„Ausstieg kostet alle Beteiligten keinen Cent“
Verkehrsclub Deutschland fordert sofortigen Stopp aller eingeleiteten Maßnahmen und Planungen
Mit dem Ausstiegsszenario des VCD entfallen die schon eingegangenen vertraglichen Verbindungen zwischen Stadt, Region, Land und DB als letzter Hemmschuh für ein Ende von Stuttgart 21. Zudem beweise das vom Land unter Verschluss gehaltene Gutachten von SMA + Partner, dass die Tunnelbahnhof-Planungen für den Bahnknoten Stuttgart untauglich seien, so Lieb. Er empfehle Wolfgang Drexler, Sprecher des Stuttgart-21-Projektbüros, dringend eine intensive Studie dieses Gutachtens. „Denn wer die Zahlen gelesen hat, der fragt sich schon nach dem Nutzen des Milliardenprojekts.“ Denn bleiben die Gleisplanungen wie bisher, so gebe es reichlich Konfliktpotential zwischen Nahverkers-, Fernverkehrs- und Güterzügen zwischen Hauptbahnhof und Flughafen. „Die von der Bahn versprochenen Zeitersparnisse zwischen Ulm und Stuttgart können nie und nimmer eingehalten werden.“ Der VCD fordert deshalb einen sofortigen Stopp aller Baumaßnahmen, aller weiteren Vergaben und weiterer Planungen für Stuttgart 21. Matthias Lieb: „Ein Ausstieg aus Stuttgart 21 ist aus bahnbetrieblicher Sicht unbedingt notwendig und er ist problemlos finanzierbar.“
Nach Angaben von Projektsprecher Drexler wären im Falle eines sofortigen Ausstiegs 1,4 Milliarden Euro zu finanzieren. Der größte Posten in dieser Kalkulation ist die Rückabwicklung des Grundstücksverkaufs der Deutschen Bahn im Jahr 2001 an die Stadt Stuttgart für 460 Millionen Euro plus 284 Millionen Euro Zinsen. Darüber hinaus seien Planungskosten für Stuttgart 21 (260 Millionen Euro) und Planungskosten für die Neubaustrecke nach Ulm (170 Millionen Euro) angefallen, sowie Bauaufträge in Höhe von 240 Millionen Euro verbindlich vergeben worden. „Die Bahn hat vor neun Jahren 460 Millionen Euro von der Stadt Stuttgart für den Verkauf der Grundstücke hinter dem Bahnhof erhalten“, so Matthias Lieb. Mit diesem Kapital habe die Bahn in den folgenden Jahren „gearbeitet“ und ordentlich Rendite erzielt - laut ihren Geschäftsberichten zwischen zwei und 18,8 Prozent. „Der Wert dieses Kapitals wird bis Ende 2010 auf 1,172 Milliarden Euro angestiegen sein.“ Allein durch diese Wertsteigerung des Kapitals sei die Rückabwicklung des Grundstücksverkaufs sowie die bisher für Stuttgart 21 und die Neubaustrecke angefallenen Planungskosten schon finanziert. „Kosten entstehen weder der Bahn noch den anderen Projektbeteiligten“, so der Landesgeschäftsführer. Somit wären nur noch die schon verbindlich vergebenen Bauaufträge auszugleichen.
„Eine Rückabwicklung der Bauaufträge ist in der Regel für einen Bruchteil der Vertragssumme möglich“, sagte Matthias Lieb. Der VCD rechnet hierfür mit Kosten zwischen 24 und 40 Millionen Euro. „Der zwischen dem Land Baden-Württemberg und der Bahn geschlossene große Verkehrsvertrag hat der Bahn in den letzten Jahren Monopolgewinne von 450 Millionen Euro beschert. Diese Gewinne reichen locker, um die vergebenen Aufträge zu stornieren“, ergänzte Lieb.
Gewinner eines Ausstiegs aus dem heftig umstrittenen Milliardenprojekt sind nach Einschätzung des VCD die Menschen im Land, weil mit dem Kopfbahnhof ein leistungs- und ausbaufähiger Bahnknoten erhalten bliebe. Gewinnen würde aber auch die Stadt Stuttgart, die mit einer Einnahme von 744 Millionen Euro ihren überschuldeten Haushalt entlasten könne. Der Verband Region Stuttgart erspare sich eine Kostenbeteiligung von 100 Millionen Euro und könne seine Umlage an die Landkreise senken. Das Land Baden-Württemberg spare mehrere Milliarden an nicht aufgewendeten Kosten und könne sich aus den finanziellen Einschränkungen durch den großen Verkehrsvertrag befreien.



Artikel kommentieren