Landwirte und Hobbygärtner bangen um ihre Flächen
ROTENBERG/UHLBACH: Ausgleichsmaßnahmen für den Abstellbahnhof sind auf der Egelseer Heide vorgesehen
Bei den Gartenbesitzern rund um die Egelseer Heide herrscht Unruhe. Landwirte und Freizeitgartenbesitzer im Gebiet Käppeleshau bangen um ihre „Stückle“. Grund für viele ins Kraut schießende Spekulationen und Gerüchte sind die Ausgleichsmaßnahmen für Stuttgart 21 - genauer für den Planfeststellungsabschnitt 1.6b Abstellbahnhof Untertürkheim. Der Güterbahnhof an der Augsburger Straße soll in einen Abstellbahnhof mit Reinigungs- und Tankanlagen, Technischem Service-Punkt umgebaut werden. Untersuchungen ergaben Beeinträchtigungen im Naturhaushalt. So fanden Biologen seltene Wildbienen-, Heuschrecken- und Vogel-Arten sowie Mauer- und Zauneidechsen auf dem Güterbahnhof-Areal. Die Schäden an der Natur müssen durch Ausgleichsmaßnahmen kompensiert werden. In direkten Umfeld des Güterbahnhofs fehlt es an Flächen. Deswegen schlagen die Experten die Anlage von Heideflächen auf der Egelseer Heide, die Schaffung eines Neckar-Seitenarms am Voltasteg, die Weiterführung des Feuerbachs bei Mühlhausen und die Anlage eines Fließgewässers bei Remseck vor.
Die Ausgleichsmaßnahme „Egelseer Heide“ umfasst zwei Teilgebiete - eine Fläche südlich und eine nördlich des beliebten Drachen und Rodelhanges. Die nördliche erstreckt sich „links“ des Parkplatzes in Richtung Kappelberg. Momentan wird sie kleingärtnerisch und als Beerenplantage genutzt. Auf der südlichen Fläche, vom Spielplatz in Richtung „Sieben Linden“, sind Obst- und Weihnachtsbaumkulturen angepflanzt. Beide Teilgebiete umfassen 6,58 Hektar. „Ziel ist es, eine Heidefläche wie im Naturschutzgebiet Kappelberg zu etablieren“, heißt es in den Unterlagen der Bahnexperten. Sie wollen Magerrasen mit Heidecharakter anlegen.
Auf der Fläche Richtung Kappelberg wird am Waldrand ein neuer „Mantel“ mit Bäumen angelegt. Als Abgrenzung zu den Parkplätzen ist ein Grünstreifen und auf der Heidefläche Baum- und Buschinseln vorgesehen. „Nicht hundertprozentig ersichtlich ist, ob die Beerenplantagen als Bestand erhalten bleiben“, sagt Bezirksvorsteher Klaus Eggert. Heinz Munder, der die Plantage bewirtschaftet, will deswegen mit den Experten reden und gegebenenfalls Einspruch einlegen. „Schließlich sind bereits meine Plantagen jenseits des Roten Hauses als Ausgleichsflächen für den Abschnitt 1.6a vorgesehen“, sagt der Rotenberger. Seinen Kollegen Reinhard Ortlieb trifft es auf der südlichen Parzelle. Auf ihr stehen seine alten Apfelbäume.
Naturschutz auf Kosten der Stuttgarter Obsterzeuger? „Die Stadtverwaltung hat uns zugesagt, dass wir Ersatzflächen im Gebiet Käppeleshau erhalten“, sagen Munder und Ortlieb. Das Liegenschaftsamt ist deswegen aktiv geworden. Es hat einige Gartengrundstücke in dem Gebiet erworben. „Wir wollen unsere Erwerbobstbauern nicht gefährden. Im Herbst werden wir über Details mit ihnen sprechen“, sagt Finanzbürgermeister Michael Föll. Schließlich wollen nicht nur die Landwirte sondern auch die jetzigen Gartennutzer Gewissheit - wenngleich die Ausgleichsmaßnahmen frühestens 2020 beginnen. Erst nach Abschluss der Baumaßnahmen muss die Bahn die Maßnahmen umsetzen.
Früher betroffen sind dagegen die Anwohner am Güterbahnhof. Nach den Erfahrungen mit den Gleisbauarbeiten vor wenigen Wochen rechnen sie auch während des Umbaus des Güterbahnhofs und danach im laufenden Betrieb mit Lärmbelästigungen. Das Schallgutachten prognostiziert, dass der Lärmpegel im Umfeld 60dBA nachts erheblich überschreiten wird. „Der Verkehrslärm auf der Augsburger Straße und der B 14 sowie die Züge der Güterumgehungsbahn Kornwestheim-Untertürkheim überdecken vor allem nachts den Anlagenlärm“, heißt es in der Untersuchung. „Die Überschreitung der Immissionsrichtwerte muss daher toleriert werden.“ Die Pläne liegen beim Stadtplanungsamt, Eberhardstraße 10, bis 18. August aus.



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