Eine halbe Weltreise für 10 Pfennig

BAD CANNSTATT: Beim bunten Jubiläumsfest der Straßenbahnwelt wurden Kindheitserinnerungen wieder wach

 

So hat damals alles angefangen: Jörg Zimmer (links) vom Verein Stuttgarter Historischer Straßenbahnen erläutert einer Besuchergruppe  die zahlreichen Ausstellungsstücke, wie dieses Modell eines historischen Pferdewagens.Foto: Schütze
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So hat damals alles angefangen: Jörg Zimmer (links) vom Verein Stuttgarter Historischer Straßenbahnen erläutert einer Besuchergruppe die zahlreichen Ausstellungsstücke, wie dieses Modell eines historischen Pferdewagens.Foto: Schütze

 

Mit einem bunten Jubiläumsfest feierte die Straßenbahnwelt in Bad Cannstatt am Sonntag ihren ersten Geburtstag mit Clownereien und Jazzmusik. Bei Fahrten mit den historischen Linien 21 und 23, sowie den Oldtimerbussen, aber auch beim Gang durch das Museum selbst, wurden bei den älteren Besuchern Kindheitserinnerungen wach.

Von Jan-Philipp Schütze

 

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Die Straßenbahnwelt in den historischen und denkmalgeschützten Räumlichkeiten des 1929 erbauten Depots im Veielbrunnenweg 3 zeigt seit einem Jahr original Schienenfahrzeuge von den Anfängen der Straßenbahn bis heute. 20 000 Besucher kamen im ersten Jahr, darunter auch viele, die täglich mit den hier ausgestellten Fahrzeugen unterwegs waren. Beim Gang durch die Ausstellung erinnern sie sich an eigene, persönliche Anekdoten.

Einer, der die Geschichte der Stuttgarter Straßenbahn kennt, wie kaum ein anderer, ist Jörg Zimmer. Führungen durch das Museum sind für das Mitglied des Vereins Stuttgarter Historischer Straßenbahnen Ehrensache. Auch gestern erzählte der 72-Jährige den Besuchern wieder von den technischen Fortschritten der Bahn, vom Pferdewagen anno 1868 bis zum 2007 ausrangierten Triebwagen GT 4. Dabei kamen bei dem ein oder anderen Bahnliebhaber Erinnerungen hoch. An die Zeit nach dem Krieg beispielsweise, die mit überfüllten Zügen, vernagelten Fenstern und unterbrochenen Strecken gerade auch für die Kinder eine schwere Zeit gewesen sei und „mit Romantik nichts zu tun“ habe, so Zimmer. Über die Jahrzehnte hat sich viel getan, das Stuttgarter Netz wurde größer und moderner. Die Straßenbahnen wurden nach und nach zu Stadtbahnen. Geblieben ist der Lieblingsplatz aller Kinder, direkt hinter dem Fahrer, Instrumente und Strecke vor einem fest im Blick. Dort war auch der Stammplatz von Museumsbesucher Dieter Mauser. „Für 10 Pfennig konnte man damals noch eine halbe Weltreise machen“, erinnert sich der 74-jährige gebürtige Cannstatter. Durch die ganze Stadt ging es dann, bis nach Rohr, oder ins Untertürkheimer Inselbad. „Am Ende der Strecke sind wir auf das Dach geklettert und haben die Stromabnehmer für die Rückfahrt umgesetzt“, erzählt Mauser, „auch wenn die Fahrer das nicht gerne gesehn haben“. Einer, der gerade erst dabei ist, Erinnerungen zu sammeln, ist der neunjährige Julian. „Er ist an allem interessiert, was mit Bahnen zu tun hat“, sagt sein Vater Thomas Großberger, der sich selbst an seine Kindheit in den Straßenbahnen erinnert. Vor allem die Technik hat es Julian angetan, der es „einfach nur super hier“ findet und dann schnell zum nächsten Wagen flitzt.

Artikel vom 05.07.2010 © Eßlinger Zeitung

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