Gefahrenquellen ausgeschlossen
Besorgte Anrufe zur Christopher Street Day-Parade - 200 000 Menschen erwartet
Stuttgart (ae) - 200 000 Zuschauer werden am Samstag zur traditionellen Parade am Christopher Street Day (CSD) in der Innenstadt erwartet. Bedenken, dass es angesichts der hohen Teilnehmerzahl zu ähnlich tragischen Vorfällen wie bei der Loveparade in Duisburg kommt, haben die Organisationen allerdings nicht. „Die Veranstaltungen lassen sich nicht miteinander vergleichen“, ist Christoph Michl überzeugt.
Am Samstag steht auf dem Stuttgarter Veranstaltungskalender die traditionelle Polit-Parade, die Höhepunkt einer jeden CSD-Woche ist. 63 Formationen ziehen ab 16 Uhr durch die Innenstadt, bis zu 200 000 Zuschauer werden voraussichtlich die Strecke säumen. Diese führt von der Böblinger Straße im Stuttgarter Süden über den Marienplatz, die Tübinger Straße, die Eberhardstraße, die Marktstraße und die Münzstraße bis zum Karlsplatz im Zentrum. Das Interesse im Vorfeld fiel aufgrund der 19 Toten von Duisburg dieses Mal allerdings deutlich stärker aus. „Um halb sechs kam der erste Anruf, seither steht das Telefon kaum still“, sagt Michl. Für die Sorgen der Anrufer habe er Verständnis. „Die Vorfälle in Duisburg sind tragisch und traurig“, sagt der Chef-Organisator. Bedenken, dass sich ähnliches in Stuttgart wiederholen könne, habe er jedoch nicht. „Am Sonntag hat sich unser Organisationsteam erneut zusammengesetzt und mögliche Gefahrenquellen identifiziert.“ Viel gefunden habe man jedoch nicht. Bei der Parade gebe es weder Einzäunungen und Absperrungen, noch kontrollierte Zugänge, die sich als Nadelöhr erweisen könnten. Falls eine Massenpanik wie in Duisburg ausbricht, sind Querstraßen vorhanden, die als Fluchtwege genutzt werden können. Zudem sei es nicht das erste Mal, dass die Parade stattfindet. „Seit elf Jahren feiern wir den CSD ohne Zwischenfälle.“ Dennoch habe man gestern erneut mit den Behörden über die geplanten Sicherheitsmaßnahmen diskutiert.
Dass sich die Katastrophe von Duisburg in Stuttgart wiederholen können, hält auch Stuttgarts Ordnungsbürgermeister Martin Schairer für eher abwegig: „Beim CSD haben wir Erfahrungswerte aus den vergangenen Jahren. Es gibt eine hervorragende Zusammenarbeit mit dem Veranstalter.“ Ein Zug durch die Innenstadt biete viel mehr Fluchtwege als ein fester Platz mit wenigen Zugängen. „Die Auflagen werden beachtet und wir arbeiten mit ehrlichen Zahlen, die realistisch sind und nach oben noch Luft haben.“ Ein Problem in Duisburg sei gewesen, dass dort zum ersten Mal die Loveparade veranstaltet wurde: „Man musste mit Prognosen arbeiten“, gibt Schairer zu bedenken.
2007 gab es Versuche, nach der Absage des Raver-Spektakels in Berlin die Loveparade nach Stuttgart zu holen. Der Veranstalter kam damals zu Gesprächen in die Schwabenmetropole. Über die Theodor-Heuss-Straße sollte die Strecke am Hauptbahnhof vorbei auf den Wasen führen, lautete ein Vorschlag. Geschätzte Länge der Partymeile: etwa drei Kilometer. Allerdings entschied sich die Verwaltung aus Sicherheitsgründen dagegen. „Unsere Straßen, Plätze und die ganze Infrastruktur geben das nicht her. Das hat sich als richtige Entscheidung erwiesen.“ Der Bürgermeister rechnet nach dem Vorfall von Duisburg damit, dass Organisatoren und Besucher von Großveranstaltungen künftig mehr Verständnis für strenge Auflagen der Stadt haben.


