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Landwirte und Hobbygärtner bangen um ihre Flächen

ROTENBERG/UHLBACH: Ausgleichsmaßnahmen für den Abstellbahnhof sind auf der Egelseer Heide vorgesehen

 
 
 
Obstbauern und Hobbygärtner, die Flächen auf der Egelseer Heide bewirtschaften, zieht es in den Eberhardsbau. Im Zuge des Planfestellungsverfahrens für den neuen Abstellbahnhof für Stuttgart 21 liegen dort Pläne aus. Die Obstanbauer interessiert eines: Als Ausgleich für Baumaßnahmen am Güterbahnhof werden Landwirtschaftsflächen an der Egelseer Heide umgewandelt.

Von Mathias Kuhn

Bei den Gartenbesitzern rund um die Egelseer Heide herrscht Unruhe. Landwirte und Freizeitgartenbesitzer im Gebiet Käppeleshau bangen um ihre „Stückle“. Grund für viele ins Kraut schießende Spekulationen und Gerüchte sind die Ausgleichsmaßnahmen für Stuttgart 21 - genauer für den Planfeststellungsabschnitt 1.6b Abstellbahnhof Untertürkheim. Der Güterbahnhof an der Augsburger Straße soll in einen Abstellbahnhof mit Reinigungs- und Tankanlagen, Technischem Service-Punkt umgebaut werden. Untersuchungen ergaben Beeinträchtigungen im Naturhaushalt. So fanden Biologen seltene Wildbienen-, Heuschrecken- und Vogel-Arten sowie Mauer- und Zauneidechsen auf dem Güterbahnhof-Areal. Die Schäden an der Natur müssen durch Ausgleichsmaßnahmen kompensiert werden. In direkten Umfeld des Güterbahnhofs fehlt es an Flächen. Deswegen schlagen die Experten die Anlage von Heideflächen auf der Egelseer Heide, die Schaffung eines Neckar-Seitenarms am Voltasteg, die Weiterführung des Feuerbachs bei Mühlhausen und die Anlage eines Fließgewässers bei Remseck vor.

Die Ausgleichsmaßnahme „Egelseer Heide“ umfasst zwei Teilgebiete - eine Fläche südlich und eine nördlich des beliebten Drachen und Rodelhanges. Die nördliche erstreckt sich „links“ des Parkplatzes in Richtung Kappelberg. Momentan wird sie kleingärtnerisch und als Beerenplantage genutzt. Auf der südlichen Fläche, vom Spielplatz in Richtung „Sieben Linden“, sind Obst- und Weihnachtsbaumkulturen angepflanzt. Beide Teilgebiete umfassen 6,58 Hektar. „Ziel ist es, eine Heidefläche wie im Naturschutzgebiet Kappelberg zu etablieren“, heißt es in den Unterlagen der Bahnexperten. Sie wollen Magerrasen mit Heidecharakter anlegen.

Auf der Fläche Richtung Kappelberg wird am Waldrand ein neuer „Mantel“ mit Bäumen angelegt. Als Abgrenzung zu den Parkplätzen ist ein Grünstreifen und auf der Heidefläche Baum- und Buschinseln vorgesehen. „Nicht hundertprozentig ersichtlich ist, ob die Beerenplantagen als Bestand erhalten bleiben“, sagt Bezirksvorsteher Klaus Eggert. Heinz Munder, der die Plantage bewirtschaftet, will deswegen mit den Experten reden und gegebenenfalls Einspruch einlegen. „Schließlich sind bereits meine Plantagen jenseits des Roten Hauses als Ausgleichsflächen für den Abschnitt 1.6a vorgesehen“, sagt der Rotenberger. Seinen Kollegen Reinhard Ortlieb trifft es auf der südlichen Parzelle. Auf ihr stehen seine alten Apfelbäume.

Naturschutz auf Kosten der Stuttgarter Obsterzeuger? „Die Stadtverwaltung hat uns zugesagt, dass wir Ersatzflächen im Gebiet Käppeleshau erhalten“, sagen Munder und Ortlieb. Das Liegenschaftsamt ist deswegen aktiv geworden. Es hat einige Gartengrundstücke in dem Gebiet erworben. „Wir wollen unsere Erwerbobstbauern nicht gefährden. Im Herbst werden wir über Details mit ihnen sprechen“, sagt Finanzbürgermeister Michael Föll. Schließlich wollen nicht nur die Landwirte sondern auch die jetzigen Gartennutzer Gewissheit - wenngleich die Ausgleichsmaßnahmen frühestens 2020 beginnen. Erst nach Abschluss der Baumaßnahmen muss die Bahn die Maßnahmen umsetzen.

Früher betroffen sind dagegen die Anwohner am Güterbahnhof. Nach den Erfahrungen mit den Gleisbauarbeiten vor wenigen Wochen rechnen sie auch während des Umbaus des Güterbahnhofs und danach im laufenden Betrieb mit Lärmbelästigungen. Das Schallgutachten prognostiziert, dass der Lärmpegel im Umfeld 60dBA nachts erheblich überschreiten wird. „Der Verkehrslärm auf der Augsburger Straße und der B 14 sowie die Züge der Güterumgehungsbahn Kornwestheim-Untertürkheim überdecken vor allem nachts den Anlagenlärm“, heißt es in der Untersuchung. „Die Überschreitung der Immissionsrichtwerte muss daher toleriert werden.“ Die Pläne liegen beim Stadtplanungsamt, Eberhardstraße 10, bis 18. August aus.

 

Artikel vom 30.07.2010 © Eßlinger Zeitung

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Leser-Kommentare (4)

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01.08.2010 15:22 von EH

Was sollen das für Ausgleichsmöglichkeiten sein: landwirtschaftlich nicht intensiv genutzte Flächen, in denen sich jetzt auch viele Tiere aufhalten, werden zerstört, um daraus eine "Heide" zu machen? Ja wieviel Natur wird denn da zusätzlich geschaffen??? Keine, würde ich sagen.

Denn in den Grundstücken mit den Beeren, den Obstbäumen, den Nadelbäumen und den Kleingärten leben auch jetzt viele verschiedene Vögel, haben dort ihre Nistplätze und finden Futter, gibt es Eidechsen, viele Insekten, darunter sicher auch Wildbienen - vielleicht nicht genau die gleiche Tierarten wie auf einer Heide, aber genauso schützenswerte.

Wenn man Ausgleichsflächen schaffen möchte, dann doch dort, wo jetzt die Landschaft versiegelt ist, wo jetzt Beton, Teer, Gebäude, usw. stehen. Alles andere ist nur weitere Zerstörung. Die Tiere, die auf den jetzigen Bahngleisen leben, für die gibt es sowieso keine Hilfe - die werden offensichtlich nicht umgesiedelt, die Bahn muss die Ausgleichsflächen ja erst _danach_ _nach_ Ende der Bauarbeiten umsetzen. Wenn schon, wäre ein _davor_ wichtig, um die Tiere umzusiedeln. So ist das doch Augenwischerei und zusätzliche Zerstörung.

30.07.2010 13:29 von Christoph hofrichter

Lügen nachgewiesen - Abbruch des Projektes - Rücktritt Frau Gönner Inzwischen ist klar, dass S21 eine äußerst knapp bemessene Infrastruktur ist. Die Regierung hat das seit Jahren gewusst und nicht nur den Bürgern, auch den Abgeordneten verschwiegen. Seit mindestens zwei Jahren wird im Stillen versucht, auch nur einen Fahrplan zu entwickeln, der das nötige Angebot abdeckt. Für einen Neubau ist das katastrophal schlecht. Die Behauptung, S21 hätte eine höhere Leistungsfähigkeit als der Kopf, ist eine glatte Lüge. Zudem fordern die Gutachter Umplanungen, zweigleisige statt eingleisige Strecken, das heisst schon wieder Mehrkosten. S21 ist nicht mehr als Verkehrsprojekt zu rechtfertigen. Es entlarvt sich als das unnötige Prestigeprojekt, das es immer war. In Parlamenten hat man sich dafür entschieden, aber das Projekt hat als Zeugnis für Unvernunft und Intransparenz bei den Bürgern keinerlei Legitimität mehr. Aufhören und zurücktreten!

30.07.2010 12:32 von winfried messeer

Toll! Nachdem die ProjektGEGNER das der Öffentlichkeit und den Abgeordneten 2 Jahre lang unterschlagene SMA-Gutachten veröffentlichen, versucht die Landesregierung in den gesamten Murks S21 eine lokale Verbesserung auf den Fildern hineinzufrickeln. Da kann man nur sagen: Guten Morgen, Frau Gönner. Was ist mit dem großmäuligen Getröte der Befürworter, 'es wird schon lange daran gearbeitet'? Nichts! Jetzt wachen die Schlafmützen auf! Und fangen an über die im SMA-Gutachten monierten Planungskatastrophen hektisch nachzudenken. Das SMA-Gutachten ist der bis jetzt dickste Sargnagel für S21! Ein Vergleich zwischen den Kritikpunkten und den angeblich erreichten Verbesserungen zeigt: NICHTS hat sich geändert. Dass die SMA ein pflichtschuldig devotes Dementi im Auftrag der Projektbetreiber schreibt, nun ja, die wollen halt weiterhin Aufträge von der DB-AG. Die Befürworter von S21 können KEINE EINZIGE planungsmäßige, bahn- und verkehrstechnische Änderung nachweisen, die die Analyse des SMA-Gutachtens auch nur ansatzweise entkräften würde. Fakten Freunde von Schwachsinn 21 brauchen wir, keine Beschwichtigungen, Halbwahrheiten und platte Lügen. Und auch keine Meinungen von Ministerialbeamten, die irgendwo auf dem Server des Innenministeriums lagern. Deshalb: Oben bleiben. Montag Abend, 18.00 Uhr, wie immer.

30.07.2010 12:26 von Stuttgart 21

Scheibchenweise zur Wahrheit - wann kommt endlich das Ende?Da erdreistet sich eine Frau Gönner, im Landtag die SMA-Studie als veraltet und belanglos zu denunzieren und gleichzeitig werden die augenscheinlichsten Schwachstellen, die sich nun gar nicht mehr unter den Teppich kehren lassen, an die Bahn abgeschoben. 35 Millionen für das zweite Gleis und mindestens noch mal so viel für mehr Signale - obwohl der Kostenrahmen sowieso schon ausgeschöpft ist. Wenn die Verantwortlichen ehrlich wäre müssten sie zugeben, dass das Projekt finanziell komplett aus dem Ruder läuft und es stoppen. Aber das wird wahrscheinlich erst passieren, wenn wirklich Geld verbrannt und der Stadt Schaden zugefügt worden ist. So etwas ist eine unbeschreibliche Peinlichkeit für unsere "Volksvertreter"!


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