Zu viel Fett belastet das Herz

BAD CANNSTATT: Kardiologe Professor Thomas Nordt gibt Tipps für eine gesunde Ernährung

 


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Bundesweit sind fast die Hälfte aller Todesfälle auf Herz- und Kreislauf­erkrankungen zurückzuführen. Mit regelmäßiger Bewegung und gesunder Ernährung können die Risiken deutlich gesenkt werden. Der Verzicht ist oft geringer als man denkt, die Gefahren lauern in den Lebensmitteln jedoch oft versteckt.

Von Sebastian Steegmüller

Schwindelgefühl, Ohnmacht, Druck- und Engegefühl im Brustkorb sind untrügliche Zeichen für eine Herzerkrankung. Doch auch Kurzatmigkeit nach wenigen Treppenstufen und eine allgemeine Leistungsschwäche sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. „Wer sich aus unerklärlichen Gründen schlapp fühlt, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen“, sagt Kardiologe Thomas Nordt, Ärztlicher Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßkrankheiten im Katharinenhospital. Doch soweit müsse es gar nicht kommen, mit einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung erspare man nicht nur seinem Herz viel Ärger.

„Man kann nicht auf alles verzichten, aber meinen Patienten rate ich, unbedingt die Fettzufuhr zu reduzieren.“ Dass Fastfood wie Pommes, Currywurst oder Burger mit viel Ketchup auf Dauer ungesund sind, liegt auf der Hand. Aber auch um Speisen wie Croissants, Chips und Salami sollte man einen Bogen machen. Käse, Butter und Margarine sollte man ebenfalls nicht im Unverstand zu sich nehmen. Wer auf sein Butterbrötchen oder ein Frühstücksei - hohe Cholesterinwerte schaden dem Herz - nicht verzichten kann, sollte sich eben an anderer Stelle einschränken.

Das A und O einer gesunden Ernährung ist frische Kost. „Zum einen wird man schneller satt, zum anderen sind viele Vitamine und Vitalstoffe enthalten“, erklärt Nordt. Dass eine gesunde Ernährung nicht nur aus Obst und Gemüse bestehen muss, sieht man an den arktischen Völkern. Die Eskimos ernähren sich überwiegend von Fisch und leiden kaum an Herzbeschwerden. „Gerade Hering und Lachs mit hohem Omega-3-Anteil ist sehr empfehlenswert“, so Nordt. Generell sei zu beachten, dass man ungesättigte Fette den gesättigten vorziehen sollte. „Dabei muss es nicht zwingend teures Rapsöl sein. Auch ein günstiges Sonnenblumenöl hat einen hohen Anteil an pflanzlichen Fetten.“ In Maßen genießen, sei die richtige Ansage. „Eine Hand voll Walnüsse am Tag ist sicher eine gute Sache, aber es sollte eben nicht zu viel sein.“ Doch nicht nur zu fettige Ernährung kann das Herz stark belasten. Auch Süßes und Saures, sprich Salz und Zucker in zu großen Mengen, können dem Organ schaden.

„Die Kontrolle der Salzzufuhr darf man in einer gesunden Ernährung keinesfalls außer acht lassen“, sagt der Herzspezialist. Zu viel Salz führe zu Bluthochdruck und schlägt somit auf das Herz. „Das Problem ist, dass die meisten Patienten glauben, sie essen wenig Salz“, erklärt der Kardiologe. Doch das sei ein Trugschluss, denn viele Salze sind in den Lebensmitteln versteckt. „Beim Nachsalzen sollte man sich wirklich zurückhalten.“

Auch das Süßen mit Zucker kann Thomas Nordt nur bedingt empfehlen. „Der Rohrzucker ist vitaminfrei und gibt dem Körper nichts zurück. Wer beispielweise seinen Tee nur gesüßt genießen kann, sollte besser auf Süßstoff oder Honig zurückgreifen.“ Auch um Softdrinks und Süßigkeiten sollte man einen Bogen machen, da sie zu Übergewicht führen - eine Hauptursache für Herzerkrankungen.

Mit den überflüssigen Pfunden einher geht die Bewegungsarmut. Neben einer gesunden und ausgewogenen Ernährung ist die regelmäßige Bewegung sehr wichtig. „30 Minuten am Tag sind empfehlenswert“, sagt Nordt. Aber auch 15 Minuten flott um den Block spazieren oder das Auto auf kurzen Strecken stehen lassen, ist besser als nichts zu tun. „Mehr Bewegung kann eigentlich nicht schaden, denn ‚ein gesundes Herz kann man nicht überanstrengen‘.“ Es sei nie zu spät, sein Leben umzukrempeln. Viele Herzkrankheiten habe man zwar durch bessere Medikamente und Behandlungsmethoden in den Griff bekommen, dennoch nehmen die Erkrankungen bedrohlich zu. Jeder Einzelne könne auch im Alter viel zur Gesundheit seines Herzens beitragen. „Die Kurve kann man immer kriegen, auch mit 70 Jahren.“

Mit großer Sorge sieht der Herzspezialist die Gewichtzunahme bei Kindern und Jugendlichen. „Es gibt immer mehr übergewichtige Schüler. Junge Menschen bewegen sich zu wenig und ernähren sich ungesund.“ Ein Schulfach „Ernährung“ hält der Mediziner für sinnvoll.

Artikel vom 06.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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