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Untertürkheimer Bahnhof steht zum Verkauf

UNTERTüRKHEIM: Für 2,4 Millionen Euro bietet privater Investor denkmalgeschütztes Gebäude als Kapitalanlage für Automatenaufsteller an

  Ein bunter Branchenmix aus Gaststätten, Praxen, Spielhalle, Schlüsseldienst und Imbiss ist im Bahnhofsgebäude in Untertürkheim angesiedelt.Foto: Müller
 

Ein bunter Branchenmix aus Gaststätten, Praxen, Spielhalle, Schlüsseldienst und Imbiss ist im Bahnhofsgebäude in Untertürkheim angesiedelt. Foto: Müller

 
Bereits seit 1994 ist der Untertürkheimer Bahnhof in privater Hand. Damals gab die Deutsche Bahn ihre Verkaufsstelle auf. Nun bietet der Eigentümer, ein Automatenaufsteller, das denkmalgeschützte Gebäude als Kapitalanlage für 2,4 Millionen Euro zum Kauf an. Aus dieser Branche soll auch der neue Besitzer kommen, mehrere Interessenten gibt es wohl bereits.

Von Alexander Müller

Mehr als 5000 Menschen passieren täglich den Untertürkheimer Bahnhof. Zusammen mit dem Carl-Benz-Platz ist er der wichtigste Verkehrsknotenpunkt in den Oberen Neckarvororten. Und nicht zuletzt dient die Unterführung als Verbindung zwischen dem Ortskern und dem Lindenschulviertel. Doch wer denkt, dass das denkmalgeschützte Gebäude an der Arlbergstraße, das 1896 von König Wilhelm II. feierlich eingeweiht wurde, noch im Besitz der Deutschen Bahn ist, irrt. 1993 verlor die Empfangshalle ihre eigentliche Bedeutung als der Fahrkartenschalter geschlossen wurde und Automaten aufgestellt wurden. Das reich mit Dekor und einer aufwändigen Fassade verzierte Gebäude wurde verkauft. „Uns gehört nur noch die eigentliche Verkehrsstation“, erklärt ein Bahnsprecher. Das heißt, die für die Verkehrsabwicklung wichtigen Einrichtungen wie die Bahnsteige. Kein Einzelfall: Vor allem auf dem Land wurden zahlreiche Bahnhofsgebäude seit dem Jahrtausendwechsel veräußert. In Stuttgart zählen neben Untertürkheim auch Münster und Obertürkheim dazu. Wichtige Hauptgebäude wie in Bad Cannstatt, Vaihingen oder der Hauptbahnhof werden aber von der Bahn weiter selbst betrieben. In einigen Fällen sind die Käufer dabei auch die Kommunen, die die Gebäude aus verschiedensten Gründen selbst einer weiteren Nutzung zuführen wollen. „So befindet sich im ehemaligen Bahnhofsgebäude in Winnenden heute ein Feuerwehrmuseum“, weiß der Bahnsprecher. Zumeist sind es aber private Investoren, die die teilweise herrschaftlichen Gebäude als Kapitalanlage sehen.

Vor allem das hohe Aufkommen an Passanten verspricht, dass zu hohen Mietpreisen Gewerbe angesiedelt werden kann. Auch der Untertürkheimer Bahnhof wurde „aufwändig von Grund auf saniert und Räume für Gaststätten und Geschäfte geschaffen“, erklärt Dieter Polzin von S. M Partner. Das Leonberger Wirtschaftsberaterbüro verkauft das Gebäude im Auftrag des Besitzers, einer Münchner Firma, die im Automatenaufstellgeschäft tätig ist. Heute sind dort eine Arztpraxis, eine Praxis für Krankengymnastik, mehrere Gaststätten, ein Imbiss, ein Schlüsseldienst und eine Spielhalle untergebracht. Ein scheinbar lohnendes Geschäft. Im Internet werden die Brutto-Einnahmen aus Mieten mit knapp 280 000 Euro angegeben. In nur knapp zehn Jahren hätte sich also der Kauf des Gebäudes mit 1294 Quadratmetern Gewerbefläche bereits amortisiert. Schließlich liegt der Kaufpreis für den Bahnhof Untertürkheim bei 2,4 Millionen Euro.

In dem Inserat, gespickt mit detaillierten Zahlen, wird das 1396 Quadratmeter große Grundstück als optimale „Wertanlage für Automatenaufsteller“ angepriesen. Und genau aus dieser Branche kommt wohl auch der neue Besitzer. „Wir haben einige Interessenten“, zeigt sich Polzin zuversichtlich in den kommenden Wochen zu einem Abschluss zu kommen. Was dann mit den bisherigen Mietern geschieht, ist noch offen. Schließlich wird im Internet betont, dass die laufenden Mietverträge kurzfristig kündbar seien. Denkbar sei, dass der neue Eigentümer aus der Branche der Automatenaufsteller eine zweite Spielhalle eröffnen könnte. „Eine Konzession liegt bereits vor“, sagt Polzin.

Dem widerspricht jedoch Stefan Braun von der städtischen Gewerbeaufsicht. Zwar werde ein entsprechender Antrag derzeit geprüft, „aber eine Zusage wurde definitiv noch nicht erteilt“. Das begrüßt auch Bezirksvorsteher Klaus Eggert, „schließlich kämpfen wir seit Jahren gegen weitere Spielhallen im Ortskern. Wir benötigen vielmehr einen gesunden Branchenmix.“

 

Artikel vom 12.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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