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ALTE LIEBE ROSTET NICHT DIE STEIDLES UND IHRE KäFER UND TRAKTOREN

Fahrverbot für die Pril-Blumen

BAD CANNSTATT: Mehr als 230 Jahre Oldtimer-Geschichte parken bei der Familie im Hinterhof

 
 
 

Von Sebastian Steegmüller

„Es ist ein kultiges Auto, das sich von der Masse abhebt. Zudem ist es einfacher zu fahren als manches große, moderne Auto“, sagt Lisa ­Steid­le beim Blick auf ihren weißen VW-Käfer. „Für die Stadt reicht es, die Leute geben einem zudem immer Vorfahrt.“ Ob dies an der jungen Halterin oder am Fahrzeug mit den vielen bunten Pril-Blumen liegt, bleibt offen. Sicher ist, dass der Mexiko-Käfer mit gerademal 78 000 Kilometern auf dem Tacho der 20-Jährigen ans Herz gewachsen ist. „Als ich auf ihn für sechs Monate verzichten musste, tat das schon weh.“ Die Fahranfängerin aus Sommerrain hatte jedoch nicht ihren Führerschein verloren. Das Fahrverbot galt für den damals 29 Jahre alten Käfer, der mit der Einführung der Umweltzone nicht mehr auf Stuttgarts Straßen unterwegs sein durfte. „Jetzt ist der Wagen aber ein echter Oldtimer. Dank H-Kennzeichen gilt das Verbot nicht mehr.“Probleme, die ihr Vater indes nicht kennt. Sein schwarzer VW Käfer ist Baujahr 1955 und schon lange ein Oldtimer. Vielmehr ein Klassiker: In Fan-Kreisen wird er liebevoll „Ovali“ genannt. „1953 wurde das geteilte Brezelfenster durch eine ovale Heckscheibe ersetzt, daher der Name“, erklärt Besitzer Karl-Heinz ­Steidle. Wichtig bei seinem Oldtimer sei ihm der Originalzustand. Tieferlegung und extremes Motor-Tuning, wie man es auf manchem Käfertreffen auch an alten Fahrzeugen sieht, seien absolut tabu. „Als ich den Käfer vor mehr als 20 Jahren kaufte, war er verbastelt. Es waren unter anderem falsche Sitze und falsche Lichter verbaut, doch auf Oldtimer-Märkten und Börsen kann man sich mit Teilen versorgen.“ Am Besten per Tausch, denn für ein Rücklicht seien heute schnell mal 250 Euro fällig. Jetzt sei die Originalität wieder hergestellt. Auch Details wie die Blumenvase, der Reisekoffer aus Leder, „Elfen­beingriffe“ aus Kunststoff sowie die mitschwingende Einparkhilfe sind im und am Käfer zu finden. Nur bei den Fahrtrichtungsanzeigern habe er etwas geschummelt. „Ich habe die Nebelscheinwerfer zu Blinkern umfunktioniert. Aus Sicherheitsgründen, denn die damalige Baureihe hatte weder Winker noch Blinker an Bord.“ Auch Spritzdüsen für eine Scheibenwaschanlage sucht man vergebens.Diese finden sich auch nicht am roten Porsche aus dem Jahre 1959. Der „Verwandte“ des Käfers ist allerdings kein Sportwagen, sondern ein Traktor - die zweite große Leidenschaft der Familie Steidle. Denn neben dem Oldtimer aus Friedrichshafen besitzen sie noch zwei weitere Schlepper. „Unser Hanomag ist von 1955. Um die Patina zu erhalten und ihn gleichzeitig vor Rost zu schützen, haben wir ihn mit Petroleum eingerieben.“ Er sei wie der Porsche ein Arbeitsgerät, das authentisch bleiben müsse. Auch heute noch werden die Traktoren zum Mähen großer Wiesen und zur Heuernte eingesetzt. „Mein Liebling ist der seltene MAN-Traktor der Baureihe 2F1, der kleinste, aber schnellste im Bunde“, sagt Tochter Lisa ­Steidle. Bereits als 14-Jährige habe sie erste Fahrversuche mit dem 51 Jahre alten Fahrzeug unternommen. Jetzt gebe sie die Begeisterung für den Schlepper an Kinder auf Festen weiter. „Diese lieben es, eine Runde durch den Sommerrain mitzufahren.“Den Traktor stöberte die Familie im Schwarzwald bei einem Forstwirt auf. „Er war verbeult und zugerichtet. Ich habe ihn komplett zerlegt, alle alten Maschinenschrauben neu abgedreht und sogar mit dem originalen Kunstharzlack neulackiert“, erinnert sich Karl-Heinz Steidle. „Die einfache Technik der Fahrzeuge macht den Reiz aus. Der Porsche zum Beispiel wurde damals in Kastenbauweise gefertigt.“ Beim „Volkstraktor“ lautete das Motto Teileoptimierung: „Die meisten Komponenten des Zwei-Zylinder-Motors des Standards waren im Junior, im Master und im Super identisch. Das war praktisch, wenn auf den Feldern etwas kaputt ging, war somit schnell für Ersatz gesorgt.“

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In unserer Serie „Alte Liebe rostet nicht“ stellen wir Oldtimer-Fans aus der Region und ihre Fahrzeuge vor. Das können Sportwagen sein, aber auch Motorräder, Nutzfahrzeuge und Traktoren. Die viel bestaunten Oldtimer sorgen nicht nur für Aufsehen und neidische Blicke im Straßenverkehr, laut Experten gelten sie als gute Kapitalanlagen.

 

Artikel vom 24.07.2010 © Eßlinger Zeitung

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