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Rettungsaktion für traditionelle Kulturlandschaft

ROHRACKER: Stadt erwirbt einen steilen Trockenmauern-Weinberg

  Ursprüngliche Weinberghänge zwischen Rohracker und Frauenkopf verfallen oder werden anders genutzt. Die Stadt will den langsamen Verfall der typischen Trockenmauer-Kulturlandschaft stoppen.  Foto: Kuhn
 

Ursprüngliche Weinberghänge zwischen Rohracker und Frauenkopf verfallen oder werden anders genutzt. Die Stadt will den langsamen Verfall der typischen Trockenmauer-Kulturlandschaft stoppen. Foto: Kuhn

 
Wer einen Eindruck von der ursprünglichen Form des Weinbaus erhalten will, geht entweder ins Weinbaumuseum oder nach Rohracker und Hedelfingen. In den malerischen Steillagen mit den typischen Trockenmauern pflegen die Wengerter ihre Reben auf traditionelle Weise - fast ohne Einsatz von Maschinen. Die zeitintensive und schweißtreibende Arbeit hat ihren Preis. Immer mehr Weinberge verfallen. Die Stadt hat nun eine Fläche gekauft. „Als Zeichen, dass die Stadt dem Verlust der Kulturlandschaft entgegnen will“, sagt Bezirksvorsteher Hans-Peter Seiler.

Von Mathias Kuhn

Alteingesessenen Rohracker Bürgern sowie „Neu-Rohracker“ Stadtrat Manfred Kanzleiter treibt es die Tränen in die Augen, wenn sie durch eine der Rohracker Klingen spazieren. Etliche aufgelassene Weinberge trüben den Blick. Neben von Wengertern gepflegten Rebhängen liegen immer öfter verwilderte Parzellen. Statt Trollinger-Pflanzen wuchern dort Brombeer- oder andere Büsche, unterhalb des Speidelwegs hat eine Waldlandschaft die Reben vertrieben und einige Querwege, die vormals von Wengertern genutzten Wandel, sind unpassierbar oder bewusst von Anrainern versperrt.

Wer genau hinsieht, entdeckt dennoch alte, historische Strukturen. „Auf einigen aufgelassenen Weinbergflächen erkennt man noch die Trockenmauern mit seinem typischen Fischgrätenmuster“, sagt Bezirksvorsteher Hans-Peter Seiler. Dem weiteren Verfall dieser Jahrhunderte alten Kulturlandschaft wollen die Stadt und einige ehrenamtliche Mitstreiter entgegentreten. Auf Initiative von Kanzleiter und Seiler trafen sich Vertreter der Stadt, Wengerter, landwirtschaftliche Sachverständige und mögliche Helfer, um über Maßnahmen zu beraten. „Uns ist bewusst, dass ein steiniger und äußerst langer Weg vor uns liegt“, sagt Seiler. Ganz bewusst hat die Stadt nun ein Zeichen gesetzt. Im Bereich der Hohen Halde hat sie einen Weinberg von einem Privatmann gekauft. „Das Grundstück ist momentan an einen auswärtigen Wengerter verpachtet. Die Stadt ist in das bestehende Pachtverhältnis eingetreten“, erklärt Seiler. Ziel sei es, die noch bestehenden Weinberge zu erhalten, die Arbeit der Wengerter zu erleichtern und den Grundstückseigentümern mit fachmännischem Rat - beispielsweise beim Bau von Trockenmauern - zur Seite zu stehen. Dazu gehöre auch, dass die alten Wandel gepflegt würden. „Sie müssten freigeschnitten werden, damit sie beispielsweise mit schmalen Traktoren von den Weinbauern genutzt werden können“, fordert auch Erwin Benk, der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins. Historische Pfade wie der Kirchenweg zwischen Rohracker und der Michaelskirche in Wangen oder auch der so genannte Grenzweg liegen den auch für Ortsgeschichte Interessierten besonders am Herzen. Landschaftspflege würde damit auch Kultur- und Geschichtspflege. Die Politiker kämpfen dabei nicht allein. Ein noch lockeres Netz von Mitstreitern wird geknüpft. So könnte ein Sozialunternehmen mit Beschäftigten des zweiten Arbeitsmarkts die Freischneidemaßnahmen leisten, ein Kreis junger Hedelfinger und Rohracker Wengerter baut eine Gruppe junger Familien auf, die sich für die Natur, Kulturlandschaft und für den traditionellen Bau der Trockenmauern interessieren. „Wichtig wird es, dass wir möglichst viele Grundstückseigentümer gewinnen, damit sie an einem Strang ziehen“, sagt Seiler. Die Initiatoren hoffen dabei neben ehrenamtlichen Helfern auch auf die Unterstützung der Stadt und des Landes. Sicherlich sei der Kauf des Weinbergs eine Ausnahme gewesen, so Seiler. Aber der Stadt zwischen Wald und Reben sowie dem Land müsse daran gelegen sein, dass solch einmalige Strukturen erhalten bleiben.

 

Artikel vom 31.05.2010 © Eßlinger Zeitung

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Leser-Kommentare (1)

-› Artikel kommentieren

01.06.2010 03:22 von Markus Lochmann

Aha. Für Kindergärten und Schulen ist kein Geld da. Aber für sowas. Toll, Stuttgart.


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