Kritik am Standort für neues Polizeirevier

BAD CANNSTATT: Land soll dem Technikausschuss bereits untersuchte Alternativen sowie Lärm- und Verkehrsgutachten präsentieren

 

Als Standort für ein neues Cannstatter Großrevier hat das Land das ehemalige Gebäude der Firma Orgatech ins Augen gefasst. Eine Lösung, die vom gemeinderat harsch kritisiert wird.Foto: Nagel
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Als Standort für ein neues Cannstatter Großrevier hat das Land das ehemalige Gebäude der Firma Orgatech ins Augen gefasst. Eine Lösung, die vom gemeinderat harsch kritisiert wird.Foto: Nagel

 

Der Ausschuss für Umwelt und Technik kritisierte den geplanten Standort in der Martin-Luther-Straße für das neue Cannstatter Großrevier. Schlechte Verkehrsanbindung, drohendes Parkchaos in dem Wohngebiet und Lärmbelästigung für die Anwohner, so die Argumente sämtlicher Fraktionen. Jetzt soll das Land dem Gemeinderat berichten, welche weitere Alternativen - wenn überhaupt - untersucht wurden.

Von Uli Nagel

Im Zuge der Polizeireform wurden die Reviere Duisburger und Wiesbadener Straße zusammengelegt. In der Neckarvorstadt gibt es seitdem nur noch einen Polizeiposten. Da das Reviergebäude in Kursaalnähe jedoch nicht mehr zeitgemäß und zudem viel zu klein für die geplante Sollstärke von rund 180 Beamten und Beamtinnen ist, war von Anfang an klar, dass ein neuer Standort für ein Cannstatter Großrevier von Nöten ist. Die Idee, einen Neubau hinter dem Cannstatter Bahnhof zu errichten, scheiterte am Geld. Auch ein Umzug in das HDI-Gebäude musste wieder verworfen werden. Der Telefonanbieter Versatel war einfach schneller.

 

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Jetzt hat das Land das Gebäude in der Martin-Luther-Straße 38-42 im Visier. „Gute Verkehrsanbindung, zentrale Lage und ausreichend Parkplätze“, begründete Polizeipräsident Siegfried Stumpf die Wahl gegenüber dem Verwaltungsausschuss Ende April. Schon damals hatten jedoch die SPD große Bedenken was den Standort angeht und forderte Land und Polizei auf, Lärm- und Verkehrsgutachten im Ausschuss vorzustellen. Zudem hatten die Sozialdemokraten kritisiert, dass die Stadt bei der generellen Standortfrage außen vor geblieben sei. Und drei Monate später sind sich die Fraktionen einig, dass ein Großrevier in der Martin-Luther-Straße alles andere als optimal ist. Zumal aus Platzgründen Einsatzfahrzeuge auf dem Grünstreifen entlang der Waiblinger Straße parken müssen. Um die nötigen Stellflächen zu schaffen, müssen Bäume gefällt werden. Da in dem Innenhof der ehemaligen Firma Orgatech offenbar nur Platz für 18 Einsatzfahrzeuge sei, befürchten die Fraktionen ein Parkchaos in dem angrenzenden Wohngebiet.

„Die Polizei hat offenbar nur dort gesucht, wo es günstig ist“, sagte SPD-Stadträtin Marita Gröger. Städtebauliche Interessen haben wohl keine Rolle gespielt. Marita Gröger gab zudem zu bedenken, dass das Gelände für Wohnungsbau reserviert sei und auch in der Zeitstufenliste auftauche. In diesem Zusammenhang vermisse sie eine städtebauliche und verkehrstechnische Bewertung. Gerade in der Anbindung sieht Peter Pätzold von den Grünen ein großes Problem, zumal die Verkehrsführung (Einbahnstraße) laut Stadtverwaltung nicht geändert werden soll: „Die Ausfahrt ist nur auf die Waiblinger Straße möglich und eine Einsatzfahrt in Richtung Fellbach geht nur über einen umständlichen U-Turn.“ Philipp Hill (CDU) sieht ebenfalls diese Problematik und würde gerne wissen, ob es überhaupt Alternativen zu dem ins Augen gefassten Standort geben würde.

Für die SPD ist ein Revier in Wasennähe (Elwertstraße) immer noch ein Thema und allemal „zentral genug“. Auch die CDU fordert das Land auf, sich nochmals auf die Suche zu machen. „Bürgernähe und Sicherheitsgefühl ist ja schön und gut - lässt sich jedoch eher mit einem Posten realisieren“, so CDU-Stadtrat Hill. Ein Großrevier mit rund 180 Beamten müsse jedoch nicht mitten in ein Wohngebiet angesiedelt werden.

Auch die beiden zuständigen Bürgermeister Matthias Hahn (Städtebau) und Martin Schairer (Sicherheit und Ordnung) sind sich einig, dass Land und Polizei nicht nur die entsprechenden Gutachten präsentieren sollen, sondern auch über bereits untersuchte Alternativstandorte berichten müssen. „Und gegebenenfalls muss man sich dann erneut auf die Suche machen“, so Hahn.

Artikel vom 28.07.2010 © Eßlinger Zeitung

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