Illegale Abfallentsorgung ist kein Kavaliersdelikt
BAD CANNSTATT: Das städtische Umweltmobil nimmt seit 1984 kostenlos Farben und Lacke entgegen
Das Umweltmobil tourt seit 1984 durch Stuttgart und sammelt kostenlos Problemstoffe ein. Im vergangenen Jahr entsorgten die Mitarbeiter des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) 194 Tonnen an Farben, Lacken und Lösungsmitteln. Doch trotz des Services werden immer noch giftige Abfälle arglos auf Grünflächen weggeworfen.
Halbvolle Farbeimer werden mal ebenso am Straßenrand abgestellt. Aggressive Pinselreiniger und Lösungsmittel am nahegelegenen Spielplatz und Spraydosen in einem Gebüsch an der nächstbesten Grünanlage entsorgt. „Das ist kein Kavaliersdelikt“, sagt Polizeisprecherin Stephanie Pfeiffer. Während die „wilde“ Entsorgung von normalem Hausmüll nur eine Ordnungsstrafe nach sich zieht, besteht bei Altlacken und Batterien ein Straftatbestand. „Ersttätern drohen bereits mehrere hundert Euro Strafe.“ Bei Wiederholungstätern greift die Staatsanwaltschaft deutlich härter durch. Auch die Einsatzkräfte vor Ort nehmen die illegale Entsorgung ernst: „Die zuständigen Ermittler, die Stuttgarter Wasserpolizei, untersuchen die gefährlichen Abfälle, befragen Anwohner und Zeugen.“ Es wird jeder Anzeige wegen Umweltgefährdung nachgegangen. Denn die Problemstoffe bedrohen auf Grünflächen nicht nur direkt die Gesundheit von spielenden Kindern und Hunden, sondern können auch durch das Erdreich in das Grundwasser versickern.
Dabei ist die Entsorgung von sogenannten Problemstoffen denkbar einfach. „Das Umweltmobil nimmt seit 1984 haushaltsübliche Mengen in verschlossenen und beschrifteten Behältnissen, maximale Größe fünf Liter, kostenlos entgegen und entsorgt diese umweltgerecht“, sagt Annette Hasselwander, Sprecherin der AWS. Die Aufschriften auf der Verpackung oder Etikettenhinweise sollten unbedingt mitgebracht werden. „Spezielle Anliefermöglichkeiten für größere Mengen aus Gewerbebetrieben sind zudem in Planung.“
Dreimal täglich hält das Umweltmobil an 66 Standorten im Großraum Stuttgart. Die Nachfrage bei den Bürgern ist entsprechend groß: 2007 wurden 168 Tonnen Altfarben und Lacke abgegeben, 2008 immerhin 149 Tonnen. „Im vergangen Jahr waren es mehr als 194 Tonnen“, sagt Hasselwander. Wo sich die einzelnen Standplätze befinden, kann dem Abfallkalender entnommen werden. Die Termine in unserem Verbreitungsgebiet werden zudem in unserer Zeitung angekündigt. „Einen ganzen Anhänger voll mit Lacken können wir natürlich nicht annehmen, dafür ist unser Lastwagen nicht konzipiert“, sagt ein AWS-Mitarbeiter des Umweltmobils. Ansonsten sei man aber eigentlich auf alle Flüssigkeiten und Batterien aus dem Heim- und Handwerkerbereich vorbereitet. „Für die Rücknahme von Chemikalien, wie Ammoniak und Quecksilber, haben wir einen ausgebildeten Chemiker an Bord.“
Komplett eingetrocknete Farben und Lacke gehören in den Hausmüll. Leere Spraydosen, die mit dem „grünen Punkt“ gekennzeichnet sind, können im Gelben Sack entsorgt werden.
Infos zum Umweltmobil
Folgende Schadstoffe werden angenommen: Akkus, Batterien, Chemikalien aller Art, flüssige Farben und Lacke, Neonröhren, Lösungsmittel, Pflanzen- und Holzschutzmittel, Quecksilber-Thermometer, Spraydosen und Verdünnungen. Problemstoffe können in der Regel an jedem dritten Samstag im Monat von 8 bis 13 Uhr auf dem Wertstoffhof Burgholzstraße 31/1 in Münster abgegeben werden. Weitere Infos unter www.stuttgart.de/abfall.



