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Dank an eine Kämpferin mit Herz

Nach 20 Jahren im Amt wurde Sozialbürgermeisterin Gabriele Müller-Trimbusch in den Ruhestand verabschiedet

  Langjährige Weggefährten: Justizminister Ulrich Goll, Gabriele Müller-Trimbusch, Ex-Ministerpräsident Erwin Teufel, Barbara Traub (IRGW), OB Wolfgang Schuster und Prälat Michael Brock (v.l.). Foto: Hauptmann
 

Langjährige Weggefährten: Justizminister Ulrich Goll, Gabriele Müller-Trimbusch, Ex-Ministerpräsident Erwin Teufel, Barbara Traub (IRGW), OB Wolfgang Schuster und Prälat Michael Brock (v.l.). Foto: Hauptmann

 

Stuttgart - Nach 20 Jahren als Sozialbürgermeisterin ist Gabriele Müller-Trimbusch gestern in den Ruhestand verabschiedet worden. „Sie haben der Stuttgarter Sozialpolitik durch Energie, Herzblut und innovative Ideen weit über die Stadtgrenzen hinaus ein klares Profil gegeben. Sie werden eine große Lücke auf der Bürgermeisterbank hinterlassen“, würdigte Oberbürgermeister Wolfgang Schuster das Engagement der FDP-Politikerin, die in wenigen Tagen 65 Jahre alt wird.

Von Elke Hauptmann

Die Gästeliste las sich wie das „who is who“ der Stuttgarter Gesellschaft: Vertreter sozialer und religiöser Verbände, der Wirtschaft, Kultur, Politik und des gesellschaftlichen Lebens füllten den großen Sitzungssaal des Rathauses, zudem spielte die Brenz Band und der Kinderchor zweier städtischer Kitas sang. Zu den Festrednern gehörten neben dem OB auch Justizminister Ulrich Goll, Michael Brock, Prälat der katholischen Kirche, Barbara Traub, Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW) und Eva Hosemann, Intendantin des Theaters Rampe. Diese Bandbreite ließ erkennen, wie vielfältig das Wirken Gabriele Müller-Trimbuschs gewesen ist. Geboren wurde sie am 25. August 1945 in Dörphof, Schleswig-Holstein. Sie studierte Englisch, Geschichte und Philosophie und kam 1971 nach Stuttgart, wo sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität tätig war - bis sie, eine alleinerziehende Mutter, am 2. Mai 1990 nach turbulenter Wahl als erste Frau in die Stuttgarter Bürgermeisterriege gewählt wurde. Das sei damals schon etwas Besonderes gewesen, erinnerte Schuster. Das Amt sei ihr wohl in die Wiege gelegt worden: Schon der Großvater sei Bürgermeister eines kleinen Dorfes gewesen, und als er aus dem Krieg nicht zurückkam, habe die Großmutter, eine sehr sozial eingestellte Frau, die Funktion übernommen. „Das hat sicher geprägt. Sie haben ein Gespür für die Menschen, waren immer eine engagierte Kämpferin für die Belange derer, die wenig Chancen im Leben hatten.“ Müller-Trimbusch habe sich viele Meriten erworben, betonte der OB. „Ich danke für das große Engagement, das Mutmachen, für den Zuspruch, für viele innovative Gedanken, die der Stadt gut getan haben.“ Einiges habe sie angestoßen, was damals völlig neu gewesen, heute aber fast selbstverständlich sei. Die Drogen- und Behindertenpolitik zum Beispiel habe sich grundlegend geändert. Die Flüchtlingspolitik habe sie „in besonders humaner Weise“ mitgestaltet. Ihre Initiativen zur Weiterentwicklung der Kindergärten zu Kindertagesstätten, die zugleich einen Bildungsauftrag wahrnehmen, seien zukunftsweisend gewesen. Auch das von ihr entwickelte, vielfach preisgekrönte Konzept der Mehrgenerationenhäuser für ein besseres Miteinander von Jung und Alt sei längst bundesweit übernommen worden. Dank ihrer Arbeit gebe es ähnliche Einrichtungen mittlerweile auch in Stuttgarts Partnerstädten Samara, Lodz und Brünn, die der Verständigung und der Versöhnung vor dem Hintergrund deutscher Geschichte dienten. „Und nicht zuletzt war sie „als Norddeutsche auch ein glänzender Repräsentant des Schwäbischen“. Wie alle Redner betonten, sei es ein Glück, dass Gabriele Müller-Trimbusch weiterhin in vielfältigen Ehrenämtern engagiert bleiben wird, unter anderem als ehrenamtliche Richterin am Bundessozialgericht, als Mitglied der Härtefallkommission des Landes, als Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung Theodor-Heuss-Haus. Einem ihrer vielen Hobbies will sie sich stärker widmen: der Rosenzucht. In ihrem Garten pflegt sie nahezu 100 verschiedene Arten. Als Geschenk der Stadt erhielt sie denn auch einen Rosenstock - und das alte Radio aus ihrem Dienstzimmer. Das hatte sie sich zum Abschied gewünscht.

 

Artikel vom 30.07.2010 © Eßlinger Zeitung

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