DER TRAVERTIN

Travertinpark wird im Mai eingeweiht

BAD CANNSTATT: Umgestaltung der alten Industrieanlage der Firma Schaufele fast fertig

 


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Der Plan rund um den Travertinpark wird Zug um Zug verwirklicht. Erste Ideen dazu hatte vor einigen Jahren die Cannstatter Studentin Regine Gorgas geliefert. Jetzt hat die Stadtverwaltung den ersten Bereich rund um die alte Industrieanlage des Natursteinwerks Schaufele fast fertig gestaltet.

Von Iris Frey

Im Mai soll dort die Einweihung gefeiert werden, wie Werner Koch, Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamts erklärt. In den letzten Wochen und Monaten waren hier die Umgestaltungsarbeiten im Gange. Die alte Industrieanlage zeigt noch heute, wie die Travertinsteine verarbeitet wurden. Die verschiedenen Maschinen und Betriebseinrichtungen wurden von Lehrlingen der Firma Mahle wieder auf Vordermann gebracht und konserviert. Weithin sichtbar ist nun die große Kranbahn, die einst zum Transport der Steine benutzt wurde. Auch eine Steinkreissäge gibt es unter anderem noch. Rund um diese Anlage, deren Gelände die Stadt gekauft hat, wurde der Platz gestaltet und an der Hangkante ein besonderer Aussichtspunkt geschaffen. Treppenanlagen führen zu den Weinbergen. Steinmauern, die neu aufgerichtet wurden, haben auch eine naturschutzfachliche Bedeutung, weil die Trockenstrukturen geschützten Tierarten Heimat bieten, erklärt Hermann Degen vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung. Hier sollen auch Ausgleichsmaßnahmen stattfinden, so Degen. Eine Gehweg-, Radwegverbindung aus Richtung Altenburger Steige entstand. „Noch bevor im Mai das Einweihung gefeiert wird, müssen nun noch in den nächsten Wochen die Vegetationsarbeiten gemacht werden“, erklärt Koch. Auch der Spielplatz müsse noch begrünt werden. Eine Beschilderung fehlt bislang ebenso, ist aber laut Koch bereits in Auftrag gegeben.Noch ist nicht alles verwirklicht, was in den Plänen rund um den Travertinpark steht. So wurden weitere Abschnitte wie die Treppe zur Haldenstraße und die Erschließung des Steinbruchs zurückgestellt, wie Degen erklärt. Dafür sind laut Degen Gelder für die Fortführung des Radwegs bereitgestellt. So soll es eine Verbindung von der Altenburger Steige bis zum Zuckerfabrik-Areal geben. Der Weg befindet sich auf der Trasse der ehemaligen Güterbahngleise zwischen der Haldenstraße und der Bottroper Straße. Er soll eine wichtige Lücke im Wegenetz im Neckartal schließen. Auch Degen verweist darauf, dass sich im Gebiet rund um den Travertinpark schon mehr getan hat: So wurden in der Hartensteinstraße zusammen mit der Carl-Benz-Schule Bürgergärten eingerichtet.Bereits im Jahr 2006 war der Spielplatz an der Altenburger Steige eröffnet worden mit der Skateranlage und Möglichkeiten zum Ballspielen. Zum Travertinpark gehört auch die Grünanlage am Mombach, die die Stadt in den achtziger Jahren gekauft hat. Dort liegt der Quelltopf der Mombachquelle.Was die Erschließung des Steinbruchs Haas im Travertinpark betrifft, so wird hier möglicherweise im Sommer noch eine Entscheidung fallen. So wird versucht, erklärt Koch, das Gebiet mit in das Bund-Länder-Förderprogramm „Die soziale Stadt Hallschlag“ mit aufzunehmen. Wenn dies gelingt, können auch hier noch Gelder fließen. Koch ist sehr zufrieden, dass das alte Industriedenkmal so erhalten bleiben konnte und die Umgestaltung begonnen hat. Der Steinbruch ist 1916 von Eugen Haas westlich der Bahnanlagen zur damaligen Zuckerfabrik eröffnet worden. Betreiber war bis zum Kauf durch die Stadt die Eugen Haas GmbH. Hier wurde Travertin in geringem Umfang bis zur Aufgabe des Steinbruchs vor wenigen Jahren gebrochen. Die Steinbruchwände und die angrenzenden Vegetationsbestände sind auch aus Gründen des Artenschutzes von großer Bedeutung. Deshalb ist der Steinbruch Haas auch als besonders geschütztes Biotop kartiert.

 

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Der Travertin

Der Travertin ist so bedeutend für Bad Cannstatt, weil die Entstehung des Travertins, auch Sauerwasserkalk genannt, eng im Zusammenhang mit den Mineralwässern steht, die entlang der geologischen Verwerfungszone bei Bad Cannstatt und Münster zu Tage treten. Travertin ist eine junge Gesteinsart. Sie entstand während der Warmzeiten des Pleistozäns. Dort wurde aus dem aufsteigenden, stark mit Kalziumcarbonat angereicherten Wasser beim Austritt an die Erdoberfläche unter Druckentlastung Kalciumcarbonat als Travertin ausgefällt. Die verschiedenen Lagen mit weichen Gesteinsschichten sind ein Zeichen für die Temperaturschwankungen von Kälteperioden und geringerer oder ohne Kalkausfällung. Schon die Alemannen und Römer nutzten Travertin. Der Abbau des Travertins begann Anfang des 18. Jahrhunderts. Die Steine wurden für Weinbergmauern genutzt. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es etwa ein Dutzend Steinbrüche in der Gegend. Viele Häuser in Cannstatt, Münster und Stuttgart wurden aus Travertin gebaut.

Artikel vom 08.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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