Wohnen im Alter
Deutsches Rotes Kreuz (DRK) gibt Interessierten in einer Musterwohnung hilfreiche Tipps
Stuttgart - Die meisten Menschen möchten auch im Alter oder bei Pflegebedürftigkeit so lange wie möglich in ihrer vertrauten
Umgebung bleiben. Mit dem Älterwerden ändern sich allerdings Bedürfnisse und Fähigkeiten. Die Wohnung sollte daher angepasst
sein. Oft gelingt die Umgestaltung schon mit einfachen Mitteln - das wird bei der Wohnberatung in der „Werkstatt Wohnen“ des
DRK deutlich.
Altersgerechte Wohnungen sind Mangelware. Es gibt immer mehr alte Menschen, die in Wohnungen leben, die ihren Ansprüchen nicht genügen. Dies ist die Kernaussage eines Berichts der Kommission „Wohnen im Alter“ des Bundesbauministeriums. In Deutschland sind rund 16 Millionen Menschen 65 Jahre oder älter, das sind rund 20 Prozent der Bevölkerung. Trotzdem steigt mit der höheren Lebenserwartung nicht gleichzeitig die Beweglichkeit. Die Älteren wollen verständlicherweise so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen - und das in einer angenehmen Umgebung.„Barrierefreiheit und intelligente Techniken können dabei helfen“, sagt Ruthild Gohla von der Wohnberatung des DRK. Des Themas alten- und behindertengerechtes Wohnen haben sich der Kreisverband des DRK Stuttgart und der Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS) ganz konkret angenommen. In der „Werkstatt Wohnen“ besteht einmal wöchentlich für Besucher die Möglichkeit, eine barrierefreie Musterwohnung zu besichtigen. „Wir können hier Interessierten alle Möglichkeiten aufzeigen, wie Barrieren in einer Wohnung für ältere Menschen beseitigt werden können“, sagt die Sozialarbeiterin. Schon der Eingang zur Werkstatt zeigt auf, wie ein barrierefreier Zugang gestaltet werden kann. Anregungen für einen Umbau gibt es in der Musterwohnung: In der Küche helfen beispielsweise niedrige beziehungsweise variable Arbeitsflächen oder auch der ausziehbare Kühlschrank und Backofen. Der Arbeitsplatz in einem anderen Raum ist rollstuhlgerecht gestaltet, indem die Schreibtischhöhe variabel verändert werden kann und auch das Licht mit Einschalten des Computers gleichzeitig angeht. Und im großzügigen Badezimmer sind die bodenebene Dusche und ein Hebelift für die Badewanne selbstverständlich. „Wir geben Tipps, welche Möglichkeiten es mit Geräten gibt, um das Wohnen im Alter so angenehm und einfach wie möglich zu gestalten“, sagt Gohla. Die Besucher erfahren von geschulten Beraterinnen und Beratern zudem, welche Hilfsmittel - seien es Rampen, um kleine Stufen zu überwinden, große Tastentelefone oder Fernbedienungen für elektrische Geräte - bei der Krankenkasse anrechenbar sind. „Bei einem Hausbesuch beraten wir über bedarfsgerechte Veränderungen in der Wohnung und verfassen einen Bericht, in dem die Anpassungsmöglichkeiten genau erläutert werden“, so Gohla. Informiert wird auch über Normen, die für barrierefreies Bauen geschaffen wurden. „Ein Teil der Norm ist für rollstuhlgerechtes Wohnen ausgelegt. Die Wohnungen müssen hier im Schnitt 15 bis 20 Prozent größer sein als im Normalfall“, sagt die Sozialarbeiterin. Das Bad sollte zum Beispiel acht statt fünf Quadratmeter aufweisen, um rollstuhlgerecht zu sein. Türen und Durchgänge sollten mindestens 90 Zentimeter messen. Ein Bad mit verschiedenen Bauelementen wie Handlaufstangen oder Armaturen, ein Schlafzimmer mit einem Schrank oder auch die dazu passenden Schiebetüren - all das kann man in der Musterwohnung begutachten. „Individuell muss jeder selbst entscheiden, was er braucht und was in der Wohnung machbar ist. Wir geben Anregungen dafür.“ Der große Vorteil bei der Musterwohnung: Sie liegt ebenerdig und muss erst gar nicht mit einem Aufzug erschlossen werden. Einen Treppenlift kann man aber in der Musterwohnung dennoch ausprobieren.



