„Winzer-Sauna“ bringt Wengerter-Seele zum Kochen
BAD CANNSTATT: Streit um den Namen für die neue Leuze-Attraktion
Die Kur- und Bäderbetriebe gehen in die Offensive und rühren kräftig die Werbetrommel für das Mineralbad Leuze. Dort wird im Herbst die „Winzer-Sauna“ eröffnet. Doch diese Bezeichnung bringt die Volksseele zum Kochen - zumindest die der hiesigen Wengerter. Denn nur so nennen sich im Schwabenland Menschen, die im Schweiße ihres Angesichts Weinanbau betreiben.
Die neue Panorama-Sauna im Traditionsbad am Neckar wird fraglos ein Schmuckstück, das mit 2,6 Millionen Euro jedoch eine hübsche Stange Geld kostet. Kein Wunder, dass die neue Wellness-Attraktion entsprechend vermarktet und beworben werden muss. Umgeben von wildem Wein, der auf der Panorama-Terrasse gepflanzt wird, und dem herrlichen Blick auf die malerischen Untertürkheimer Weinberge - für die Marketing-Abteilung des Eigenbetriebs gab es deshalb keinen treffenderen Namen als „Winzer-Sauna“.Kein Volltreffer, wie der Aufschrei unter den hiesigen Weingärtnern beweist und womit die Werbe-Chefin Andrea Schmitz nie gerechnet hätte: „Wir wollten keinen vor den Kopf stoßen - haben uns aber bewusst für Winzer entschieden.“ Der Begriff Wengerter sei zwar in der Region ein gängiges Wort, aber darüber hinaus könne keiner etwas damit anfangen. Winzer sei dagegen in ganz Deutschland geläufig, lasse sich besser vermarkten und gehe sehr viel leichter von der Zunge.
Argumente, die Konrad Zaiß nicht gelten lässt. Der Stadtrat der Freien Wähler bricht eine Lanze für das schwäbische Wort, aber nicht nur, weil er selbst ein Wengerter ist. „Die erste Kritik kam nicht aus unserem Dunstkreis“, so Zaiß. Er sei vielmehr auf der CMT und in Besenwirtschaften von Besuchern darauf angesprochen worden. Was ihn ärgert: „Man will Stuttgart vermarkten - dazu gehört jedoch eine Portion Lokalpatriotismus.“ Winzer oder Wengerter, welchen Begriff man verwende, sei für ihn deshalb eine Frage der Identität.
Über das Interesse seitens der Medien auf seine Kritik am „Namensfrevel“ zeigte sich Zaiß doch erstaunt: „Sogar der Rundfunk war zu Besuch.“ Er wollte das Thema gar nicht so heiß kochen und schon gar keine Ideologie daraus machen.
Doch die Diskussionen am Besenstammtisch und in den Weinstuben sind eröffnet, unabhängig davon, dass die Bäderbetriebe den Begriff „Winzer-Sauna“ sicher nicht wieder opfern werden. Zumal es die Wengerter mit ihrer Berufsbezeichnung offenbar nicht ganz so genau nehmen. Auf fast allen Wein- oder Straßenfesten links und rechts Neckars wird seit Jahr und Tag ein Winzer- und kein Wengerter-Steak serviert. Und auch Konrad Zaiß soll selbst schon auf seiner Karte ein Winzer Lachsforellenfilet als Leibgericht seiner Gattin angeboten haben. Er selbst würde jedenfalls im Herbst zur Sauna-Eröffnung höchstpersön lich den e rsten Sauna-Aufgu ss übernehmen. „Mit einem guten Tresterbrand.“ Allerdings nur, wenn am Leuze-Eingang „ Hier geht‘s zur Wengerter-Sauna“ zu lesen ist .



