Warten auf den großen Fang
HOFEN: Max-Eyth-See bietet Anglern große Artenvielfalt - Strenge Regeln für den Fischfang
Geduldig sitzt Hans Schock auf einem kleinen Klappstuhl und beobachtet mit stoischer Ruhe seine beiden Angelruten. Nachdem er diese vom Steg gut 15 Meter weit in den Max-Eyth-See geworfen hat, heißt es erstmal warten und den so genannten Schwimmer, einem Körper aus leichtem Kunststoff, Kork oder Holz, beobachten. „An dessen Bewegung auf der Wasseroberfläche sieht man, ob ein Fisch schon am Köder knabbert“, so Schock. „Es ist aber ungewiss, ob überhaupt etwas anbeisst. Erfahrene Angler wissen zwar, wo es bei welchen Witterungsbedingungen Fische gibt.“ Doch Fische seien Vagabunden, Garantien für einen Fang gebe es keine. Selbst der „Lucky Punch“, also ein Glückstreffer, eines Anfängers sei möglich. „Während man sich als alter Hase noch über die Wahl der ausgewählten Angelstelle amüsiert, zieht er schon einen großen Fisch an Land. Alles ist möglich.“ Auch, dass beim 1. Vorsitzenden des Württembergischen Anglervereins nur ein Rotauge anbeißt. „Man muss drei Mal ans Wasser, um einen Fisch zu fangen.“ Der Erfolg sei nicht so wichtig, so Schock. Denn nach dem Motto „Der schlechteste Angeltag, ist immer noch besser als der schönste Arbeitstag“, genieße er einfach die Natur. Außerdem dürfte man den 15-Zentimeter langen Fisch nicht unterschätzen. Zum einen sei er sehr schmackhaft. „Wenn man die Filets in kleine Stücke zerteilt, paniert und fritiert, werden die Gräten so weicht, dass man sie mit essen kann.“ Zum anderen sei das Rotauge der ideale Köder für größere Fische. Und die gibt es in Hülle und Fülle im Max-Eyth-See - die Artenvielfalt liest sich wie die Speisekarte eines guten Fischrestaurants. Sowohl Raubfische wie Wels, Hecht, Zander und Barsch als auch Friedfische wie Karpfen sind vertreten. „Nur Forellen gibt es nicht, dafür ist das Wasser im Sommer zu warm und enthält zu wenig Sauerstoff. Für deren Population müssten noch mehr Frischwasserzuleitungen in den See gelegt werden.“
Doch nicht nur im See tummeln sich echte „Delikatessen“, sondern auch am Haken von Angler Hans Schock. „Als Köder benutze ich unter anderem Muscheln und Tiger Prawns. Zudem werfe ich in der Nähe der Angel aufgeweichte Brötchen ins Wasser“, so der 62-Jährige. Die tierischen Köder verbreiten ihren Duft im See, der Brotteig lockt kleine Fische an, die wiederrum das Interesse der größeren Fische wecken. Klassische Köder - eine Philosophie für sich - sind nach wie vor Würmer und Fliegenmaden. Zur Karpfenjagd werden aber auch teure Eiweiß-Proteinköder eingesetzt. Eine preisgünstige, aber ähnlich effektive Alternative seien die Trockenfutter-Ringe von Hunden. „Sie funktionieren exzellent.“
Auf die Jagd nach Trophäen, sprich den großen Exemplaren, geht Schock dennoch nicht. Damit auch bei manchem seiner Kollegen „nicht der Neandertaler durchkommt“, gibt es für die Angler im Max-Eyth-See strenge Vorgaben. Es darf maximal mit zwei Ruten geangelt werden. Zudem muss jeder Fisch, der an Land gezogen wird, in ein Fangbuch eingetragen werden. „Es gibt Tage, da könnte man zwölf Karpfen fangen. Damit die Gier mit einem nicht durch geht, darf man pro Tag jedoch nur drei Karpfen und einen Raubfisch angeln.“ Wer sich nicht an dieses Reglement hält oder sein Fangbuch nicht pflegt, bekommt beim zweiten Verstoß seine Angelkarte entzogen. „Neben einer vierteljährigen Denkpause kostet das dann in erster Linie Geld.“ Sollte man einen Fisch mal nicht einer Art zuordnen können, gehört er im Zweifel immer zurück ins Wasser. „Schon alleine um dem Artenschutz gerecht zu werden.“ Im Max-Eyth-See sei dem Angler jedoch jeder Fisch bekannt. Schwieriger werde es da schon in kleinen Bächen.
Das Vorurteil, dass man sich beim Angeln extrem ruhig verhalten müsse, kann Schock indes nicht bestätigen. „Die Tiere im und am Max-Eyth-See haben sich an die Tretbootfahrer und Kanuten gewöhnt. Während die Fische in einem weniger bevölkerten See instinktiv bei Lärm oder Vibrationen abtauchen würden, sind sie hier neugierig und hoffen auf Nahrung.“



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