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Stuttgarts kleinste Wein-Erzeugergemeinschaft

WANGEN: Sieben Wengerter bauen Reben in den historischen Mauerweinbergterrassen an

  Gerhard Föll, Roland Glemser und Werner Hohnecker (von links) sind das Führungstrio der Wein-Erzeugergemeinschaft am Wangener Berg.Foto: Kuhn
 

Gerhard Föll, Roland Glemser und Werner Hohnecker (von links) sind das Führungstrio der Wein-Erzeugergemeinschaft am Wangener Berg. Foto: Kuhn

 
(mk) - Wenn sich Wangens Wengerter treffen, reichen sieben Gläser. „Wir sind Stuttgarts kleinste Erzeugergemeinschaft“, sagt Werner Hohnecker. Keine sieben waschechte Schwaben, aber aufrechte Wengerter, die in den Steillagen am Wangener Berg Trollinger-Reben pflegen, die schwäbische Sorte in traditioneller, offener Maischevergärung in der Wangener Kelter ausbauen und damit die historischen Mauerweinbergterrassen erhalten.

Wer sich mit den Wangener Weinerzeugern in deren Weinberge zum Fototermin verabredet, benötigt ein bisschen Kondition: Sämtliche Grundstücke liegen an steilen Hängen, die nur über die typischen Weinbergstaffeln zu erreichen sind. „All unsere Weine stammen zu 100 Prozent aus richtigen Steillagen. Dazu stehen unsere Reben auf historischen Mauerweinbergterrassen“, erklärt Gerhard Föll.

Oftmals bieten malerische Weinberghäuschen den Wengertern Schutz, Platz zum Vespern oder miteinander ein Viertele trinken. Zum Ausruhen kommen die Wangener allerdings kaum. „Im Vergleich zu den rebflurbereinigten Hängen ist bei uns fast alles reine Handarbeit und kostet dementsprechend viel Zeit“, sagt Gerhard Föll. Steillagen-Förderung erhalten die sieben fleißigen Wangener dennoch keine. „Unsere Hänge sind auf mehrere Stücke am Wangener Berg verteilt, deswegen können wir kein geschlossenes Anbaugebiet aufweisen, das groß genug ist“, erklärt Roland Glemser.

Aufgeben kommt für die drei Ur-Wangener unter den sieben allerdings nicht in Frage. „Wir wollen die traditionelle Weinbergstruktur am Wangener Berg mit den Trockenmauern erhalten“, sagt Föll. Zudem kommt noch ein feines Tröpfchen heraus. Je nach Vegetationsjahr ernten die Wangener zwischen 10 000 und 15 000 Liter Trollinger-Wein. Die kräftige, ziegelrote Farbe weist auf die besondere Weinzubereitung hin. In der Wangener Kelter werden die Trollinger-Trauben im offenen Maischegärungsverfahren verarbeitet. „Die Maische wird nicht erhitzt, sondern immer wieder gerührt, damit sich die Aromen und die Farbe aus der Beerenhaut entfalten können“, sagt Hohnecker. Bis in die 70er-Jahren haben die Wangener selbst ausgebaut, filtriert und abgefüllt. Die letzten Handgriffe überlassen sie nun einer privaten Familienkellerei im Remstal. „In Absprache mit uns“, sagt Föll. Das Produkt überzeugt. Der 2009er-Trollinger ist halbtrocken/feinherb ausgebaut. Ein fruchtig, leichter Rotwein für Grillabende oder „auch gekühlt an heißen Sommertagen“ rät Hohnecker. Erhältlich ist der Wangener Berg-Wein bei den sieben aufrechten Erzeugern.

 

Artikel vom 02.06.2010 © Eßlinger Zeitung

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