Blumenträume auf dem Großmarkt
WANGEN: Praktische Abschlussprüfung für Floristen der IHK Region Stuttgart - Zahl der Auszubildenden rückläufig
Bunte Blumenträume aus Rosen und Narzissen stellten die 44 Lehrlinge zum Floristen bei der praktischen Abschlussprüfung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart gestern auf dem Wangener Großmarkt her. Grundsätzlich zeigten sich die Prüfer von den Leistungen beeindruckt, allerdings sei „in den vergangenen Jahren die Zahl der Auszubildenden deutlich rückläufig“, erklärt Michael Bott.
Wo sonst die Blumengroßhändler frühmorgens um Preise feilschen, wurde gestern nach Leibeskräften gesteckt, gebunden und geschnitten. Schließlich stand für 44 Lehrlinge aus den IHK-Bereichen Stuttgart, Esslingen und Göppingen die praktische Abschlussprüfung zum Floristen an. Ein buntes Blumenmeer nahm im Lauf des Tages Gestalt an. Vier Aufgaben galt es für die 44 angehenden Floristen zu bewerkstelligen. Vom Binden eines Blumenstraußes, dem Bepflanzen und dem Fertigen eines gesteckten Gefäßes bis zu einer komplexen Übungsaufgabe, der Kür. „Dies konnte ein schöner Tisch-, Hochzeits- oder ein Trauerschmuck sein“, erklärt Heinz Osswald von der IHK Esslingen.
Doch nicht etwa die Kür stellte für Jessica Heubach ein Problem dar, vielmehr tat sie sich mit dem Binden des normalen Straußes schwer: „Ich hatte so viel angedrahtet, dass ich ihn kaum noch halten konnte“. Dennoch konnte sie die Jury mit ihren Arbeiten wie dem gesteckten Gefäß aus weißen Galdiolen, schwarz besprühten Ästen oder dem bepflanzten Gefäß mit Sukkulenten (wasserspeichernden Pflanzen) sowie ihrem Hochzeitsstrauß überzeugen. Schon immer hatte die 24-Jährige ein Händchen für Blumen. „Als Kleinkind wollte ich immer im Blumenladen übernachten, weil es dort so gut riecht“, erklärt Heubach. Dennoch kam sie erst nach einer Frisörlehre zum Traumjob. Anders hingegen ging es Melanie Maurer. Die 18-Jährige kam durch die zahlreichen Gärten in ihrer Nachbarschaft mit den Pflanzen in Kontakt und hat sich für die Laufbahn als Floristin entschieden: „Der Kontakt mit der Natur macht einfach Spaß“.
Drei Jahre dauert die Ausbildung zum Floristen. Vorgeschriebene Voraussetzungen gibt es nicht. „Das legt der jeweilige Betrieb selbst fest“, erklärt der IHK-Ausbildungsleiter Bott. Da es sich aber um ein Handwerk handelt, reiche auch ein Hauptschulabschluss aus. In der Ausbildung würden zwar biologische Grundkenntnisse, Kundenumgang und Kalkulation gefordert, „in erster Linie steht aber das handwerkliche Geschick im Vordergrund.“ Trotzdem sind die Zahlen der Auszubildenden in der Region Stuttgart seit Jahren rückläufig. „Das hat zum einen betriebswirtschaftliche Gründe, aber viele Geschäfte klagen auch über die mangelnde Qualität der Bewerber“, sieht Eckhard Schmid, der Vorsitzende des Prüfungsausschusses, ein Problem in der Bildungsreform verankert. Dabei zeigte sich gestern eine sehr gute Qualität. Handwerkliche Verarbeitung, Symmetrie und Farbkomposition wurden bewertet. Die Lehrlinge haben dabei viel Gestaltungsspielraum. „Fast in keinem anderen Beruf kann man derart kreativ sein“, bringt es Maurer auf den Punkt.



