Kein Geld für die Umgestaltung der Seelbergstraße
BAD CANNSTATT: Laut Stadtplanungsamt ist jetzt die Politik gefordert
Ob Kommunalpolitik, Stadtverwaltung oder gar der Gewerbe- und Handelsverein - was die Seelbergstraße angeht, sehen alle einen dringenden Handlungsbedarf. Allerdings liegen sämtliche Vorschläge und Ideen des Stadtplanungsamtes vorerst auf Eis. Grund: Für eine Umgestaltung wurde im Haushalt 2010/ 2011 kein Geld bereitgestellt.
Einig sind sich die Beteiligten nur in einem: Es muss dringend etwas getan werden. Zwar wurde das Parkchaos durch das Anbringen einiger Halteverbotsschilder erheblich eingedämmt, doch auf dem südlichen Gehweg herrscht immer noch großer Handlungsbedarf. Denn seit der Eröffnung des Cannstatter Carrés im Februar 2006 haben die Passantenströme extrem zugenommen. Das Problem: Aus Brandschutzgründen kann laut Stadtplanungsamt das Trottoir nicht entsprechend verbreitert werden. Eine Umwandlung in eine reine Fußgängerzone wird zum einen vom dortigen Einzelhandel nicht gewünscht und verbietet sich auch wegen des starken Liefer- und Patientenverkehrs. Rund 80 000 Menschen besuchen jährlich die dort ansässigen Arztpraxen.Doch Gewerbe- und Handelsverein sowie die Lokalpolitik haben eine Lösung parat: ein verkehrsberuhigter Bereich. Mit dieser Regelung ist die Stadtverwaltung - da in Stuttgart unüblich - wiederum nicht einverstanden. Doch Werner Wölfle, Grünen-Chef im Stuttgarter Rathaus, hat daraufhin betont, dass die Stadt beweglich sein müsse. Sein Tipp an die Verwaltung: „Verkehrsberuhigte Bereiche funktionieren in anderen Städten bestens.“
„Kein Geld - keine Beschlüsse“, für Susanne Scherz vom Stadtplanungsamt liegt das Thema vorerst einmal zwei Jahre auf Eis. Immerhin hat sie im Bezirksbeirat und auch im Ausschuss für Umwelt und Technik etliche Varianten vorgestellt. Gebe es neue Anregungen und Ideen, so werde ihr Amt diese natürlich prüfen. „Schlussendlich ist jedoch die Politik gefordert“, so Susanne Scherz.
Kritik übte in diesem Zusammenhang GHV-Chef Andrew Readwin, der die Zukunft der Seelbergstraße in der Veranstaltungsreihe „Bad Cannstatt im Gespräch“ vor einem Jahr gerne thematisiert hätte. „Leider erhielt ich vom zuständigen Amt eine Absage“, so Readwin. Die Begründung damals: Auf einer CDU-Veranstaltung unter Teilnahme der in der Seelbergstraße ansässigen Geschäftsleute sei das Thema schon einmal ausführlich diskutiert und kein Konsens erzielt worden. Das Stadtplanungsamt sehe das Thema vielmehr im Zusammenhang mit der generellen Standortentwicklung Cannstatts. Es müsse zunächst geklärt werden, ob denn genügend Einkäuferpotenzial vorhanden sei oder geschaffen werden könne, um eine Einkaufsachse Altstadt/Carré mit einer Seelbergstraße als Fußgängerzone zu realisieren. Erst wenn solch ein „visionärer Einkaufsstandort“ definiert wurde und zudem feststehe, welche Rahmenbedingungen dafür benötigt werden, würden sich neue Anforderungen an die Verkehrsplanung ergeben. Einige der neuen Rahmenbedingungen sind jedoch heute schon abzusehen: Zum einen macht die Bebauung des Terrot-Areals große Fortschritte und zudem wird mit der Aufsiedelung des Güterbahnhof-Areals in absehbarer Zeit begonnen. Und eines steht dabei fest: Beide Projekte werden sicherlich Spuren im Einkaufsstandort Bad Cannstatt hinterlassen.



