WAS MACHT EIGENTLICH WIEBKE WäHLING?
Zupackend und sozial engagiert
BAD CANNSTATT: Die 63-Jährige ist nach der Pfarrerstätigkeit auf dem Hallschlag Dekanin in Zuffenhausen
Schwierige Diskussionen hat sie zu bewältigen, aber das macht sie gerne. So habe sich die Gemeinde in Feuerbach entschlossen, sich bis zum Jahr 2017 von zwei Häusern zu trennen. Wähling gibt zu bedenken: „Investieren wir in die Steine oder die Menschen?“ Letzteres sei ihr wichtiger. Die Fachkenntnisse, die sie sich während ihrer sechsjährigen Tätigkeit als Vorsitzende des Haushaltsausschusses der württembergischen Landeskirche erworben hat, setzt sie nun ein, um neue Sozialstrukturen zu schaffen. Wähling ist für rund 32 000 Gläubige zuständig, erlebt große Umschichtungen in der Bevölkerung. Als das Dekanat Zuffenhausen 1965 von Cannstatt abgespalten wurde, zählte es 70 000 Gläubige. Durch den Schwund der Mitglieder muss sie den Strukturwandel weiter verfolgen. Sie trägt Personalverantwortung für die Pfarrer und Haushalte ihres Kirchenbezirks. Zu ihrem Wirkungskreis gehören Zuffenhausen, Stammheim, Himmelsleiter mit Rot, Freiberg, Mönchfeld, Zazenhausen, Feuerbach und Weilimdorf. Sie wirkt auf Kirchenkreisebene und ist Dekanin für die Diakonie. Dort setzt sie sich für eine stärkere Vernetzung der einzelnen Einrichtungen ein und hat am 10. Juni ein Blind Date dafür organisiert. „Vieles, was an Diakonie da ist, wird nicht wahrgenommen.“ Das will sie ändern.
2008 hat sie in der Pauluskirche eine Armutskonferenz organisiert. Ein Ergebnis war ein Angebotsatlas, „um die Augen der Gemeinde zu schärfen“. Da sie für die Vesperkirche verantwortlich ist, die täglich 700 Menschen zählte, stoßen ihr die Äußerungen von Vizekanzler Guido Westerwelle zu Hartz IV besonders auf. Sie weiß, dass die Angst vor Armut mittlerweile auch die Mittelschicht erreicht hat. „Mit der Angst der Menschen so umzugehen, dass man draufhaut, ist unverantwortlich.“ Die Menschen möchten arbeiten, so Wähling. Schlimm sei es für diejenigen, die schon fünf Jahre mit Hartz IV leben und sehen, es kommt nichts mehr.
„Stuttgart sozial“ heißt ihr neuestes Projekt, in dem sich viele sozial tätige Institutionen zusammengeschlossen haben und gemeinsam auch im Internet auftreten. Mit der Einrichtung von Pflegehotels und der individuellen Betreuung von Behinderten blickt sie auf positive Entwicklungen um sich herum. Als Aufgaben für die Diakonie sieht sie, neue Initiativen zu ergreifen, die akute Probleme anpacken. Und da steckt die 63-Jährige voll drin und packt an, wo es nötig ist.



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