehpreise erhalten. Im Jahr 2001 folgte das Große Bundesverdienstkreuz, 2008 der „Orden wider den tierischen Ernst“ des Aachener Karnevalsvereins. Nicht zuletzt wurde er im vergangenen Februar zum Bartträger des Jahres 2010 ernannt. Die Jury urteilte: „Er ist ein Vorzeige-Bartträger par excellence, national und international.“ Und vor wenigen Wochen verlieh ihm seine ehemalige Universität Mainz die Ehrendoktorwürde.

Adorf, der heute mit seiner Frau in München lebt, ist sein Alter nicht anzumerken. Kraftvoll schreitet er auch heute noch über die roten Teppiche, mit Sport hat er sich stets fit gehalten. Aber Gedanken über das Altwerden macht er sich jetzt doch: „Wenn es auf ein immer absehbareres Ende zugeht, ist das nicht berauschend.“

Der zweiteilige ARD-Film „Der letzte Patriarch“ mit Mario Adorf als Lübecker Marzipanfabrikant Konrad Hansen wird am kommenden Freitag, 20.15 Uhr, komplett im Ersten ausgestrahlt.

 

Artikel vom 08.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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