Wassertreppe im Bußbachtal
ROHRACKER: Stadt baut naturnahen Regenüberlaufabfluss für 355 000 Euro
Wer entlang des Bußbachs in Richtung Quelle spaziert, steht zunächst vor einem Baustellenschild, kurze Zeit danach unvermittelt vor einem Bagger und einem erstaunlichen Bauwerk: Im vergangenen Jahr hat die Stadt am Ortsrand von Sillenbuch ein großes Regenüberlaufbecken gebaut. In einem zweiten Bauabschnitt erstellen Bauarbeiter seit März den dazugehörigen Auslaufkanal. „Wenn sich nach einem schweren Unwetter das Überlaufbecken zu stark füllt, wird das überschüssige Wasser in den Bußbach als Vorfluter geleitet“, erklärt Bezirksvorsteher Hans-Peter Seiler. Anders als bei dem in Beton gezwängten Bußbach hat sich das Tiefbauamt bei der Regenwasserableitung ganz bewusst für ein faszinierendes Bauwerk entschieden. Ein künstlich angelegter „Wasserfall“, der dank der Holzverbauung natürlich wirkt. „In Stuttgart ist dies sicherlich einmalig. Wir haben aber Anregungen der Kollegen in Bad Boll genutzt. Vor Jahren hat eine Schlammlawine Bad Boll überschwemmt und katastrophal zugerichtet. Danach haben sie eine ähnliche, aber größere Konstruktion gebaut, die seit Jahren mit Erfolg in Betrieb ist“, sagt Ralf Feind vom Tiefbauamt der Stadt Stuttgart. Deren Erfahrungen seien in das Projekt im Bußbachtal eingeflossen. Das Wasser, das im Sillenbucher Regenüberlaufbehälter gesammelt und gegebenenfalls in den Bußbach abgeleitet wird, strömt keineswegs unbehandelt zu Tal. Um Pflanzenteile und Zivilisationsmüll auszusondern, sind Rechen im Kanal, der das Regenüberlaufbecken mit dem „Wasserfall“ verbindet, vorgeschaltet. „Die Zeiten, in denen sich nach einem Wolkenbruch WC-Papierfetzen oder Plastiktüten am Ufer des Bußbaches verfangen haben, sind vorüber“, hofft Seiler. Gleichzeitig werde die Geschwindigkeit der Wassermassen in dem unterirdischen Bauwerk gedrosselt, ergänzt Feind.
Dieses Prinzip wird auch bei den neuen Kaskaden verfolgt. In Stufen soll das Wasser künftig zu Tal fluten. Auf steile, kurz nacheinander folgende Treppen folgen immer wieder größere, ebene Holzkasten-Bereiche, in denen das Wasser wie in einem Becken oder Topf stehen kann. Steine und ein Kiesbett „bremsen“ den Fluss. Eingefasst wird der relativ breite Wasserlauf an den Rändern durch Holzstämme. „Sie werden im Laufe der Jahre eine Patina ansetzen und Pflanzen werden auf ihnen wachsen, so dass der Wasserfall einen natürlichen Anschein haben wird“, ist sich Feind sicher. Insgesamt wird der zweite Bauabschnitt 355 000 Euro kosten. Die Bauarbeiten werden, so schätzt Feind, noch bis Herbst andauern. Denn nicht nur die Kaskaden müssen noch gerichtet werden. Im oberen Bereich soll der Bußbach ebenfalls ein natürlicheres Aussehen mit Natursteinen statt Betonbauten erhalten. Hedelfingens Bezirksbeiräte erinnerte dies an die Bachbegehungen, die sie vor einigen Jahren unternommen haben. „Damals haben wir gefordert, dass der Bußbach auch im Ortsbereich und oberhalb der SKV-Tennisplätze aus seiner Betonrinne befreit und vor allem im Bereich des Spazierwegs renaturiert wird“, sagt Bezirksvorsteher Seiler.



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