Frauen sind besser
Halbzeit beim Filmfestival in Venedig
Venedig - Starke Frauen, leichte Komödien, einsame Seelen - der Wettbewerb des diesjährigen Filmfestivals in Venedig hat eine überraschend abwechslungsreiche erste Halbzeit hingelegt. Ein klarer Favorit hat sich im Rennen um den Goldenen Löwen allerdings noch nicht herauskristallisiert. Nur eines zeigt sich klar: Politik spielt in diesem Venedig-Jahrgang bislang kaum eine Rolle, gibt höchstens ab und zu den dramatischen Hintergrund ab. Julian Schnabel erzählt zwar in „Miral“ eine generationenübergreifende Geschichte aus Palästina und Israel - allerdings oberflächlich und einseitig. Und auch der chilenische Beitrag „Post Mortem“ von Pablo Larraín erwähnt die Umstände um Salvador Allendes Tod beim Militärputsch nur am Rande. Etwas politischer ist der Überraschungsfilm, der bis zur ersten Vorführung geheim gehalten wurde. In „The Ditch“ („Der Graben“) zeigt der chinesische Regisseur Wang Bing ein Arbeitslager in der Wüste Gobi. Dort schuften sich im Jahr 1960 viele Chinesen zu Tode, verbannt von der kommunistischen Führung. Beklemmende Bilder fängt Wang Bing ein: ausgemergelte Männer, die im Dreck und unter menschenunwürdigen Zuständen leben, die in ihrer Not das Erbrochene der Mitgefangenen und sogar Fleisch der Toten essen. Explizite Kritik äußert der für Dokumentationen bekannte Regisseur allerdings nicht, er lässt seine Bilder sprechen.
Äußerst brutal geht es auch in „Essential Killing“ des Polen Jerzy Skolimowski zu. Auf einem CIA-Flug entkommt der Afghane Mohammed (Vincent Gallo). Er versucht verzweifelt, sich von den Häschern nicht wieder einfangen zu lassen und schlägt sich mordend irgendwo in weiten osteuropäischen Wäldern durch. Solch ein Film um den extremen Überlebenskampf eines fernab der Heimat Gejagten könnte dem Präsidenten der diesjährigen Jury, dem US-Starregisseur Quentin Tarantino, durchaus gefallen.
Ansonsten dominierten bislang klar die Frauen, auf der Leinwand und hinter der Kamera. Catherine Deneuve bewies in François Ozons Komödie „Potiche“ auf äußerst unterhaltsame Weise, dass Frauen die besseren Chefinnen sein können: eine Paraderolle. Die US-Regisseurinnen Sofia Coppola und Kelly Reichardt hingegen gaben ein weiteres Thema des Wettbewerbs vor: Einsamkeit. Coppola beweist mit „Somewhere“ einmal mehr ihr Talent, triste Lebensstimmungen beklemmend-berührend einzufangen - in diesem Fall Stephen Dorff als Schauspieler, der sich der Leere seines Lebens bewusst wird. Und Reichardt lässt in „Meek's Cutoff“ Michelle Williams als Siedlerin durch die USA stolpern, von einem Führer auf eine falsche Fährte geführt und verloren in den Weiten eines noch fremden Landes.
Auch die zweite Halbzeit verspricht einen guten Wettbewerb: Isabella Rossellini spielt in „Die Einsamkeit der Primzahlen“ und Dustin Hoffman in „Barney's Vision“. Und der deutsche Regisseur Tom Tykwer geht am Freitag mit einer Dreiecksgeschichte ins Löwen-Rennen. Schlicht logischer Titel: „Drei“.



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