Turnhallen-Sanierungen lähmen den Vereinssport

BAD CANNSTATT: Trainings- und Spielbetrieb im Jugendbereich durch Umbaumaßnahmen stark eingeschränkt

 

In der Turnhalle des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums dauern die Arbeiten wohl noch bis November an.Foto: Steegmüller
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In der Turnhalle des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums dauern die Arbeiten wohl noch bis November an.Foto: Steegmüller

 

Egal, ob das Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium, die Altenburg- oder Carl-Benz-Schule - die Türen der schuleigenen Turnhallen sind bis auf weiteres geschlossen. Auch die Halle der Jörg-Ratgeb-Schule in Neugereut sowie mehrere Hallen in Stuttgart-Ost stehen nicht zur Verfügung. Doch nicht nur der Schulsport ist betroffen, auch die ortsansässigen Sportvereine sind in Not.

Von Sebastian Steegmüller

 

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14 Basketballteams des ESV Rot-Weiß Stuttgart - darunter zwei Oberliga-Mannschaften - trainieren mehrmals die Woche in Cannstatts Turnhallen. „Jedoch nur sehr eingeschränkt“, sagt die stellvertretende Basketball-Abteilungsleiterin Irmengard Rathfelder. „Unsere Jüngsten, die U 12, haben nur noch einmal die Woche Training. Seit die Elly-Halle geschlossen ist, müssen wir das Training mehrerer Jugend-Mannschaften zusammenlegen.“ Dadurch leide die Nachwuchsarbeit. „Wir haben schon einige Abgänge verkraften müssen.“ Immer wieder habe man mit der Fertigstellung des Daches gerechnet, ein Schuljahr irgendwie improvisiert und auf ein Ende der Sanierungsarbeiten nach den Sommerferien gehofft. Jetzt wurde man erneut auf November vertröstet. Durch die Umbaumaßnahmen der Jörg-Ratgeb-Halle, eine bisherige Trainingsalternative, wird die Lage noch ernster. „Es wäre wünschenswert, wenn man sich abspricht und nicht mehrere Hallen gleichzeitig schließt“, so Rathfelder. Betroffen von den Hallensperrungen ist auch die Handball-Spielgemeinschaft Cannstatt-Münster-Max-Eyth-See. „Der Vereinssport findet bei uns seit Monaten nur eingeschränkt statt. Gerade der Trainingsbetrieb im Jugendbereich drohte in der Saison 2009/2010 lahm gelegt zu werden“, sagt Nikolai Forstbauer von der HSG. „Insbesondere Eltern ist es nicht zumut­bar, Kinder durch halb Stuttgart zu fahren, um wöchentlich wechselnde Trainingsorte anzusteuern.“ Die Platznot gefährde den Handballsport in der Region.

Die Probleme der Vereine sind dem Schulverwaltungsamt nicht unbekannt. Nach dem strengen Winter und jahrelangem Sanierungsrückstand sind jedoch viele Dächer betroffen, „ein Handeln in den Hallen zwingend notwendig“, sagt Heike Brettschneider vom Schulverwaltungsamt, die für Turn- und Sporthallen zuständig ist. „Wir kratzen die letzten Kapazitäten zusammen, aber von montags bis freitags sind die Hallen in Bad Cannstatt und Stuttgart-Ost ab 17.30 bis 22.30 Uhr proppenvoll“, fügt ihr Kollege Helmut Schmied hinzu. Auch am Wochenende ist die Auslastung kaum geringer. „1100 Termine müssen alleine samstags und sonntags in einem kompletten Schuljahr in der Landeshauptstadt koordiniert werden.“ Auch der Tischtennis-Nachwuchs des DJK Sportbund Stuttgart bekommt die angespannte Lage zu spüren. „Kinder-AGs und Schnupperkurse können nicht mehr angeboten werden“, sagt der 1. Vorsitzende Stefan Molsner. Als Nummer eins in Baden-Württemberg - 2009 war der Sportbund deutscher Jugendmeister - sei es peinlich, wenn man im Jugendbereich nur zweimal in der Woche Training anbieten könne. „Die Situation ist problematisch. Wir haben zehn Nachwuchsmannschaften und kaum Trainingsmöglichkeiten. Auf Dauer geht das nicht gut.“

Kaum betroffen sind indes die Tischtennis-Cracks des Sportbunds. Nach dem bevorstehenden Abriss der kleinen Halle der Ostheim-Realschule ziehen sie in die Halle der Berger-Schule. Leidtragend sind hier „nur“ die Senioren der DJK St. Nikolaus. „Unsere Fußballmannschaft spielt seit mehr als 26 Jahren immer montagabends in der Berger-Halle“, sagt Matthias Werner, Vorsitzender der Sportgruppe. Der „Kick“ sei eine feste Institution, doch aus Mangel an Alternativen werde es ihn bis auf weiteres nicht mehr geben. „Die angebotenen Ausweichtermine, beispielsweise am späten Freitagabend, sind für uns nicht akzeptabel.“

Artikel vom 29.07.2010 © Eßlinger Zeitung

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